Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 19 (1855)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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19. Jahrgang. JW i Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ein «nparteiisches Organ für alles jüdische Interesse- Heransgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. Leipzig, den 1. Januar 1855. Dikse Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Montag«, und wird jährlich 78 Soge» rn Quart incl. de« Titels. Register-, u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes, derselben die allgemeinst« Verbreitung zu geben, ist der PreiS-äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Iabrgang; — 1 Tblr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 g®r.) für sechs Monate — 22 Vr Ngr. <18 gGr.j für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zcitungs - Expeditionen nehme» Bestellungen an-, der Hauptfpedikion für beide Letztere hat fich die lönigl. sächs. Zeitungs - Expedition allhier unterzöge». Inhalt. Leitende Artikel: Ein Glaubensbekenntniß.— Der Wiedereintritt der Juden in Spanien. — Das jüdische Schulwesen in Preußen. — Aphorismen. Zeitungsnachrichten: Palästina: Jerusalem. Deutschland: aus dem Fürstenthum Birkenseld. Preußen: Danzig, Oberfitzko. Oesterreichischerädaiserstaat: Wien, Weßprim. Holland: aus dem Haag. Literarische Nachrichten: Worms. Correspondenz: Alzey. Leitende Artikel. lxg, 21. December. Ein Glaubensbekenntniß. Vor einigen Jahren hatte ich eine Audienz bei einem hohen Würdenträger. Bald nach der Vorstellung hob er an: Um es kurz zu machen, geben Sie mir Ihr Glaubensbekenntniß. Ich kenne nur zwei Arten Juden, und habe natürlich mein Urtheil über beide: Reformjuden und orthodore Juden — welcher von Beiden find Sie? Es thut mir leid, lautete meine Antwort, daß Ercellenz nur diese Beiden kennen, um so mehr, da ich keiner dieser Beiden bin. Und was find Sie denn? lautete die Erwiederung. Ich bin kein sogenannter Reformjude — denn die Verlegung des Sabbaths aus den Sonntag, die Beseitigung der Beschneidung, die Entfernung des Hebräischen aus dem Gottesdienst, die Abschaffung aller alten Symbole u. s. w., kurz die gänzliche Lostrennung vom historischen Boden des Judenthums, die völlige Negation des Gesetzes, und selbst die Zweideutigkeit und Zweifelhaftigkeit in der Lehre, Alles dies ist eine solche Zerstörung des concreten Judcnthums, ist eine solche Verleugnung innerster Principien desselben, daß jenes dem Judenrhume eher dem Namen als dem Wesen nahcsteht. Und warum denn nicht orthodorer Jude? Ich nehme diese Bezeichnung in dem Sinne, welchen man in der Thal und ohne Täuschung gewöhnlich damit verbindet, und da bezeichnet es dann ein Judenthum, welches wesentlich allein in der unabänderlichen Verpflichtung besteht, alle Satzungen, Gebräuche, Sitten und Gewohnheiten, wie fie fich bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts gemacht und festgestellt haben, zu beobachten, welche auch die Veränderungen des Lebens, der Verhältnisse, der Gesinnungen und der Ansichten seien, denen die Einzelnen und die Gesammtheit der Juden unterworfen waren und find. Und wenn Sie nun auch dieser Richtung des Judenthums nicht angehören, was sind Sie dann? Ich bin ein geschichtlicher Jude... Gestatten Sie mir, dies mit wenigen Worten zu erläutern. Ich stehe als Jude auf einer viertausendjährigen Geschichte, und bin nur Jude durch diese viertausendjährige Geschichte. Nehme ich diese Geschichte unter mir hinweg, so bin ich nichts in religiöser Beziehung, am wenigsten Jude. Durch-