Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 76 (26.6.1838)
- Date
- 1838-06-26
- Page
- Seite 306 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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506 pole studirt ihn, um ihn zu kennen, der Großpole sieht aber in ihm allein die Achse, um die das Welkall sich drehet. S. G. Bombay, (Ostindien). Die Juden sind in Bombay zahlreicher und geachteter als im ganzm übrigen Hindostan; sie geben gute Soldaten ab, und man findet ihrer sehr viele in den Reihen der Heere. - (As. J.). Leipzig, 12. Juni. (Eingesandt.). Ein aufrichtiger Freund aller Religion, ein Christ, ersucht die löbl. Redaction um Insertion folgender Anfrage: Die allg. Kirchenzeitung von Bretschneider erzählt in No. 194. S. 1556. 1834, daß in einem christlichen Staate Europa's noch jetzt der größte Theil einer armen Judengemeinde seit 8, schreibe acht Jahren, in schwerer Haft, und, soweit der Tod nicht das Eisen gebrochen hat, mit Ketten beladen sei, weil sie angeschuldigt ist, eines Christenkindes Blut am Passahseste getrunken zu haben." Zur Begründung der Anklage sei nichts vorhanden, als „der gefundene Leichnam eines Kindes, und die Aussage eines alten Weibes." Unterschrieben ist der Aufsatz, in welchem dieser Barbarei gedacht wird, von dem um die Geschichte seiner Glaubensgenossen rühmlichst verdienten Dr. Jost in Frankfurt. Aber warum hat er das Land, wo solche Ignoranz und barbarische Justiz geübt wird, nicht näher bezeichnet? Ignoranz, denn es gehört nur wenige' Kenntniß des jüdischen Ritualgesetzes dazu, um zu wissen, daß sie alles Blut zu genießen streng verbieten; nur die Unwissenheit des Mittelalters konnte dadurch ihre Verfolgungen und Grausamkeiten beschönigen wollen. Wie> aber noch jetzt ein europäisches Land solche Barbarei im Wege der Justiz begehen könne, möchte man wohl zu fragen berechtigt sein, und suchen wir hiermit um Belehrung nach. *r. Tages ^Lontrolc. Mofcs Mendelssohn's sämmtlicht Werke. Ausgabe in Einem Bande. Wien 1838. Zwei und fünfzig Jahre sind seit dem Tode des weisen Moses verflossen, und eine vollständige, allen Wünschen entsprechende Gesammt-Ausgabe seiner Weyke, mit trefflichem Druck, auf gutem Papiere, lieget vor uns. Die neueste Zett, die so vielen Bedürfnissen abgeholfen, und den Händen, so danach greifen wollen, das Erlangen so leicht gemacht, hat auch hierin jede Klage und jeden Vorwand abgeschnitten. Wir brauchen hier keine Empfehlung, keine Mahnung, diese Werke zu lesen, zu geben; selbst nicht einmal die Freude, die Befriedigung, die wir in dieser Ausgabe haben, den Dank, den wir den Unternehmern wissen, wollen wir aussprechen. Nur wenige Bemerkungen wollen wir hier anknüpfen, die sich uns aufdrangten, als die uns längst bekannten Satze und Gedankenreihen wieder entgegentraten. Wir thun dies in der Erinnerung an die seligen Stunden, die namentlich „die Briefe über die Empfindungen" schon dem 13jährigen Knaben bereiteten, und in ihm erst recht ein höheres Bewußtsein weckten. Eines ist es, was den Schriften dieses Moses einen besondern Charakter und für den wahrhaft strebenden Geist einen eigentümlichen Reiz schafft: Dieses unermüdliche Streben nach Wahrheit und Klarheit der Erkenntniß zugleich. Da finden wir freilich das Gewühl aufgeregter und aufregender Leidenschaften nicht, in dem sich die Jetztheit so sehr gefallt; wir finden nicht die krankhafte Ueberreizung einer auf den Wogen mystischer Ahnung gepeitschten Vernunft; auch steigt der Geist dieses Moses und seiner Genossen, Lessing, Abbt rc. nicht in die dunklen Bergschachte' einer überdeckten und verhüllten Philosophie hinab, wo das Grubenlicht so oft verlischt, und die falschen Wetter den Bergmann tödten. Darum haben schon viele mitleidig über Moses, Lessing, Abbt die Achsel gezuckt, und von flacher Popularität geschwatzt. Wir bemitleiden diese selbst. Nicht als ob wir die großartigen Resultate und Verdienste der neueren Philosopheme zurückdrängen wollten, aber man soll niemals darüber die schönen Bestrebungen der klaren Denker verkennen, welche, anstatt Schulen, Nationen Licht geschafft. Die Schriften unsres Moses und seiner Freunde gleichen der friedlichen Abendlandschaft, wo die Erzeugnisse der angestrengten Tagesarbeit aufgehaust sind, und nun erst geruhet wird; es wird nicht ruhe- und rastlos umhergejagt, nicht nach einem unerreichbaren Ziele mit unbelohntem und unbefriedigtem Eifer gestrebt, bis die Kräfte geschwunden und der Geist erschöpft und verdumpft ist; sondern das Ziel ist im Voraus abgesteckt, die Kräfte abgemessen, der Wille stark, und da man gesaet, erntet man auch. Das Denken dieses Moses und seiner Freunde ruhet auf der Unterlage eines offenen, freundlichen, gastfreien Gemüthes — ein Umstand, der die Liebhaber der stürmischen See bewog, sie für kalt und tiefer Empfindung bar zu verschreien — aber es ist wahrlich ein tiefes und schönes Gefühl, das in jenen lebte, und das ihrer Denkkraft zum trefflichsten Hebel der Bewegung diente. Diese Liebe zum Denken, diese lautre Verehrung der unbegrenzten Gottheit,