Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 32 (1.8.1853)
- Date
- 1853-08-01
- Page
- Seite 397 (sequence 7)
- Language
- German
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397 Christian Spectator vom Juni auszüglich über die neueren Auffindungen deS Herrn Layard zu lesen. Er verließ England zu einem zweiten Besuche Nineve'S im Herbste 1849. Nach seiner Ankunft in Mosul begann er sofort seine Ausgrabungen zu Koujunjik (Nincve) und Nimroud wieder. Da wurde im Dezember der große Eingang und die Fa^ade des großen Palastes Sennacherib's offen gelegt. Zehn kolossale Stiere mit 6 menschlichen Figuren von gigantischen Verhältnissen wurden hier zusammen gruppirt gefunden, die Länge der ganzen Fa^ade war nicht weniger als 180 Fuß. An den Stieren wurden Inschriften gefunden, welche zwei deutliche Zeugnisse aus den Annalen der sechs Jahre, die Sennacherib regierte, enthielten. Diese Inschriften find von Rawlinson und Dr. HinkS untersucht, und namentlich der letztere schaffte den genügendsten Aufschluß. Die Inschriften, sagt Herr Layard, beginnen mit dem Namen und den Titeln Sennacherib's, der fich nicht König oder Hohcrpriestcr von Babylon nennt, wie es sein Vater Sargon tbat, sondern der „Ueberwinder der Könige vom obern See der untergehenden Sonne (Mittelmeer) bis zum untern See der aufsteigenden Sonne (perfischer Meerbusen)." In dem ersten Jahre, mit welchem die Inschrift beginnt, wird Sennacherib als Veficger Merodach-Baladan's beschrieben, den alle Leser der heiligen Schrift als den König von Babel kennen, der Briefe an den König Chiskijah sandte. Der Kriegszug wird ausführlich beschrieben. Im zweiten Jahre eroberte Sennacherib Länder nördlich von seiner Residenz. Nationen (medische) mußten ihm Tribut bringen, die „so fern wohnen, daß seine Vorgänger nicht einmal die Namen gehört hatten." Im dritten Jahr überzog Sennacherib Syrien, dessen Volk durch den biblischen Namen „Chitthi" bezeichnet ist, befiegte Thrus und Sidon, „Zidkabal, König von Askalon," und dann die Egypter, die in Bund mit „ChiSkijah, König von Juda." Die Inschrift fährt fort: „ChiSkijah, König von Juda, der fich meiner Herrschaft nicht unterwarf, ich eroberte 46 seiner Städte und Vesten. Ich schloß ihn selbst in Jerusalem, seiner Hauptstadt, ein. Die befestigten Städte nahm ich von seinem Lande ab und gab fie den Königen von Askalon, Ekron und Gaza, um sein Land kleiner zu machen." Diese wichtige Inschrift sagt ferner auS, daß er zur selben Zeit ChiSkijah seinen Schatz abgcnommen, den jener in Jerusalem gesammelt, 30 Talente Gold und 800 Talente Silber, die Schätze seines Palastes, außer seinen Söhnen und Töchtern, seinen männlichen und weiblichen Sklaven, und fie nach Nineve brachte. ES stimmt dies auf's genaueste mit der Bibel, überein, s. 2. Kön. 18., nur daß da 300 Talente Silber steht. Layard meint, die 300 der Bibel mögen nur daS gemünzte Silber, die 800 der Inschrift sämmtliches Silber sein. Im 4. Jahre wandte Sennacherib seine Waffen gegen Süden, insonderS den Bruder Merodach-Baladan's, im 5. wieder gegen Norden. Im 6. Jahre maschirte er gegen „den König von Elam" an der Mündung deS Ephrats und Tigris, und wandte zur Eroberung der Stätte die Schiffe von „Tyrus, Sidon und Javan" an. Außerdem wird in 13 Basreliefs die Belagerung von Lachisch dargestelll, s. 2. Kön. 18, 14. Jesaias 36, 2. Ueber dem Könige steht da die Inschrift: „Sennacherib, der mächtige König, König des Landes Affur, sitzend auf dem Throne des Gerichtes am Eingang der Stadt Lachisch. Ich gebe Erlaubniß zu morden." Ein anderer Beweis dafür, daß der Erbauer deS Palastes von Kouyunjik Sennacherib war, liegt nach Layard in Folgendem. In einem Zimmer im südwestlichen Flügel dieses Gebäudes sind eine Menge von Stücken feinen Thones gefunden worden, die den Abdruck von Siegeln tragen und befestigt waren, gleich den modernen Siegeln in Wachs, an Dokumenten auf Leder, Papyrus oder Pergament. Solche Siegel in Thon an Dokumenten sind in Egypten entdeckt worden, und einige befinden fich im britischen Museum. Die Schriften find vom Feuer zerstört, welches daS Gebäude verbrannte. In den beprägten Thonstücken sieht man noch die Löcher von den Riemchem, durch welche das Siegel an das Dokument befestigt war. Der größere Theil dieser Siegel sind assyrisch, andere tragen cghptische, phönizische und zweifelhafte Symbole und Chraktere. Bisweilen ist dasselbe Siegel mehr als ein Mal auf demselben Stücke Thon abgcprägt. Aber die wichtigsten unter den egyptischen Siegeln find zwei Abdrücke eines königlichen Zeichens, der, wenn auch unvollkommen, die Kartousche behalten hat, mit dem Namen des Königs, so daß er völlig lesbar ist. Es ist der deS zweiten Sabako deS Egypters. Auf demselben Thonstücke ist ein assyrisches Siegel abgedrückt. Sabako regierte in Egypten am Ende des 7. Jahrhunderts vor der gew. Zeitr., dieselbe Zeit, wo Sennacherib den Thron bestieg. Es ist der So im 2. B. Kön. 17,4., der vom Hoschea, König von Israel, Gesandte empfing, da er sich mit den Egyptern verbinden wollte, um fich von Schälmanassar frei zu machen, was mit dem Ende seines Reiches schloß. Schalmanassar war der unmittelbare Vorgänger Senna-