Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 75 (23.6.1838)
- Date
- 1838-06-23
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 Mitglieder, um, wo möglich, jeden Sabbat eine Predigt zu haben, erfüllen könme. Am kräftigsten wird aber der hiesige RaKbine in der AuSfühs rung der zeitgemäßen Verbesserungen im Gottesdienst innerhalb des Tempels, durch den würdigen und talentvollen Vorsänger Hr. A. Cohn — ebenfalls aus Rheinbaiern und Bruder des Schuldirektors und lnstitutour Cohn zu München — und zum Tbeil auch durch dessen bisweilen als Adjunct-Vorsänger fungirenden jüngcrn Bruder, unterstützt. Beide baden während den wenigen Jahren ihres Aufenthalts hicrfelbst, ungeachtet der größten Schwierigkeiten und mit Aufwand unsäglicher Mühe und Zeit, einen meistens auö den Zöglingen der Armenschule bestehenden Chor Lcbildet und unterrichtet, welcher sich schon in seinem Aeußern vorchcilhaft auszeichner, und mehr noch durch eine abgemessene Einschreitung und nicht selten mit vortrefflicher Harmonie, vieles-zu der Ordnung im Gottesdienste beiträgt, dergestalt, daß an allen Sabbat- und Feiertagen, wie bei außerordentlicher Gelegenheit, wo auch Mädchen mitstngen, die Gebete ausschließlich vom Vorsänger und diesem Chor vorgetragen werden, und nur sehr selten die Stimme einzelner Mitglieder der Gemeinde vernommen wird. Seitdem die, vermuthlich auch Ihnen bekannte, Sammlung von Gesängen oder Hnmnen mit moralisch religiöser Tendenz für jede außerordentliche Gelegenheit, wie z. B. die Vorabende der Feiertage und einiger besonderer Sabbate, die Confirmarron, Heirathöeinsegnungen, Traueramte, Geburtstag des Königs u. s. w. von Hrn. vr. Somerhausen, einem längst hierwohnenden Deut- . fchcn, in rein hebräischer Sprache verfertigt und durch Hrn. Cohn in Musik gesetzt, eingeführt ist, findet der Gottesdienst, nur mit sehr seltnen Ausnahmen, . ausschließlich in hebräischer Sprache Statt, obschon sich oster hier wie überall mehre Stimmen dawider erhoben und gewünscht hätten, daß der Gottesdienst wo nicht gänzlich, doch wenigstens zum Thcil in der Landessprache gehalten würde, und .sogar in einer unter dem Rabbinate des vr. Carm o ly verfaßten, ohnehin manche gute Einrichtung vorschreibenden Synagogenordnung, ausdrücklich die Rede war von Andachtsübungen in nicht hebräischer Sprache, welche an den Sabbat- und Feiertagen nach beendigter gewöhnlicher Gottesdiensifeier vorgenommen werden sollten. Allein bei dem heillosen Indifferentismus, welcher bei dem sogenannten aufgeklärtern Theile der Gemeinde herrscht, bei der Gleichgiltigkeit, womit dieser überhaupt alles was auf den Gottesdienst Bezug hat, betrachtet und bei der Nachlässigkeit im Besuchen des Tempels, während die weniger Aufgeklärten doch mehr aus Gewohnheit als aus Ueberzeugung, am Herkömmlichen hängen, gerade die eifrigste Thcilnabme an den Tag legen und beinahe das ganze Jahr hindurch die Einzigen sind, welche man in der Synagoge zu Gesicht bekommt, ist eö schwer vorher zu sehen, ob je oder wenigstens so bald in dieser Hinsicht Hierselbst eine Verbesserung zu erwarten ist: denn bei den Mängeln der religiösen Erziehung unrer den wohlhabenden Einwohnern Brüssels, dürfte wol von der künftigen Generation noch weniger Gutes als von der jetzigen zu hoffen sein? Möchte doch von unfern deutschen Glaubensbrüdern, die trotz ihrer minder vortheilhaften Stellung so vieles vor den Hiesigen voraus haben, diesen der Impuls gegeben werden, ihre günstige Lage zum Vortheile eines verbesserten CultuS zu benutzen! Ich glaube die gegenwärtige fast schon zu sehr ausgedehnte Mittbeilung nicht besser, als mit diesem aufrichtigen Wunsch schließen zu können, und füge nur noch das Versprechen hinzu, daß deren günstige Aufnahme in Ihrem geschätzten Blatte mich ermuntern würde, Ihnen bei verlängertem Aufenthalte an hiesigem Orte noch manches Besondere in diesem Bezüge mitzutheilen. Anzeiger. ' Zn demselben werden Annonce», aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespalrene Zeile aus Perir«Schrifr ooer deren Rau«» aufgenoonne«. Die Vertagshandlung. Vorläufige Nachricht an Rabbmen und Lehrer, an Privatgelehrte und Freunde der hebräischen Literatur. Mit höchster Genehmigung werde ich unter dem Titel: „Jndidja neue Folge. Allgemeines Archiv des Judenthums" eine Zeitschrift in zwanglosen Heften, Herausgeber*, welche sowol das Wesen des Judenthums, als auch die Verhältnisse^ und Zustände der Juden im In- und Auslände besprechen soll. Vier Hauptrubriken: Religion, Kultus, Geschichte und Literatur, sollen alle Gebiete der positiven Religion, der gottesdienstlichen-, Schul- und Gemeinde-Angelegenheiten, der älteren und neueren Geschichte, und der alten und neuen Literatur umfassen. — Männer, bie sich zur Theilnahme an einer solchen Schrift eignen, sind eingetaden, sich mit mir in Briefwechsel zu setzen, um über Tendenz uffd Form und über sonstige Bedingungen Rücksprache nehmen zu können. vr. I. Heinemann, Jüdenstraße No. 36 in Berlin. Ich fühle mich verbunden, hiermit dem Herrn vr. moü.! I. I. Sachs zu Berlin öffentlich meinen tiefgefühltesten Dank für die unermüdliche Menschenliebe, mit der er fm die Aufnahme in das Hospital und den Unterhalt meinet beiden erkrankten Kinder sich bemühete, auszusprechen. Der Allgütige, der Vater der Wittwen und Waisen, wird ihm dafür Vergeltung verleihen. Sondersleben, 11. Juni 1838. Wittwe Wolfs Salomon. B e ur e r k u n g e n. d Don dem über Leipzig uns zugekommenen Aufsätze des Herrn M. E. in Brody ist nur das Ende angekommem Wir bitten den Druckfehler in No. 64.- S. 257. Sp. 1. Z. 4 v. oben „Staatsbehörde aus der Gemeinde" in „Staatsbehörde und der Gemeinde" zu verändern. Wir bitten den Herrn © uns die Fortsetzung seines Aufsatzes bald zu senden.. Die Redaction. Rcdactcur: vr. L. Philippsorr. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von Z. B. Hirschfev. (Hierzu das lirerar. und bemiler. Beiblatt No. 17.)