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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-26 · Heft 40 (26.9.1853) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 40 (26.9.1853)
Date
1853-09-26
Page
Seite 510 (sequence 10)
Language
German
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510 Andere für geistigere, immer aber für das Beste unsrer Persönlichkeit und was drum und dran hängt. Erhabener -aber ist der erste Grund. Das Gebet ist ein Opfer. Wir beten, wir ziehen in die Lempelräume, weil unser Herz uns drängt, das hehre Wesen zu verehren, zu verherrlichen, es zu loben, ihm zu danken. 3n unsrer Zeit spricht man von Erbauung und immer von Erbauung. Man will in dem Gottesdienste gleichsam ein duftendes, stärkendes Geistes- und GemüthSbad nehmen, im Gefühle der herabgckommenen religiösen Gesundheit. Die Frömmigkeit muß aber vor dem Tempel da sein. Fromme Gefühle müssen unS in daS Gotteshaus drängen. Ein -profanes Gemüth wird nie Frömmigkeit daraus holen. Dem 1N22 ■'uni nbon ist in unsrer Gebetsammlung hinlänglich Rechnung getragen; eben so dem ma« mbsn ■ppn; indem für die nörhigsten Bedürfnisse in den Gebeten vorgesehen ist, und das Herkommen in dem Gebete hinlänglich vorherrscht. Dulde man auch dem Denkmale des UrgottesdiensteS, dem Opfer, sein Plätzchen. Es gibt auch kein Wort, daS einen erhebendern und heiligern Gedanken bezeichnet, als daS Wort: „Opfer." Was ist alle Frömmigkeit, waS alle Tugend ohne Opfer, wenigstens ohne Opferbereitwilligkeit'. (Fortsetzung folgt.) Reiseberichte. (Fortsetzung.) Magdeburg, 9. September. Von der Altneuschul begab ich mich nach der Klausschule, einer schönen, lichten, aber auch nicht großen Synagoge, wie denn Prag keine solche hat. Hinter dieser, wenn ich nicht irre, tritt man auf den alten jüdischen Friedhof, diese zweite jüdische Merkwürdigkeit Prags, hinaus. Man ist in der Thal überrascht, wenn man diesen Platz betritt. Unregelmäßig zwischen Gebäuden und Straßennummern, in Winkeln und Zickzack verlaufend, steht er viel kleiner auS, als er ist; in keinerlei Weise geordnet, ohne Weg und Steg, bald hoch, bald niedrig, gestattet er durchaus keine Ueberficht — aber der Gedanke, daß hier die Gebeine so vieler Generationen ruhen — die Eröffnung dieses Friedhofs reicht inS Sagenhafte, seine Schließung fand unter Joseph II. statt — die fremdartige, wenn auch immer dieselbe Form dieser Grabdenkmäler, die ungeheure Häufung der Grabsteine, von denen oft 4, 5 aus einer Grabstelle stehen — wahrscheinlich weil durch Ausschüttung mehrere Lagen Gräber übereinander fich befinden — und endlich das Wirre, Verworrene des Ganzen, alles Dies ergreift daS Gemüth außerordentlich. Ja, in diesem Todrenhosc charakterisier fich daS Leben unsrer Väter in seiner ganzen Eigenthümlichkeit, wild, verworren, formlos, besonders, doch unscheinbar, ohne Prätenfionen, aber tief, gedankenvoll, innerlich glühend. Unscheinbar — du trittst da vor ein etwas größeres und verworreneres Denkmal, und ftägst, wer liegt hier? Antwort: „der hohe Löw und daneben in einer Reihe 33 seiner Lieblingsschülcr"; nun, es steht so geradezu wie jedeS andre da, kaum daß eS durch die Besonderheit etwas auffällt. Aber überschüttet ist eS mit Inschriften, und all diese zahllosen großen und kleinen Grabsteine find mit solchen bedeckt, in denen Kenntniß der Schrift und ihrer Sprache glühendes Lob und heiße Wünsche auSspricht bis tief in den Boden hinein, in welchen der Stein immer mehr verfinkt. Hat man aber erst ein wenig die Eigenthümlichkeit dieses Platzes und das ganze Wesen auf ihm überwunden, dann ftägt man fich erstaunt: und so läßt man diesen merkwürdigen, für die hiestge Gemeinde gefertigten, für das österreichische und deutsche Juda wichtigen Ort verkommen? keine Hand pstegt ihn, keine Hand ordnet ihn nur ein wenig, richtet die gefallenen Steine auf, unterstützt die wankenden, fügt zusammen die geborstenen, läßt fic etwas vom Schmutze und den grünen Flechten reinigen, schützt fie vor Verwitterung? Warum stellt man nicht einen, zwei kundige Führer an, die dem Fremden das Wichtige und Richtige zu zeigen vermögen, während eö jetzt im Kopfe deS schwatzenden Leiters so verworren ausfieht, wie auf diesem Friedhofe selbst? Man ftägt: wer soll dieS bezahlen? Kein Andrer, als die Fremden. Viele Hunderte besuchen das Jahr hindurch diesen Platz, und werden fich nicht weigern, ein mäßiges Geschenk zu verabreichen, wenn fie von einem kundigen Führer geleitet hier wirklich etwas mehr sehen könnten, als eine verworrene Unmasse alter Steine, die zu entziffern der Fremde weder Zeit, noch meist die Kenntnisse hat. Wie? sagte ich mir, aber auch zu meinen Begleitern, hier, wo Rappoport, der große Alrenhumsforscher, hier, wo Kämpf lebt, der in Arabiens Steinwüste so zu Hause ist, hier, wo Wessely, Lowofitz und noch so manche bedeutende Kräfte seit längerer oder kürzerer Zeit weilen — hier bleiben die großen Riesenblätter der Vorzeit unenträthselt, unbeachtet, und während ein vergilbtes Manuskript eine leidenschaftliche Aufregung bewirkt, laßt man die lebendige Todtenwelt, lebendig,

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