Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 35 (22.8.1853)
- Date
- 1853-08-22
- Page
- Seite 443 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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443 reißenden, schmutzigen Strudel seiner eigenen Vernunft verliert, und sich erkühnt, die göttlichen Gerichte mit dem Maßstabe seines kurzen und schwachen Verstandes messen zu wollen. Und obschon er bemerkt hatte, daß solche Ansichten mir mißfielen, fuhr er dennoch in seiner Rede fort und sagte mir: der Mensch bestehe aus drei Theilen, auS Seele, Geist und Körper. Erstcre, ein Ausfluß Gottes und folglich eine Art Theilchen des göttlichen Wesens selbst, könne nothwendizer Weise nur dahin zurückkehren, woher fie gekommen, indem sie sich im Tode von dem Menschen ttennt. Der zweite Theil, von dem allgemeinen Weltgciste stammend, schwinde unvermerkt, und werde von dem Wcltgeistc, dem er entsprungen, zurückgerufen, um sich mit ihm wieder zu vereinigen. Der Körper, als dritter Theil, verwandle sich in Staub, wie wir tagtäglich sehen, und nehme auf solche Weise seine frühere Gestalt wieder an. „Wie mein Herr!" unterbrach ich ihn und rief: „Sie glauben also nicht an die Hölle?" — Da ward er verblüfft, und nachdem er einige hebräische Wotte zwischen den Zähnen gestammelt, sagte er: „Das von den Menschen gethane Gute ist begrenzt: ebenso ist die Belohnung desselben nur begrenzt; das von uns begangene Böse ist zeitlich: ebenso hat auch die Strafe ihre Grenzen. Die Hölle ist für die Geister nur so lange, als fie die Strafe ihrer Vergehungen erdulden, bis fie sich von ihren Sünden durch erlittene Qualen gereinigt haben; alsdann giebt eS für sie keine Hölle mehr; denn, mein Herr, Sie müssen wissen, daß es nur zwei Arren von Sünden giebt: die eine Art, welche unmittelbar die göttliche Majestät beleidigt und gegen Gott selbst begangen ist, und die andere, welche gegen den Nebenmenschen begangen ist und Gott nur unmittelbar betrifft. Die erste Sünde, wie die des Luzifer, wird streng bestraft; aber Gott kann fie nach seinem Wohlgefallen verzeihen, indem er Gnade vor Recht ergehen läßt. Die zweite aber läßt er nie unbestraft, betrachtet fie nie mit einem gnädigen Blicke, ohne seine Gerechtigkeit zu verletzen, und ohne zuvor den beleidigten Theilen durch eine der Sünde angemessene Sttafe Genugthuung verschafft zu haben; allein so wie dieses Böse nicht unendlich gewesen, ebenso wird die Züchtigung nur begrenzt sein. DieS ist eS, was ich darüber sagen kann." — Daraus enrpfahl er sich. Später erfuhr ich, daß dieser Unglückliche kurze Zeit nachher rin Bein gebrochen hatte und daran starb, gerade als ich mich in Venedig aufhielt. Stterartfcbe Nachrichten. ATagdeburg, 15. Juli. Wir haben von dem fleißigsten aller Editoren alter Schriftwerke, Herrn Adolph Jellinek, wieder eine ganze Reihe anzuzcigcn: 1) -7:2 ri'22n Auswahl kabbilistischcc Mystik. Erstes Heft, enrhalt: Trakrat über die Emanation; das Buch der Intuition; Sendschreiben Abraham Abulafia's; über das Terragrammaton von 'Abraham aus Köln. Zum Theil nach Handschriften zu Paris und Hamburg, nebst historischen Untersuchungen und Charakteristiken. Leipzig, 1853. (Der deutsche Theil 35 S. der hebräische 52 S.) Den ersten Traktat n2572, der nirgends erwähnt wird und zuerst 1802 in Wilna veröffentlicht worden, über die Schöpfung der Welt, schreibt Herr Jellinek mir etwas gewagter Kombination dcnr R. Jakob Nasir in der ersten Hälfte des 12 Jahrhunderts zu. — Das yprr; “isö von R. Chamai Gaon, dessen ganze Cristen; sehr zweifelhaft, welches die Identität der göttlichen Kräfte mit der Flamme vergleicht, die verschiedene Farben spielt, und deren Emanation mit dem Lichte, an dem sich ein anderes entzündet, ohne daß das crstere an seinem Glanze verliere, dann m Form eines Gebetes die letzten 7 Scfirot anruft, schreibt Herr I. der Schule R. Isaak des Blinden zu. — 'Abraham ben Samuel Abulafia ist in der neuesten Zeit öfter besprochen worden, da ihn Einige — was I. widerlegt hat — für den Vers, des Sohar gehalten. Er ist Vcrf. mehrerer kabbal. Schriften, von denen noch keine gedruckt worden, Stifter einer kabbal. Schule, glaubte, daß er durch das Medium der Buchstaben- und Zahlcnkombinanonen ein Prophet geworden sei und daß sich ihm Gott offenbart habe, wollte 1281 den Papst bekehren, wurde mehrfach gefangen gehalten, und von seinen Glaubensgenossen, denen er als Messias sich aufdrängte, verfolgt. Die Letzteren wandten sich an den berühmten Rabbiner zu Barcelona, R. Salomo Jbn Adrat, um ein Gutachten über das Treiben des Abulafia. Jener verwarf die Buchstaben- und Zahlcnmystik des Abulafia gänzlich. Zu seiner Vcrthcidigung richtete Abul. das hier mitgcrheilte Rundschreiben an einen Freund, Namens Jchuda. — Das 2172 sa “iro deS R. Abraham aus Köln, der um die Milte des 13. Jahrhunderts blühte, enthält insonders kabbal. Betrachtungen über die 4 Buchstaben des Namen Gottes, ihre Gestalt, ihren Platz im Alphabet rc. — Die hebräischen Texte sind mit kurzen Anmerk, über Varianten und Vebcfferungen versehen. (Schluß folgt.)