Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 52 (19.12.1853)
- Date
- 1853-12-19
- Page
- Seite 658 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«58 aber siehe da! dafür keimten, sproßten, triebe», wuchsen, < knostpten, blühten, fruchtete», reisten die edelsten Privat- ' lugenden, der Lrbensbaum der Familie, in ihrer Mitte 1 in ÄS. dahin nie dagewesener straft und Herrlichkeit — und was erfrischet uud veredelt, verjüngt und erhält mehr als.dieseI.^... ^Dje^ sahen »uste Weisen frühzeüig ein, und, an der Stelle des staatlichen und Volkslebens, daS nun verloren war, machten sie die Privattugenden zum Gegenstand ihrer besonder» Pflege. So wie statt deS Narionalkultus im Tempel, wo an Einer Stelle für die ganze Nation die Gottesverehrung gehalten wurde, ein weitläufiges Gebetnetz über das ganze Leben jedes cinzelen Juden gespannt ward: so sollte die Stelle der urffentlichen und Nationaitugeuden durch die Tugenden' des Privatlebens besetzt werden. Was bei den anderen Völkern, welche ein StaatS- und Volksleben hatten, die Ehre, die Tapferkeit, das Atttt, daS Staatsinteresse, die allgemeine Wissenschaft und Kunst — das sollten bei dem Juden: die Humanität, die Barmherzigkeit, Die Ehrfurcht vor den Eltern, die Lisbe zu den Kinder», die Heiligkeit der Ebe, die Gattenuad Gcfchwisterlicbe, die Keuschheit, die Frömmigkeit im Hanse — fein. 3a, die Human it ä t — denn wie einst Mosche „die Liebe zum Fremdling, der in deinen Thoren ist" zum Gesetz erhob, wie er ihm alle. Rxchtswohlthaten, vor Allem aber die Gleichberechtigung mit dem Einheimischen" sicherte — so war es das Judenthum unsrer „Weisen", das aussprach: „Empfange jeden Menschen mit stcundlichem Angesichte" ms*» ö^d naoa airrrr ba ns bap» -»iNi — daS ist Humanität — dieses Judenthum unsrer „Weisen", daS aussprach: „Beurtheile jeden Menschen nach der Seite der Unschuld" mar spb ba ns p •nm oder : „Beürtheile deinen Nebenmenscheu nicht, bis du an seine Stelle gekommen," ~a "pan ns yrn bsi naipab a-srra; — das ist wahre und praktische Humanität, die sich nicht noch einmal zum Schlagen anbietet, wenn sie Schläge empfangen hat, die aber mit Liebe daS Wort und die Geberde durchträukt. — Ja, die Darmh erzigkeit —Hern» wie einst Mosche den Dürftigen bestimmte Rechte einräumte, die von jedem Israeliten erfüllt werden mußten, wenn er nicht das Gesetz übenräte, so nannte das Jpdenthum unsrer „Weisen" „die Ausübung wohlthatiger Werke" (a'non mb^as) eine der drei Säulen, „auf denen die Welt besteht" (ba ’n b bsn rma^rt bsi rmnar) — so sprach das Zudenthum unsrer „Weisen" ans: „Die Dürftigen seien die Kinder deines Hause S" -ppa r» a^a? vm — daS ist wahre Barmherzigkeit — so brachte« unsre „Weisen" die Werke der Wohlthätigkeit in ein ausgearbeitetes System, darin Alles seine bestimmte AuSpragund und seine unzweifelhafte Bezeichnung hatte (stehe Hilch. Zedaka in Jore Dea §. 247—259.), und dessen Ueberschrift ist: a^b^rs nais ibss nraa v»3'a a*baarr bai „Wer seine Augen von dem Armen abwendet, ist gleich einem, der Götzen dienet." (J. D. H. Zed. §. 247, 1.) Ja, die Ehrfurcht vor den Eltern— nur einen kleinen Auszug aus deS Jor. Dea Abschnitt über die Ehrfurcht vor den Eltern (Hilch. aao as Tiaa §§. 240. 211.) „Man darf sich nicht auf des Vaters Stand stellen und Sitz setzen; nicht seinen Worten widersprechen, auch kein beifälliges Unheil über sie aussprechen, dagegen jeden Tadel, jede Beschämung schweigend ertragen; man muß ihn ernähren, kleiden, ihm Bettzeug geben, auS dem Hause führen und wieder hinein, und zwar Alles mit freundlichem Angesichte; man muß vor dem Vater aufstehrn, wenn er kommt u. s. f. In allem Diesem ist kein Unterschied zwischen Vater und Mutter. Doch genug. Wir wissen es Alle, und unsre hartnäckigsten Gegner können, die Heiligkeit und das Glück unsrer Ehen nicht leugnen, können nicht verkennen, mit welchen Opfern die Eltern ihre Kinder erziehen, welche Hingebung die Kinder für die Eltern erweisen — o, und früher war die Keuschheit auch der männlichen Jugend, und immer war die Abwesenheit der Trunkenheit und Spiclsucht ein Sittcnkleinod unsres Stammes.... Ja, fett dem Falle Jerusalems konnten wir auf keine tapferen Helden, auf keine großen Staatsmänner, auf keine treuen Staatsdiener, auf keine Wohlthäter der Menschheit im Großen Hinweisen — obgleich wir darum auch der Menschenschlächter, der MachiaveU's, der zahllosen Melker der Staatskuh, der Kassendefraudanten u. s. w. entbehrten — aber wir konnten und können auf unsere glücklichen Familien, auf unsre musterhaften WohlrhatigkeitSanstalten, auf unsre Humanität Hinweisen, und glauben damit der Menschheit große Dienste geleistet zu haben.... DaS Heidenthum, antikes und modernes, hat das Prinzip: alles Menschliche in de» Staat hineinzuziehen