Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 46 (7.11.1853)
- Date
- 1853-11-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xm Jahrgang. Allgemeine No. 46. Zeitung des Zudcnthums. E i u unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippfon, l>r. B. Meyer, Rabbiner z« Mag deburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 7. November 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfasse». Ja Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 2hlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 g®r.) für sechs Monate—22>/r Rgr. (18 g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen. Postämter und Ieituags-Erveditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat stch die königl. fachst Zeitungs-Erredition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Charakter. — Bekanntmachung und Aufforderung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt, WormS. Hannover. Preußen: Berlin, BreSlau. Oesterreichifcher Kaiserstaat: Wien, Lemberg. Italien: Padua: Nekrolog. Türkei: Konstantinopel. Korrespondenz: Magdeburg: Reiseberichte. (Fortsetzung.) AuSzüge. Der Ghetto in Rom. (Fortsetzung.) Leitende Artikel. Magdeburg, 27. Oktober. Charakter. Charakter, Charakter, ein Königreich um Charakter! Was auch die Leute von uns Juden sagen — leset die Geschichte, und Ihr müsset gestehen: Israel ist der größte Charakter der Weltgeschichte! Zede Nation, die bis jetzt eine Rolle gespielt hat auf der Weltbühne, hat Charakter gehabt auf der Höhe seiner Entwickelung. Griechenland im Kampfe gegen Persien, Rom, als eS den zwiefachen Kampf, innen gegen die Patrizier, außen gegen Karthago, zu Ende gekämpft, hatte Charakter — aber schnell sank dieser von seiner Höhe herab. Was haben die Griechen, welche als Sykophanten zu den Füßen der Römer, ihrer Tyrannen, krochen, mit ihren Vätern, die bei Marathon und Salamis gesiegt, an Charakter gemein? Was die Römer, als sie Nero und Domitian goldene Göttersäulen errichteten, mit den Helden, welche Brennus und Hannibal besiegten? Führt Euch die Parallelen durch alle Zeiten hindurch.... Aber Juda, nein! es hatte keinen Charakter, eS war Charakter durch und durch und stets. In' der Wüste, wie es Mosche, unter den Königen, wie i eS den Propheten, in Israel, wie es der davidischen Harmlie; sin Eril, wie es den Babyloniern, unter den HaSmvnaern, wie es den Syrern, unter Titus, wie es den Römern, in aller Zeit, wie eS aller Welt widerstand, und als Minorität stets mit ungeschwächter Hartnäckigkeit der unermeßlichen Majorität gegenüberstand — überall war es Charakter, der, erfüllt von Leben und Wesen, sich nicht beugte und nimmer nachgab. Wohl, wenn es wahr ist, was man jetzt so häufig hört, daß es der Gegenwatt an nichts mehr fehle, als an Charakter; daß alle Wissenschaft und Kunst, alle Mechanik und Maschinerie, alle Entwickelung und Feinheit den Mangel an Charakter nicht zu ersetzen vermögen; daß jetzt eine Zeit sei, in welcher der Eigennutz alle Charakterfestigkeit hinweggeschwemmt habe, die Selbstsucht an die Stelle aller Mannhaftigkeit getreten, Ueberzeugung, Anschauung, Selbstständigkeit, alles, alles das Spiel und die Beute des Ehrgeizes und der Habgier geworden sei — was für ein Glück wäre es, wenn mindestens noch in den Juden Charakter wäre, wenn auch auf sie der Charakter als eia Erbgut ihrer Väter übergegangen wäre! Das wäre ein Anhaltepunkt für die Welt, ein Stab, an dem sie sich aufrichten könnte! Nun, wir wollen, indem wir unS nmblicken, nicht