Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1855)
- Date
- 1855-01-15
- Page
- Seite 33 (sequence 7)
- Language
- German
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33 fern Gemeinden der Provinz gehört und seit etwa 15 Monden ohne Seelsorger dasteht, hat die Concurrenz bereits eröffnet. In Obersitzko lKreiS Samler) hat bis Ende v. M. die 12 Mitglieder zählende Stadtverordneten- Versammlung aus 7 Christen und 5 Israeliten bestanden. Wie jedes Jahr, wurde auch Heuer ein Drittel durch's Loos auSgeschieden, und zufällig waren alle 4, welche das Loos traf, Mitglieder israelitischen Glaubens. Bon diesen 4 Männern sind bei den am 27. November c. vollzogenen Ergänzungswahlen drei — und zwar größrenrheils durch Glimmen von Christen — wieder gewählt worden, während an Stelle des vierten ein christlicher Bürger in das Collegium kam. Letzteres hat somit jeyt 8 christliche und 4 jüdische Mitglieder, und zum Vorsitzenden, wie früher, Herrn Abr. Karger, einen Israeliten. — In Liffa hat die israelitische Elementarschule bisher aus 6 Claffen, und zwar 2 obern Knabenclaffen, 2 obern Madchenclassen und 2 combinirten Unterclassen bestanden. An diesen 6 Classen waren H Lehrer beschäftigt. Von Neujahr ab aber sollen, wie wir hören, 2 Lehrer pcnsionirt, an ihrer Stelle jedoch keine andern ausgenommen, sondern die Classen vielmehr um 2 vermindert werden. Da sehr viele jüdische Knaben das dasige Gymnasium besuchen und auch eine gute christliche Töchterschule besteht, welche jüdische Mädchen nicht ausschließt, so hofft man, daß eine vierclassige jüdische Elementarschule vollkommen genügen würde. „Genügen?" Allerdings werden sie genügen müssen, und sollten auch die untern Classen — wie das schon bis jetzt der Fall war, — an starker Ueberfüllung leiden. Diese aber ist ein Uebel, woran die meisten Unterclassen unserer Elementarschulen laboriren, und wenn der arme Lehrer sich dabei zu Grunde richtet — wen kümmert's? Wird auf diese Weise doch Geld erspart, und das ist Hauptsache. — Unterclassen mit weniger denn 100 Kindern gehören schon zu den Seltenheiten, die meisten haben darüber, und giebt eS auch so manche, in welcher sogar 140 — 150 Kinder und noch mehr angetroffen werden. — Wir kommen auf diesen Punkt nächstens zurück. — Für heute lassen Sie uns bei Lissa bleiben. — Die dortige jüdische Schul-Societat sieht, wie ihre christlichen Schwestern, mit dem Beginne des kommenden Jahres in finanzieller Beziehung in so fern einer Besserung der Verhältnisse entgegen, als von nun ab — wie es von vornherein bestimmt war — auS dem Ertrage der Mahl- und Schlachtsteuer wirklich 40 Procent — die dort 4300 Thlr. auSmachen, — den städtischen Schulcassen zufließen sollen, wovon auf die jüdische Schule, — welche, wenn wir nicht irren, den sechsten Theil deS Zuschlags erhält, — also mindestens 700 Thlr. kommen dürften. — Die dortige Synagogen - Gemeinde hat im vergangenen Monat durch den Tod des Kaufmanns M. K. Holländer eines ihrer achtbarsten und wohlhabendsten Mitglieder verloren. In dem überaus zahlreichen Gefolge, welches die Leiche deS Verblichenen bis zu ihrer Ruhestätte geleitete, waren alle Confessionen wie alle Stände stark vertreten. Aus dem Friedhofe wurde, — ein Ereigniß, das dort zum ersten Male vorkam, — eine Trauerrede in deutscher Sprache gehalten. — Der Musik-Verein zu Lissa hat neulich zum Besten wohlthätiger Institute eine dramatische Soiree gegeben und von deren Ertrage, welcher circa 50 Thlr. gewesen sein soll, einen ansehnlichen Theil der Casse des „Vereins zur Bekleidung israelitischer Armenschüler" zufließcn lassen. — In Rücksicht auf die herrschende Theuerung und den strengen Winrer hat der Lissaer Gemeinde-Vorstand neulich den gewiß anerkennenswerthen Beschluß gefaßt, 1000 Thlr. aus der Gemeindecasse zum Ankauf von Lebensmitteln zu verwenden und von lctztern alsdann allwöchentlich eine gewisse Quantität zur Hälfte des Einkaufspreises an Arme und Dürftige abzulassen. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Hradok (Ungarn), 28. Dccember. (Privatmitth.) Folgende wörtlich wahre Begebenheit macht in der Gegend viel zu reden. In einem unsrer benachbarten Dörfer war ein Jude durch zwei Jahre Richter. Die Dorfbewohner sowohl als die Behörde waren mir der Vollziehung seines Amtes höchst zufrieden. Plötzlich kam ihm die Weisung, sein Amt niedcrzulegen. Dieses berührte den jüdischen Richter sehr empfindlich, da er keine andere Ursache, als die, weil er Jude ist, vermuthen konnte. Er gehorchte und die Richter-Attribute wurden übergeben. Bei der Wahl eines christlichen Bewohners des Dorfes auf den Richterstuhl mußte man sich von der Makellosigkeit des zu Wählenden überzeugen. Man schlug zu diesem Zwecke das Protokoll