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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-08-29 · Heft 36 (29.8.1853) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 36 (29.8.1853)
Date
1853-08-29
Page
Seite 457 (sequence 13)
Language
German
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457 Predigten haben gewiß jeden erbaut, der an den Sabbaten oder Feiertagen unfern Tempel besucht. Wie sehr Herr Lesser von dem echten religiösen Gerste durchdrungen, dazeigt unter ander« auch die Broschüre, die er jüngst bei Gelegenheit der Kammerdebatten im Fluge geliefert und die Ihnen bekannt ist unter dem Titel: „die Glaubens- und Sittenlehre des Judenthums und ihr Derhältniß zum Christenthum", ein Büchlein, daS wir jeder Religionsschule alS Katechismus empfehlen könnten. Jüngsten Sonnabend vn:s 's vollzog Herr Lester die Einsegnung zweier junger Mädchen. In seiner kernigen Rebe erörterte er immer wieder von neuen Gesichtspunkten das Wesen und die Bedeutung echter Religiosität, wie sie der Talisman sei gegen jegliches Ungemach; er wies nach, wie sie gerade den Frauen noth thut, in sofern eS ihr Beruf sei, mit der Familie unS das zukünftige Geschleckt zu erziehen, er deckte schonungslos auf, wie sie sich leider über den Tand des Lebens der Religiosität entfremdet. Hiernach begann er die Prüfung der Konfirmandinnen, die überall in der Sitten- und Morallehre zurecht wußten, und die durch die Art ihrer Antwort bewiesen, daß ihre Worte mehr denn Getächinißkram seien, daß sie in wahrer Erkenntniß bafiren und im Herzen Wurzel geschlagen; sie sprachen zuletzt ein Glaubensbekennwiß, das sie nach den Grundsätzen unserer Religion sich selbst verfaßt hatten. Bei denjenigen Antworten der Konfirmandinnen, die den Kern unserer Lehre bilden, fiel unser Männerchor ein, der die Bibelsprüche in der Ursprache singend wiederholte. — Die religiöse Feier schloß mit der Aufforderung treu zu bleiben unserer Lehre, die durch ihre Wahrheit Anrecht habe auf die Ewigkeit, sich nicht beirren zu lassen durch die auch hier grasfirenden Judenbekehrungsversuche; denn was an dem Christenthum unsterblich sei, das basire im Judenthum, sei iden tisch mit seiner Lehre. Alle Anwesenden find von der Feier im Innersten erbaut worden, und es hatte sich eine sehr große Zahl Fremder eingefunden, denn unsre Badesaison ist diesmal reichlich mit jüdischen Gästen (darunter Gelehrte von Ruf) gesegnet. ES ist nicht daS erste Mal, daß Herr Lesser uns für d.aS Judenthum begeistert, wir hätten schon lange Grund gehabt, Ihnen darüber zu referiren; diesmal fühlen wir unS ganz besonders dazu bewogen, weil es das letzte Mal sein wird, wo Herr Lesser unter unS solche Feier vollzieht. Zu unserem großen Leidwesen ist er einem Rufe als Rabbiner nach preußisch Stargard gefolgt, wo sein Wirkungskreis sich versechsfacht; wir hätten gern jegliches Opfer gebracht, ihn hier zurückzuhalten, doch kam es ihm gerade darquf an, dorten zu lehren, wo man. seiner am meisten bedürfte, wo man einen Mann sucht, der gründlich talmudisches Wissen mit dem Geiste der Neuzeit verbindet, und davon ganz durchdrungen ist. Nun so mag er denn auSziehen und dorten lehren, wir wünschen ihm den besten Segen, unS aber wünschen wir einen seiner würdigen Nachfolger. — d. Ein junger Mann, der die UniverfitätSstudien gemacht, das preußische RektoratSeramen bestanden, besonders in den neueren Sprachen und musikalisch gebildet ist, sucht eine, seinen Fähigkeiten angemessene Stellung und wird durch den Herrn Rabbiner Dr. PhilippsvN in Magd eburg empfohlen. Das israelitische Erziehungs- und Bildungsinstitut für Knaben von M. Schwarzauer, so wie das für Mädchen gebildeter Eltern von Mavame Schwarzaner in Dresden ist fortwährend bereit, neue Zöglinge aufzunehmen. DaS zu erstrebende Ziel desselben, als bereits bekannt voraussetzend. und beziehentlich auf eine Annonce vom 15. d. M. in Nr. 34 d. Bl. sind Interessenten ergebenst ersucht: brieflich sich zu melden an den Unterzeichneten Vorstand Dresden, 22. August 1853. M. Schwarzaner. Ich habe durch längere Zeit Gelegenheit gehabt, das Institut des Herrn Schwarzauer zu beobachten, und freue mich meine Anerkennung der Leistungen dieser Anstalt auS'prechen zu können. Sie ist von echt religiösem und sittlichem Geiste getragen, und es wachen Herr und Madame Schwarzauer mit der angestrengtesten Sorgfalt über das Seelen- und Körperwobl der ihnen anverrrauten Zöglinge.- Bei den mehrfachen Religionsprüfungen, die die Schüler des Herrn Schwarzauer bei mir ablegten, ttaten mir in deren mannigfaltigem Wissen, treffliche Anzeichen des redlichen, aufrichtigen Fleißes des LcbrerS entgegen. Diese Wahrnehmung bietet sich überhaupt in der Leitung des ganzen Instituts dar: und so glaube ich mit vollem Rechte israelitischen Eltern denen das religiöse und sittliche Wohl ihrer Kinder, wie deren wissenschaftliche Bildung am Herzen liegt, diese Anstalt als eine der vorzüglichsten empfehlen zu können. Dresden, den 20. Juli 1853.. Dp. Z. Frankel, Oberrabbincr. Literarische Anzeigen. In BaumgärtnerS Buchhandlung in Leipzig ist soeben erschienen und an alle Buchhandlungen versendet worden: StaatSthierarzneikunde. Bon Dr. 3. E. L. Falke, Professor an der Universität und Lehrer der Ttzierbcilkunde am tandwirthschafrlichen Institute und thierärzrlichen PhysikuS zu Jena. 8. brock. Preis 6 Ngr.

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