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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-09-05 · Heft 37 (5.9.1853) · p. Seite 460

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 37 (5.9.1853)
Date
1853-09-05
Page
Seite 460 (sequence 2)
Language
German
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460 thun? Am besten wäre eS freilich, wir hätten ein 8pecitieum gegen RischuS, welches, wie die China das kalte Fieber, der Schwefel die Krätze, das Quecksilber die Lustseuche und Filzläuse alles RischuS durch direkte Heilung koupire und verttlge. Da werden aber noch Jahrhunderte hingehen, vielleicht Jahrtausende, vielleich wird der Tag nie erscheinen, wo der Zufall ein solches Mittel an den Tag bringt, denn zu solchen speciücis führt nicht das Nachdenken, nicht der gelehrte Scharfsinn, sondern der reine Zufall. Und sollte uns dieser wirklich ein specificum bieten, wo wäre die Droguenhandlung, wo die Apotheke, wo die chemische Fabrik, wo die ganze Natur, um genug Stoff für alle die Kranke herbeizuschaffen? Wer weiß auch, welche Quantität Jeder herunterschlucken muß, um von seinem Rischus geheilt zu werwerden, wer weiß, ob nicht sehr oft Rückfälle erfolgen und daS Rischuschinin nochmals und abermals erforderten, wo Rischus schon die ganze Natur des Menschen durchseucht hat, wie viel spezifisches Pulver gehörte nicht dazu, die Millionen Menschen vom Rischus gründlich zu heilen! Sehen Sie, man hat z. B. Gold für ein Spezifikum gegen Rischus gehalten, man hat eS schon vielfach erprobt. Es ist aber ein sehr unsicheres Mittel. Die Erfahrung hat bestättgt, daß es wohl zuweilen Rischusanfälle verdeckt, zurückdrängt, übertüncht, wie der Kalk schlechte Mauerfiecke, aber die Krankheit kommt dann oft mit größerer Wuth zurück, die alten Mauerflecke schimmern wieder vor. Ja, die Kranken haben oft einen sehr lebhaften Instinkt nach diesem Mittel, man lasse sich nicht täuschen, es hilft nicht auf die Dauer, es beschwichtigt höchstens Anfälle, und diese Panazee der alten Geheimärzte des Mittelalters — dies aurum potabile — hat sich nicht bewährt. Rischus blieb darnach Rischus, Rischus bleibt noch darnach RischuS. Da bringt eine arme alte Frau vor einigen Jahren einer armen Nachbarin am Sonntag einen Silbergroschen und ein schönes Stückchen SchabbeSkuggel. Aber sieh, Silber macht Rischus, Kuggel macht Rischus. „Wat die Juoden guot fräten un immer Geld hebben," heißt es beim Verzehren. Mag nun Gold anwenden, wer da will, ich nicht; denn erstens habe ich keins und zweitens halte ich es für nichts nütze. Mit der direkten Heilmethode, Freund X., wäre es also nichts. Jedoch muß ich gerecht sein. Die Homöopathie scheint etwas zu fruchten. Dasselbe Mittel, welches oft Rischus macht, kann ihn auch zuweilen heben. DaS ist ein großer Fingerzeig, Freund. Meinen Sie aber, ich habe ihn aus mir selbst? Weit gefehltIch habe ihn vom — Kladdaradatsch. Seitdem MoseS Harsch und Zwickauer aufgetteten, wird wirklich der edle HandlungSkommis nicht mehr so roth, wenn zufällig ein armer polnischer Jüd' in'S Koupö mit hineinsteigt und ihn und die Mitreisenden in seinem Jargon anredet, der Jargon und der Judenwitz ist volksthümlicher geworden, seitdem er sich nickt mehr in die Judengasse zurückzieht, sich nicht mehr schämt, öffentlich aufzutreten und Leiser Neigaß sich überall sehen läßt und selbst bei hohen Herrschaften seine Visiten macht. Zwickauer hat mehr Rischus kurirr — auf homöopathischem Wege — als, — man verzeihe mir die Zusammenstellung — der edle Emanzipationsredner im deutschen Parlament, der hochherzige jüdische Politiker. Stahl hat mehr kurirt, als die demokrattschen GleichheitSmacher, obgleich es ihnen am wenigsten an Rischus fehlte. Verlache mir also keiner die Homöopathie mit ihren Dezillionteln Rischusttopfen. Es ist wenigstens ein Weg, der je zuweilen zu betreten wäre. Von der Hydropathie habe ich schon früher gesprochen, daß sie nämlich bei Pharao gute Dienste geleistet, sonst thuts Wasser freilich nicht, und getaufte rischuskranke Juden werden selten besser. Was aber nun? Ich muß Sie leider aufs Glatteis der rationellen Heilkunde, der dogmatischen Medizin führen. Wir müssen sehen, ob wir einige Dogmen ihrer Allweisheit für unsere nosologische Form in Anwendung bringen können. Sie lehrt zuerst: wenn Du eine Krankheit heilen willst, entferne die Ursache. Cessante causa, cessat effectus. Ja, Künstler! Wenn Du einen Erhängten ins Leben bringen willst, schneide zuerst den Strick ab, wenn Du den Ertrunkenen beleben willst, ziehe ihn zuerst aus dem Wasser; Androkles, ziehe dem Löwen den Splitter heraus, wenn er sich solchen in Tatze gestoßen, aber Künstler! was machst Du mit dem Blitz, der den Freund erschlagen, was mit dem Regen, der Dir das Podagra gebracht, was mit dem Aerger, der Dir die Gelbsucht verursacht. Die Regel hilft uns nichts. Schaffen Sie einmal alle Ursache des Rischus ab und — Sie sollen sogar Methwurst essen und keine Kuggel, Sie sollen nicht Schabbes, sondern Sonntag in Schul' gehen, Sie sollen ein Hochdeutsch sprechen wie Schiller und Göthe, — werfen Sie aber nun einmal Ihre Paar Groschen weg, und, Freund — schaffen Sie einmal sich die Luft ab. Geht das? Also, da haben Sie es, wenn sich der Mensch in die KausalitätSverhältnisse vertieft, wenn er sich auf MöglichkeitS- und Urfachfucherei I einläßt. Die Kausalitätsindikation hilft uns nichts beim Rischus. Versuche es, wer da will, ich nicht. Ich mag

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