Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 30 (18.7.1853)
- Date
- 1853-07-18
- Page
- Seite 374 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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374 in den sr’a“in73 -ri2, so daß man mehrere Eremplare dieses Blattes verlangt hat. Jndeß giebt eS doch auch noch Leute, welche politisiren, so klein ihre Zahl ist; und von diesen wird eine Idee, welche, man weiß nicht wie, sich verbreitet hat, lebhaft besprochen. Da man nämlich den Sturz deö türkischen Reiches als nahe bevorstehend ansiehl, so glaubt man, daß, bei der vorzunehmenden Theilung, da keine der christlichen Kirchen daS heilige Land in den Händen der andern wird wissen wollen, die griechisch-katholische, die römisch-katholische und die anglikanische aber gleich mächtig sich gegenstehen, die europäischen Mächte nichts Besseres thun könnten, als — das heilige Land den Juden zu übergeben mit der Bedingung völliger Gleichheit der Kulte. Dies wird denn nach allen Seiten durchgesprochen — ich kann aber in der That nicht sagen, ob Viele von denen, die diesen Gedanken am feurigsten vertheidigen, die eifrigsten sein werden, dahin zu gehen, wenn er sich realifiren sollte. L. F. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Deutsch-Jüdische Sprüchwörter aus Hamburg. (Fortsetzung.) 18. Ein Eidam ist ein halber Schwäher. Wenn Du in die Jahre kommst und hast von Jugend an in einer und derselben Umgebung gelebt, so machst Du eine cigenthümliche, nicht erwartete Erfahrung. Du hast nun von Kind an Diesen und Jenen gekannt, hast auch seine unangenehmen Seiten bemerkt, und im Vertrauen auf die fortschreitende Ausbildung der Menschen und auf die Vorzüglichkeit der jetzigen Erziehung denkst Du nun, all dieses Wüstengeschlecht müsse doch allmälig aussterben und nicht wiederkehren. Eine ganze Bevölkerung ist nun auch wirklich ausgestorben und ein neues Geschlecht lebt neben Dir. Du schaust Dich um, zweifelst nicht, lauter edlere Gestalten zu finden; aber siche da! meist sind cs lauter RevenantS: der Gei; des Einen, die Habsucht des Zweiten, die Dummheit des Dritten, die Pedanterie des Vierten, die Niederträchtigkeit des Fünften, die Speichelleckerei des Sechsten, die rohe Härte des Siebenten, die Liederlichkeit des Achten, die Geckenhaftigkeit des Neunten, diese Eigenschaften und alle ihre Pnhängsel, sie find unsterblich wie die Parzen, sie find alle wieder da. Ja nicht allein daS, auch die schiefe Haltung, daS Augenblinzeln, die verstopfte Nase, die Unreinlichkeit, die eckelhafte Manier beim Essen, Schlemihlerei, Prinzipienritt, falsches Singe», schlechtes Whistspielen, fadeS Raisonniren und noch tausend kleinere Eigenheiten kommen, oft in vermehrter Auflage, wieder heran. DaS war wahrlich der Mühe werth, so viele Jahre zu durchleben oder vielmehr durchlebt zu werden! DaS so hochgerühmte einstige Wiedersehen wird einem auf diese Weise wahrlich schon im Voraus verleidet! Unser auf häufige Erfahrung begründetes Sprüchwort sagt nun, daß wie der Sohn den ganzen, so auch der Eidam den halben Vater wicderzugeben pflege. Ich denke, das zweite sei noch natürlicher als daS erste. In seltenen Fällen, und dann nur durch zufällige Umstände kennt der Vater seinen Sohn als Mann; selbst wenn ste immer beisammen gelebt haben. Er hat ihn als Kind gepflegt, hat ihm Unterricht verschafft und glaubt ihn auch erzogen zu haben. Was der Sohn als selbstständiger Bürger in seinem Berufe, in der Gesellschaft, im Umgang mit Gleichgestellten, bei Frau und Kind für eine Rolle spielt, das bleibt dem Vater gewöhnlich meist verborgen, und wo daS auch nicht der Fall ist, da gehört schon ein hoher Grad von scharfer Urtheilskrast dazu, um die Bilder aus der Kinder- und Entwickelungszeit nicht mit den gegenwärtigen zu vermischen. Wird es Eltern ja schon so schwer, die stcht-, hör- und greifbaren Talente ihrer reifen Kinder neutral zu beurtheilen! Anders mit dem Schwiegersohn — natürlich freundschaftliche Verhältnisse und häufiges Beisammensein vorausgesetzt. Der tritt dem Alter gleich als Mann entgegen, mehr oder weniger ist er sogar selbst von ihm ausgewählt worden. Sind es nicht Naturen, die von Hause aus einander widerstreben, so wird in den meisten Fällen der jüngere Mann bewußt oder unbewußt daS ihn Ansprechende von dem Eiteren in sich aufnehmen und weiter kultiviren. Wenn ein junger Mann heirathet, so nimmt er sich gewöhnlich vor, daß sein HauS nicht ein Appendix von dem Hause deS Schwiegervaters werden, daß seine Frau nicht alle Nasenlang zur Mama laufen solle u. s. w. Meistentheils tritt aber das Gegentheil ein, und — wenn nicht besondere, zumal pekuniäre Gründe eS verhindern, so schließt er sich der Familie der Frau weit mehr an, als seiner eigenen, läuft weit mehr zur Schwiegermama als er gewollt hatte. Und so bewahrheitet sich der alte