Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 30 (18.7.1853)
- Date
- 1853-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225822-3225853--13251-3299547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 30. xm Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner ju Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 18. Juli 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen inQuart inkl. des Titels, Registers u. s.w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig': mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr.1L Rgr. (1 Thlr. 12 g@r.) für sechs Monate — 22 >/r Ngr. <18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die königl. sachs. Zeituugs-Ervedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das vorige und gegenwärtige Jahrhundert. I. — In Oesterreich. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kassel, Hamburg. Preußen: Berlin. Posen, Nackel. Oesterreichischer Kaiserstaat: Baven <bci Wien), Wien. Frankreich: Pari». Türkei: Koostantinopel. Italien. Donaufürstenthümer: au» der Moldau. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Deutsch-jüdische Sprüchwörtrr au» Hamburg. (Fortsetzung.) Literarische Nachrichten: Magdeburg. Leitende Artikel. Magdeburg, 12. Juli. Das vorige und gegenwärtige Jahrhundert. I. ES ist ein Beweis, daß tief innen im menschlichen Geiste bestimmte Gesetze walten, die im Wesen des Geistes begründet liegen, wenn wir sehen, daß alle menschliche Entwickelung in Kreisläufen vor sich geht. Wie der Mond um die Erde kreiset, aber doch zugleich vorwärts gelangt, mit ihr um die Sonne: so verlaufen alle größeren Erscheinungen der Menschheit in gleichen Kreisbahnen, aber indem die Entwickelung in jedem folgenden Kreise eine reichere, an Umfang, Tiefe, Resultaten und Wirkungen reichere, an GeisteSanspannung und GeisteSverbrauch tiefere ist, kann die Folgezeit niemals als eine bloße Wiederholung der Vergangenheit angesehen werden. Es versteht fich von selbst, daß im Detail sich eben so bei jeder geschichtlichen Erscheinung tausend Verschiedenheiten darthun, als auch selbst in der Natur kein Jndiduum ein bloßer Abklatsch des andern ist. Wie gesagt, wir erkennen hieraus, daß auf der Grundlage der Gesetzlichkeit in unserm individuellen geistigen Wesen fich Gesetze ergeben, welche über die gesammten Geister einer Zeit, einer Zeitperiode, das heißt der gesammten Menschheit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft walten, innerhalb welcher Gesetze nun alle Individuen in Selbstbestimmung ihre Arbeit verrichten. Es ist eine alte Beobachtung, daß die griechische Philosophie in einem Kreisläufe fich abschloß. Sie fing mit Mythen und Dichtungen an und verlor fich zuletzt wieder in Dichtungen und Phantasten (Plotin, Porphyr, Jamblich, Proklus, Damascius), nachdem fie in den drei großen Formen, dem Dogmatismus des Spiritualismus, dem Dogmatismus des Materialismus und der Negation deö Skeptizismus, fich erschöpft hatte. Aber es ist auch eine Beobachtung, die auch schon nicht mehr das Verdienst der Neuzeit für fich hat, daß die moderne Philosophie von Deskartes an ganz in demselben Kreisläufe sich, so weit es ist, vollendet hat, wie die griechische, nur intensiv und ertensiv reicher, namentlich durch den Kritizismus reicher, der der griechischen Philosophie fehlte, durch die Systematik reicher, welche nur bei Aristoteles ihren Anfang hatte, durch die Basis einer ungleich bedeutendern Kenntniß der Natur, so wie durch die allgemeine Kenntniß deö Geoffenbarten