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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-06-27 · Heft 27 (27.6.1853) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 27 (27.6.1853)
Date
1853-06-27
Page
Seite 340 (sequence 14)
Language
German
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340 um die jüdische Theologie gründlich zu studiren; während die Elfteren, zu Lehrern bestimmt, außer den Gegenständen, die zur hebräischen Sprache und den Religionsgesrtzen gehören, auch in verschiedenen Sprachen und Wissenschaften einen speziellen Unterricht genossen. Darum sind für den Lehrerstand 8 Klassen in 8 Jahren durchzumachen, und für den Rabbinerstand 9 Klassen und das zehnte Jahr für praktische Uebung bei einem Rabbinen bestimmt. Die Gegenstände, die im ganzen, sowol Lehrerals Rabbinenkursus vorgetragen werden, sind folgende: die hebräische, chaldäische, russische, deutsche und bisher auch die lateinische Sprache; Mischna, Gemara mit allen Ertrakten, nämlich: Rosch, Alfeß, Maimonides, Tur und Schulchan Aruch; von Mathematik: Arithmetik, Algebra, Geometrie und Trigonometrie; Physik; allgemeine Geschichte, die spezielle russische und Geschichte des jüdischen Volkes nach Di*. M. Jost; Geographie. Die Lehrer, die zum Dortrage der genannten Gegenstände vom Ministerium bestellt sind, haben schon bereits durch ihre literarischen Leistungen einen Namen in der gebildeten Welt erworben. Sehr Wenigen werden in der neuern hebräischen Literatur die Herren B. A. Lebensohn, C. L. Kazenellenbozen, S. I. Fünn, S. Salkind, so wie die durch ihre tiefe und gründliche Kenntniß im Talmud bekannten G. Klazke, I. Scherischcwsky, E. Straschun und I. Behak unbekannt sein. Die Geschichte des jüdischen Volkes wird vom wackern wohlbekannten Zensor und Beamten besonderer Aufträge beim wilna'schen Kuratorium des dortigen Lchrbezirks, Herrn W. Tugendhold vorgctragrn. Die allgemeinen Gegenstände werden von fähigen Christen, die eine Hochschule geendet haben, die deutsche Sprache ausgenommen, von einem preußischen Israeliten, Herrn Neucnburg, unterrichtet. Alle diese zitirten Lehrer gehen jetzt, ihrem Berufe gemäß, mit dem größten Eifer zu Werke, ihr Wissen den ihnen anvertrauten Schülern mitzutheilen und beschränken sich nicht mir der vorgeschriebenen Zeit. Der Inspektor, der durch seine gründliche vielseitige jüdische Gelehrsamkeit berühmte Herr H. Kazenellenbogen und der Direktor, Kollegienrath Herr Pawlowsky, dirigiren die Schule mit dem größten und unverdrossenen Eifer, wodurch sie sie auch auf die Stufe gebracht haben, mir welcher die Regierung vollkommen in Zufriedenheit gesetzt ist. Hinsichtlich der Fortschritte dieser Anstalt in aller Hinsicht hat Se. Durchlaucht der Minister der Volksaufklärung, da er sie in eigner Person ^besuchte und auch kürzlich, der vollständigen Prüfung der neulich Ausstudirten bcizuwohncn, einen Bevollmächtigten sandte, sich des besten Erfolgs erfreut. Eine' ganz besondere Rücksicht wird auch auf die pünktliche Erfüllung aller zeremoniell-religiösen Gebräuche der Schüler gewendet, damit nicht allein jeder Anstoß bei den lirhauischen Juden verhindert werde, sondern auch um ihre besondere Gunst zu gewinnen, waS auch vollkommen gelungen ist. Die Zahl der studirenden Jugend beläuft sich jetzt bis 250, worunter 50 Stipendiaten, die mit all?m Möglichen in der Schule versorgt find. Diese Letzteren haben zur Psticht, zehn Jahre ihr bestimmtes Amt als Rabbinen oder Lehrer zu bekleiden, ohne daß man Etwas von ihrem Gehalte abzieht. Die Uebrigen haben Nichts für ihr Studium zu entrichten und find auch ein Amt anzunehmen nicht verpflichtet. Diese Anstalt mit ihren Anordnungen versprach im Anfänge und gewährt schon jetzt allen gutgesinnten Menschen das Vergnügen, aus ihrer Mitte besser gebildete junge Israeliten heranwachsen zu sehen, denen eS auch leicht ist, auf der eingeschlagenen Bahn zu weiterer Bildung fortzuschreiten. Denselben hat schon die Regierung viele Freiheiten gestattet und noch viele zu hoffen übrig gelassen. Schon im Jahre 1850 befteiete Se. Maj. der Kaiser alle in den Rabbinerschulen Studirende von Soldatenpflicht, und auch jetzt stellte das Ministerium die neulichst ausstudirten Lehrer mit den christlichen Lehrern gleich, wenn einstweilen auch nur in pekuniärer Hinsicht, indem sie ein Dritttheil ihres Gehaltes, Geld für Postpferdc und einen Kronsreisepaß, der bisher nur Christen zu Thcil ward, erhielten. Es bleibt ihnen jetzt zu hoffen übrig, daß mit dem künftigen Jahre, wenn die zweijährige provisorische Bestätigung der Schulen zu Ende sein, und dieselbe auf immer erfolgen wird, man ihner auch Rechte, gleich den christlichen Beamten, zugestchen werde. Wie crfteulich diese Anstalt schon ist und mit der Zeit noch zu werden verheißt, fordert keine Erläuterung. Junge Menschen, größtcntheilS aus der ärmsten Klaffe LitthauenS, die gewiß ohne diese Anstalt>mit ihrer Bildung sowol als ihren Sitten zu Grunde gegangen wären, erfreuen sich jetzt der Gleichheit mit allen übrigen Landesbürgern, indem ihnen die reine Landessprache und die jedem bessercrzogenen Menschen erforderliche Bildung zu Theil wird. Außer diesem wesentlichen Nutzen hat die Regierung noch einen besondcrn Gewcrbszweig den Juden in die Hand gelegt, und ihre Jugend ist schon nicht mehr genöthigt, ausschließlich dem Handel ihre Nahrung

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