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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-10-03 · Heft 41 (3.10.1853) · p. Seite 523

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 41 (3.10.1853)
Date
1853-10-03
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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523 Einwohnern. Mittelpunkt ist der Stephansplatz, Ausgang an der einen Seile das Rothethurmthor, von wo man über die schöne Ferdinandsbrücke nach der Leopoldstadt geht, an der andern Seite die k. k. Burg mit ihren herrlichen Plätzen, die durch baS Burgthor nach vielen Vorstädten führen, insonderS nach den „Wieden" mit der, so eigenthümlich fich repräsentirenden Karlskirche. Diese innere Stadt ist von hohen Basteien umgeben, die zu Spaziergängen umgewandelt find, auf welchen man um die ganze Stadt gehen kann, Spaziergänge, die oft zu kostbaren Gartenanlagen werden. Um die Basteien herum breiten fich große Glacis aus, Rasenplätze, von Alleen durchschnitten, und um diese Glacis erstrecken fich die 34 Vorstädte Wiens, welche über 12,000 Häuser und 400,000 Einwohner enthalten — man sieht, das eigentliche Wien ist außerhalb Wiens. Verschieden hiervon ist nur die nordöstliche Seite, wo, statt der Glacis, die Donau zwischen der Stadt und den Vorstädten strömt. Denkt man fich nun die Ebene, in der Wien liegt, noch etwas verlängert, und diese dann von der Südostseile von den fernen Ungarbergen, von der Süd- und Westseite von den nahen „Kahlenbergen" begrenzt: so hat man das ganze Wien. Das Ensemble ist herrlich. So ist die AuSficht von der Ferdinandsbrücke über die Donau und deren Ufer nach den Bergen, die überall mit Kirchen, Schlöfiern oder Dörfern gekrönt find, prächtig, auf den höher gelegenen Bastionen, von denen man schon über die Vorstädte hinwegfieht, namentlich gen Südwest, noch prächtiger. Wie genügt aber das Wort, um die Anfichten auf Wien von höheren Standpunkten zu beschreiben? Da ich den Stephansthurm zu besteigen verhindert ward, so genoß ich jene insonderS von zwei Punkten: von der „Gloriette" hinter „Schönbrunn" und vom „Tempel" in der „Brühl" auS. Von jenem, noch nähern Punkte aus breitet fich das ungeheure Häusermeer eben so riesenhaft, wie schmuck «US, Alles ausfüüend, was das Auge erreichen kann, und nur der StephanSthurm hebt seine schlanke Gestalt weit über dasselbe hinaus. Aber vom benannten „Tempel," der höchsten Spitze jener Höhen, fieht man Wien schon wieder zu einem großen Streifen zusammengerückt, aus dem die Stephanskirche mit ihrem Thurme hinaufragt; hingegen find die Berge heraufgestiegen, und man erblickt bereits die Alpen, insonderS den unfernen „Schneeberg". Hat nun die Sonne, wie mir, ihre Gunst versprochen, und läßt Wien, Ebene, Donau, Alpen in den verschiedensten Nuancen der Lichter erscheinen — so trägt man ein beneidenswerthes Bild mehr in seiner Erinnerung davon. Wien selbst ist architektonisch nicht bedeutend, und kann hierin schwerlich mit anderen Großstädten konkurriren. Ich habe das Gedächtniß lediglich der Stephanskirche und der k. k. Hofburg mitgenommen — sonst giebt es natürlich noch viele schöne Gebäude, aber nicht solche, die einen nachhaltigen Eindruck hinterlaffen. Einen architektonischen Platz wie Dresden am Schlosse und der Brühlschen Terrasse, wie Berlin am „Lustgarten", habe ich in Wien nicht gefunden; Paris, London, Brüssel, Madrid, Petersburg u. s. w. kenne ich nicht. Die Gebäude in Wien, z. B. selbst die „Burg", find ausgedehnt, aber nicht groß und massenhaft. Sehr schön ist der innere Burgplatz, wo das (nicht gelungene) FranzenSmonument, der Josephsplatz, wo die allerdings vortreffliche Statue Josephs H. zu Pferde steht — ohne wohl gänzlich die des großen Kurfürsten in Berlin zu erreichen — bemerkenswerth sind auch die Brunnen der Stadt, die mit kostbaren Arbeiten geschmückt find. Eigcnthümlicher Weise bilden die beiden bedeutendsten einen Gegensatz, der auf der „Freiung", wo die Figuren (von Schwanthaler) zu geringen Raum auf ihren Piedestalen haben, so daß sie wie angeklrbt aussehen, und der auf dem „neuen Markte", wo die Figuren auf dem Rande wie zufällig hingesprungen ohne Verbindung liegen. Die Krone von Wien ist aber die StephanSkirche, noch mehr der StephanSthurm. Auch dieses gothische Bauwerk ist unvollendet, denn der zweite Thurm ist unausgcbaut, und auf den riesigen Leib eine Zwergkuppel gesetzt. Bemerkenswerth ist ferner, daß die beiden Thürme, statt wie an anderen Domen mtt dem Haupteingang zwischen fich die Westfronte der Kirche zu bilden, von der aus fich das Schiff gen Osten ausdehnt, hier in der Mitte der Kirche, wo Schiff und hoher Chor fich ttennen, ganz äußerlich vom Körper der Kirche, wenn auch dicht an ihm, stehen. Der eine, vollendete Thurm hat eine runde, pyramidale Form, die von unten bis zur Spitze mit den auSgearbeitetsten gorhischen Zierrathen, Nischen und Spitzthücmchem bedeckt ist. So einzig in seiner Art strebt er allein über das ganze Wien in die Lüfte hinauf, als Mittelpunkt der großen Menschenanlage. Störend ist, daß das Dach der Kirche mit buntfarbigen Ziegeln gedeckt ist, die regelmäßige Figuren, in der Mitte den großen Doppeladler, bilden; es sticht das kleinlich von den schwarzdunkeln Mauern des alten Gebäudes ab. (Fortsetzung folgt.)

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