Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-26 · Heft 76 (26.6.1838) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 76 (26.6.1838)
Date
1838-06-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224933--01111-3299931
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

II. Jahrgang. JillljJtlltCtlft No. 'ff©, Zeitung des Iudeuthums. Ein wpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit Köm'gl. Sächsischer allergnä'digster Concession.) Leipzig, den 26. Zuni 1838. Zeitungsnachrichten. London, 6. Juni. Der Herzog von Cambridge (Obeim der Königin, früher Vicekönig von Hannover) hat das Prorektorat über das jüdische Waisenhaus übernommen. Koblenz, 2. Juni. Im hiesigen Regbez. Lebten am Ende des Jahres 1837 unter 449,125 Einwohnern 7249 Juden, 298,962 Kath., 142,654 Evangelische, 260 Mennoniten. — Hiernach hätten in den Letzten drei Jahren (s. No. 85 vor. I.) sich die Juden nur um 19 vermehrt, die Evang. um 911 sich vermindert, und die Katholiken um 4078 sich vermehrt. Breslau, 13. Juni. (Privatmitth.). Die Sammlung für Lessings Denkmal, die Dr. Freund veranstaltete, ist geschlossen, und belauft sich auf 212 Thlr. Magdeburg, 18.Juni. (Privatmitth.). Am vergangnen Sabbat, den 9. h., fand die diesjährige Confirmation der Knaben uno Mädchen statt, die vierte seit 1834. Diese Feier, jedesmal ein Fest für die ganze Gemeinde, wurde insonders diesmal auf die feierlichste und erhebendste Weise ausgeführt, indem sich ein eigener Mannerchor zu dieser Feier gebildet harte, der einen hebräischen Psalm (150) und einen deutschen Choral (s. das Homilet. Beiblatt) so wie mehre Amen trefflichst executirte; die Kanzel war neu bekleidet, die Tribüne, auf der die Consirmanden bei der Handlung unter hohen Bögen mit einfachen Guirlanden, verweilen, erhöht, und eine höchst zahlreiche Versammlung, so groß si> der Raum nur gestattete, nahm an der heiligen Handlung Theil. Die Form dieser, wie sie hier ausgeführt wird, kann man im 6. Hefte des israel. Pred. und Schul- Magazins B. I. und H. Nachsehen. Die Predigt war über die Heiligung des Menschen (über sHaphrora) Sacharja 3,6). Der eigenthümliche Charakter der Gemelnde allhier ist es, daß die Spaltung in „Alte" und „Neue" hier insoweit gar nicht statt findet, als sie etwa auf die Beschaffenheit des Gottesdienstes wesentlich insluirte. Ein Jeder, ohne Ausnahme, nimmt denselben Antheil an allen Schritten, und Prediger und Rabbiner wirken in wahrhafter Collegialität. Von Opposition ist nicht im Geringsten die Rede, da ein Jeder sich bewußt ist, daß Alles, was geschieht, aus reiner israelitischer Tendenz hervorgeht, und nur der bedauert wird, der von der Religion sich so weit verloren, daß ihm Alles kein Interesse abgewinnt. Besonders hervorzuhebcn ist, nächst dem Streben der Gemeindeältesten, der Herren Susman und Max, die Wirksamkeit des Synagogen-Vorstehers, I. Allier, der, selbst orthodoxen Ansichten huldigend, nichts unterläßt, was den Gottesdienst heben kann, und sich eben jetzt mit Bildung eines Gesangchores eisrigst beschäftigt, in welchem viele Gemeindemitglieder Mitwirken werden. München, 12. Juni. (Privatmitth.). Wenn je unser Gottesdienst auf irgend eine erhebende Weise verherrlicht wurde, so sind es die. gediegenen Predigten, welche in dieser Zeit, Gott sei Dank! keine Seltenheit-mehr sind, und von denen wir einst eine Ernte guter Früchte erwarten können. Aehnliches wurde uns dahier am vergangenen Wochenfeste zu Theil. Nachdem am ersten Feiertage der hochgeehrte Rabbine eine dem Publikum erbauende Predigt gehalten, hatten wir am folgenden Tage das Vergnügen, den Rabbinatscandidaten Hrn. M. Lilienthal von hier, zum erstenmal aus der Kanzel zu sehen. Dieser junge, talentvolle Mann überraschte wahrhaft durch seine kernhaften, inhaltsreichen Worte, durch seine gewählte, einfache Sprache, wie nicht minder durch seinen lebendigen und zum Herzen gehenden Vortrag. Es war die Synagoge sehr gefüllt, denn außer den zahlreich sich einfindenden Juden waren es auch sehr viele Christen, welche hieher kamen, um die Worte des jungen Predigers zu hören, und sich überzeugten, daß man sich auch im jüdischen Gotteshaus erbauen und die Synagoge gerührt verlassen könne. Allgemein herrscht nun der Wunsch, daß uns öfter dieser Mann mit seinem belehrenden Vorträge erfreuen möge, und wir sehen der Erfüllung derselben bald entgegen. -Dr. Lehmaier. Warschau, 10. Juni. (Privatmitth.). Eine jede Nation hat ihre eigenen Ansichten, ihre eigenen Fehler und Tugenden, die man als unterscheidendes Kennzeichen betrachten kann. — Sonderbar aber ist es, wenn zwischen den Gliedern eines, und desselben Volkes eine so große Verschiedenheit ist, wie zwischen dem gcoßpolnischen und kleinpolnischen Juden. Der Kleinpole sinnt kurz, saßt schnellen Entschluß, und geht löblichen Schrittes zu Werke; der Großpole hingegen brütet Tag und Nacht, ohne zu beginnen, und stirbt in Unthatigkeir. Der Großpole gründet seinen Stolz auf die Reihe längst verblichener Rabbinen unter den Ahnen, der Kleinpole arbeitet dahin, der Erste seiner Familie zu werden. Der Jude Kleinpolens sendet seine Kinder in die christliche Schule, und freut sich ihrer Fortschritte; der Großpole halt dies für Gottlosigkeit. Selbst im Studium des Talmud unterscheiden sie sich; der Klein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.