Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 31 (25.7.1853)
- Date
- 1853-07-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 31. xm Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Phrlippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 25. Juli 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Ja Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Stgr. (1 Thlr. 12 g@r.) für sechs Monate—22»/* Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Ervetitionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sächs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das vorige und gegenwärtige Jahrhundert. II. — Nosologie des RischuS. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus dem Schwerin'schen. Großbritanien: London. Mbhandlnnge» verschiedenen Inhalts: Deutsch-jüdische Sprüchwörter aus Hamburg. (Fortsetzung.) Literarische Nachrichten: Magdeburg. Korrespondenz: Anrath. Leitende Artikel. Magdeburg, 18. Juli. Das vorige und gegenwärtige Jahrhundert, ll. Wenn es also wahr ist, und einfach aus den Gesetzen des menschlichen Geistes und seinen Evolutionen erfließt, daß die geschichtlichen Entwickelungen stets in denselben Weisen und Kreisen verlaufen, und daß dies nicht minder im Judcnthume der Fall war und ist — so versteht es fich von selbst, daß damit dennoch die Verschiedenheit deS Inhalts, die immer weitere Ausdehnung und reichere Entfaltung verknüpft ist; daß jene Abkreisung eben nur das Leben der Idee am Individuum (Mensch, Volk, Dölkerfamilie) befaßt, die Idee aber an der Gesammtheit deS Menschengeschlechts fortlebt, und in immer üppigerer Gestaltung hervortritt. Somit find die Details, unter denen uns in den verschiedenen Phasen dieselbe Idee erscheint, sehr verschieden und stets besonders. Die moderne Entwickelung des Judenthums hat im vorigen Jahrhundert begonnen. Machen wir daher uns dieses zuvor klar. Stellen wir das vorige und gegenwärtige Jahrhundert zusammen und vergleichen fie mit einander: so können wir fie am kürzesten so bezeichnen — das vorige Jahrhundert war das Jahrhundert der Verheißung, das gegenwärtige das Jahrhundert der Erfüllung — aber welcher Erfüllung? Das vorige Jahrhundert wird in der neuesten Geschichte als das denkwürdigste bezeichnet werden. Welch' ein mächtiger Strom der Entwickelung! welche Erhabenheit der Ideen! welche Großartigkeit der Schöpfungen, die beabfichtigt, zu denen die Grundlagen entworfen wurden!... Es war eine dürre Zeit vorangegangen, eine Zeit namenloser Pedanterie, wo, nach den großen Geschehnissen des 16. Jahrhunders in alter und neuer Welt, der Geist wie hineingebannt in versteinerte Formen vegetirte; wo Alles auf den Buchstaben reduzirt ward, Diplomatie und Kricgsführung, Theologie und Philosophie, die klassische Literatur und die Naturwissenschaft, und nicht minder — das Judenthum; wo, was irgend Großes erstand, schnell eingesargt ward zu fröhlicher Auferstehung in späterer Zeit B. Baruch Spinoza geb. 1632); kurz, die echte Zeit der Reifröckc, des Puders und der mit der Scheere zugeschnittcnen Gärten. Von allem Dem, so wie von Allem, was das Mittelalter,