Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 74 (21.6.1838)
- Date
- 1838-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 74. n. z-hMug. All§emeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit KLnigl. Sächsischer alierqnädigstkr Concession.) Leipzig, den 21. Zuni 1838. Zeitungsnachrichten. Frankfurt a. M., 10. Juni (Privatmitth.). Die Lekpz. A. Z. enthält vom 4. Juni einen Artikel von hier aus, der, gelindest bezeichnet, höchst sonderbar ist: „Unter unfern israelitischen Mitbürgern ist ein großer Meinungszwiespalt in kirchlicher Beziehung eingetreten. Die Anhänger des Alten, d. h. des Talmud, bieten Alles auf, um wieder die Oberhand zu erhalten, und die Neuerungssüchtigen, d. h. die Freunde der wohlthatigen kirchlichen Reform, zu unterdrücken. Die Talmudisten sollen übrigens an einem ihrer berühmten Glaubensgenossen hier einen sichern Rückhalt haben, was man aber nicht geneigt sein sollte zu glauben. Durch Einfluß von hier soll selbst in einer Stadt eines benachbarten Landes ein junger tüchtiger Mann, dessen Geistesrichtung aber dem Fortschritte der Zeit sich hingibt, nicht zum Rabbinenamt haben gelangen können; die Anhänger des Talmud setzten ihren Candidaten durch. Viele hiesige Israeliten sotten aber entschlossen sein, sich eher taufen zu lassen, als wieder unter die Gewalt der Talmudisten zurückzukehren." — Mag nun auch die Thatsache ihre Richtigkeit haben, so ist doch in gegenwärtiger Zeit die Herrschaft jeder Parthei ziemlich zu ertragen, da Bann und Excommunication nicht mehr stattsinden. Am wenigsten aber dürfte die jeweilige Besetzung irgend eines unbedeutenden Rabbinenamtes durch eine der Zeit unangemessene Person von solcher Wichtigkeit sein, daß darum Tausende ihre Religion verlassen sollten. Denn an sich vermag ja Niemand, und wenn auch Tonnen Goldes ihm zu Gebote stehen, den Gang der Zeit aufzuhalten, und welches wahrhaft Wohlthätige und Heilsame ist je ohne Widerstreit in die Welt gekommen? die Hemmnisse von Odscuranten, wie die Schwierigkeit der Emancipation, sind notwendig, um die Gestaltung des deutschen Judenthums gediegen und wohl gegründet zu machen. Mögen wir auch die Opfer sein — wohl uns, so wir für die Nachwelt arbeiten und — leiden. Prag, 30. Mai. Im Königreiche Böhmen sind im Jahre 1837 getraut: 33,437 Paare, worunter 208 jüdischen Glaubens; 157,028 Kinder geboren, worunter 1472 jüdische. Hiernach stellt sich das Verhalrniß der jüdischen Geburten (rote 1 zu 107), gegen das der jüdischen Ehen zu den christlichen (wie 1 zu 160) vortheilhaftec heraus. Trier. Im hiesigen Reg.-Bez. (131, IÜ'A lll M.) wohnten im verflossenen Jahre 437,883 Seelen, unter denen 4337 Juden, so daß sich die Zahl der Letzteren in den letzten drei Jahren (s. 85 vor.J.) um 482 vermehrt hat. Die Zahl der Synagogen ist dieselbe - 38 — geblieben. Jüdische Elementarschulen gibt es sieben. Rußland. Mehre hundert jüdische Jünglinge in Rußland und Polen studiren auf Kosten des Kaisers Nicolaus. (Dioaskalia.) Frankfurt a. M., 31. Mai. Im Franks. Journal drückt der israelitische Vorstand zu Ober-Ingelheim seinen Dank gegen die christliche Bezirksschul-Commission für ihre Gegenwart und Theitnahme bei der trefflich ausgefallenen Prüfung der israel. Schule am 16. Mai aus, und bittet um fernere Aufmerksamkeit. Tarnopol, 29. Mar (Privatmitth.). Ich theile Ihnen heute, der lautersten Wahrheit gemäß, ein Ereigniß mit, das, sei es in Unkenntnis oder bösem Willen, leicht zur monströsesten Lüge werden könnte. Es existiren hier, außer dem prachtvollen, mit dem Perlschen Erziehungs-Anstalt verbundenen neuen Bethause, und zahlreichen Privat - B tstuben, noch eine alte Synagoge welche durch die fromme Andacht Rapoports neue Weihe erhalten, und zwei sogenannte Betli Ifamidrasehim, die weit entfernt, ihrem Namen zu entsprechen, Orte der Forschung nach Wissenschaft zu sein, unwissenden Jungen zum Aufenthaltsorte dienen, welche durch Tabakrauchs-Düfte derr heiligen Ort entweihend, allda dem dolce far niente und seinen Lastern sich Hingaben. Aus diesem Sitze des Obscurantismus gingen all' die Lügen, Aufreizungen und Pasquille gegen Rapoport und seine hochstehenden Freunde hervor; daher sich die Landes - Regierung bewogen gefunden, beide Belli Maimdi-a8d.mil zu schließen und deren Büchersammlungen dem Perl'schen Institute anzuvertrauen. Die Feinde der Wahrheit und des Lichtes suchen nun zu verbreiten, als ob Rapoport der Veranlasser dieser Maßregel gewesen wäre, woran aber derselbe, glauben Sie es einem Unbefangenen auf Ehrenwort, nicht den mindesten Antheil hatte, indem dieser liebevolle Mann jedem gewaltsamen Eingreifen abhold ist. Und so mögen denn Niederträchtigkeit und Heuchelei, Lug und Trug in Fülle ausbrüten, Rapoport ist unserm Herzen theuer geworden, die Besten und Edelsten der Gemeinde, an deren Spitze der im Streben zum Guten nie rastende Director Perl sich befindet,, stehen um ihn geschaart, werden mit Gottes Hilfe al-