Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 43 (17.10.1853)
- Date
- 1853-10-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xm Jahrgang. Allgemeine No. 43. Zeitung des Zudenthums. Ei« unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, «Rabbiner ju Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 17. Oktober 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jadrlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels. Registersu. s.w. umfasse». In Gemäßheit des Zweckes derselbe» die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — » Thlr. 15 Ngr. (t Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate—22>/r Ngr. (lt> g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeitungs-Erpeditioa allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Der Verfall des Geistes in den Juden. Zeitungsnachrichten: Deutschland: AuS Mecklenburg, Hannover, Kassel, Frankfurt am Main. Preußen: Minden, Magdeburg, Posen. Oestcrreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Wien, Wien, von der schlesischen Grenze, Magdeburg, Lemberg. Großbritanien: London. Literarische Nachrichten: Aus Mähren. Korrespondenz: Lengsfeld, Kultusreform. (Schluß.) — Magdeburg: Reiseberichte. (Fortsetzung.) geltende? Artikel. Magd eburg, 10. Oktober. Der Verfall des Geistes in den Juden. Es ist eine geschichtliche Thatsache, und ihrer Anerkennung können sich selbst unsre Gegner nicht entziehen, daß in dem jüdischen Stamme ein bedeutender geistiger Fond zu allen Zeiten vorhanden gewesen. In dem Geschlechte Abrahams trifft man immer wiederholt die eigenthümliche Erscheinung, daß es in der Zeit des Niedergangs, in der Zeit, in welchem es dem Versterben hingegeben schien, seine höchsten geistigen Blüthen trieb und seine herrlichsten geistigen Früchte reifte. Wie nach vierhundertjähriger Sklaverei ein Mosche, Ahron, Joschua hervortraten, wie, während König, Fürsten, Priester, Volk nach David und Schelomo immer tiefer sanken, Götzendienerei, Sirtenlvsigkeit, Ueppigkrit, Habgier, Mord sich Juda's und Israelis bemächtigten, die Propheten ihre höchsten Höhen erstiegen, das Buch Jjob, viele Psalmen, ein Theil der „Sprüche" dem Geiste Jsrael's entsprossen; wie, im Exil selbst erhabenste Propheten schrieben, und gerade aus dem Eril das Volk mir nie wieder erschütterter Treue gegen die Lehre Mosche's zurückkehrte; wie, gerade nach dem Untergang der Juden als selbstständiges Volk, nach der Zerstörung des Heiligthums, nach der Zerstreuung das ungeheure Schöpfungswerk des Talmuds und Rabbinismus begonnen und vollendet wurde — und was wir noch für Beweise anführcn könnten über die Größe des jüdischen Geschlechts gerade in den Zeiten seines Unglücks und Verfalls — so erhob sich immer wieder der Geist in der ganzen Masse dieses Geschlechtes, war stark und kräftig nicht in Einzelnen, sondern in allen Einzelnen, und blieb dadurch allein nicht blos bestehen, vielmehr stets geistig rührig, empfänglich, bildungsfähig. Diese Thatsache bewährte sich demnach auch im letzten Jahrhundert auf glänzende Weise, indem mit einer bewunderungswürdigen Energie und Befähigung nicht blos Einzelne, sondern immer größere und größere Theile der jüdischen Masse sich der europäischen Kultur, des Wissens und Könnens, des Lebens und der Bildung bemächtigten. Aber gerade alles Dieses darf uns nicht blind machen gegen Erscheinungen, die immer mehr zu Tage treten, und die kräftige, bedeutende Anstrengungen nothwendig machen würden, um ihnen entgcgenzuwirken. Wir glauben nämlich kaum großen Widerspruch befürchten zu müssen, wenn wir in der Gegenwart einen Verfall des Geistes in der jüdischen Masse, eine geistige Ab-