Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 34 (15.8.1853)
- Date
- 1853-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Beilage zur Allgemeinen Zeitung des Judenthums Nr. 34. Alle Anzeigen und Beilagen geschehen auf Kosten ihrer Verfasser, und ist die Redaktion dem Publikum nicht verantwortlich dafür. Atekrolog. Dem Frommen ziemt Lob. Die Genoffen jüdischen Glaubens in Oberschlesien haben durch daS plötzliche Ableben des seligen Rabbiners Israel Deutsch zu Beuthen o/S., einen herben Verlust erlitten, welcher mn so mehr zu beklagen ist als der Hingeschiedene sich noch im besten Mannesalter befand und bei dem in unfern Tagen bereits fühlbaren Mangel an gediegenen Männern der Richtung, der er angehörte, schwer zu ersetzen sein dürfte. Wir erachten es daher als eine heilige Pflicht gegen den Verblichenen, hier in Kürze einige Worte über sein Leben und Wirken folgen zu lassen. Israel Deutsch war am 2. April 1800 zu Zülz in Oberschlesien geboren, wo sein Vater Rabbinats-Assessor war, dieser durch talmudischeS Wissen und achte Frömmigkeit ausgezeichnete Mann leitete den ersten Unterricht seines SohneS im Hebräischen und im Talmud mit vielem Erfolge; doch leider starb er schon 1813 und ließ den 13jährigen Knaben mit vier jüngern Geschwistern und seiner Mutter in den dürftigsten Verhältnissen zurück. Unter vielen Entbehrungen setzte er seine ralmudischen Studien unter Leitung des dortigen Rabbiners Herrn S. Cohn mit dem rühmlichsten Eifer fort, und erwarb sich durch seinen angestrengten mit glänzendem Erfolge gekrönten Fleiß und durch seinen musterhaften Wandel die dauernde Liebe und Achtung seines würdigen Lehrers; aber auch in den übrigen Wissenschaften, die zur allgemeinen Bildung erforderlich find, blieb er nicht zurück, und machte in ihnen auch ohne Lehrer vermöge seiner Anlagen und seines Fleißes große Forschritte. Nachdem er auf diese Weise mehrere Jahre verlebt hatte, sah er sich zur fernem Fristung seiner Eristenz genöthigt mehrere Hauslehrerstellen zu bekleiden. — Im Jahre 1820 heirathete er die Tochter deS braven S. Hein zu Hotzenploz, mit der er bis zu seinem Ende in glücklicher, wenn auch kinderloser Ehe lebte. — Sein Schwiegervater wünschte ihn den Geschäften zuzuwenden, aber sein Lehrer Cohn, der „Psalm 33. Vers 1." ein solches Talent der Wissenschaft gern erhalten wollte, ertheilte ihm die Autorisation zum Rabbineramte und veranlaßte ihn, einstweilen eine mit dem Schächteramte verbundene Rabbinerstelle zu Hultschin, einer kleinen Gemeinde in Oberschlesien, zu übernehmen mit dem Versprechen seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um ihm bald zu einer besseren Stelle zu verhelfen, waS auch geschehen wäre, wenn Rabbiner Cohn nicht bald darauf gestorben wäre. — In dem neuen Amte, welches er 1822 antrat, erwarb sich unser junger Rabbiner ungeachtet seiner Jugend bald im hohen Grade die Liebe und Achtung seiner kleinen Gemeinde, aber die äußeren Verhältnisse waren nicht sehr erfteulich. Inzwischen wurde gegen das Ende deS Jahres 1828 die Rabbinatsstelle zu Beuthen o/S. erledigt. Trotz der Abgeschiedenheit seines Aufenthaltes hatte der junge Mann doch schon Aufmerksamkeit erregt, er ward empfohlen, und endlich nach Beuthen berufen, wo sich ihm ein ganz anderer Wirkungskreis eröffnete. Er fand schon damals in Beuthen nicht nur eine bedeutendere Gemeinde, sondern auch mehrere tüchtige Talmudisten und Männer wissenschaftlicher Bildung. Er trat sein neues Amt im April 1829 an. Gar bald hatte er sich auch hier durch fein rühmliches Streben den religiösen Sinn und die Sittlichkeit seiner Gemeinde zu befördern, so wie durch seinen musterhaften Wandel, seine Uneigennüyigkeit, Bescheidenheit, Freundlichkeit und Sanftmuth die größte Liebe und Achtung aller derer erworben, die ihn kannten. Hier fand er Gelegenheit sein Rednertalent besser auszubilden, im rabbinifchen wie in manchen andern Wissen fortzuschreiten und sein Ruf sing auch nach und nach an sich nach Außen zu verbreiten. Nicht minder ließ er es sich angelegen sein, denjenigen jungen Leuten, die eS wünschten, unentgeltlich höhern Talmud-Unterricht zu erlheilen. Seinem heiligen Berufe treu ergeben, verlebte er nunmehr ruhige'Tage, höchstens getrübt