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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-14 · Heft 71 (14.6.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 71 (14.6.1838)
Date
1838-06-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ii. 3°hrg<wg. Allgememe N». 71. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit KLnigl. Sächsischer allergna'digster Conceffion.) Leipzig, den 14. Zuni 1838. Zeitungsnachrichten. Tiflis, 22. April. (Aus seinem Privatschreiben). Es würde Ihnen vielleicht nicht uninteressant sein, einige Notizen über die Juden in Armenien zu erfahren, die ich mir bei meiner Geschäftsreise hier gesammelt habe, und ich bin so frei Ihnen in jedem Briese einiges davon mitzutheilen. Ach atz i k, wo ich vor vier Wochen war, hat sechzig jüdische Familien, welche theils georgisch, theils türkisch sprechen, und auf eine Einwanderung aus Kleinasien und Erzerum Hinweisen. In den Städten Salmas und Urmia, wo die Juden von chaldaischen Christen, die einen corrumpirten syrischen Dialekt sprechen, umgeben sind, gibt es ansehnliche bedeutende Gemeinden; eben so in Dag hist an. Sämmtliche armenische Gemeinden unterscheiden sich von den gewöhnlichen russischen darin, daß sie fast ausschließlich dem Landbau zugethan sind. In einem Dorfe bei Kuba gibt es eine starke Gemeinde von 400 Familien, mit sieben kleinen Synagogen; in Derbend zählt dieJudengemeinde gegen hundert Familien und in Andrawa besteht die ganze Einwohnerschaft aus Juden. Pilsen, 28. Mai. (Privatmitth.). Ich kann nicht umhin. Ihnen über die Humanität, Toleranz und edlen Gesinnungen, welche die Professoren der Philosophie an der hiesigen bekannten Hochschule „mit philosophischen Studien" vor so manchem deutschen Professor auszeichnen, einige Bemerkungen zu machen. Nicht nur, daß wir jüdische Studenten nicht die geringste Hintenansetzung zu erleiden haben, sondern man laßt uns auch jeden Vorzug, sobald wir ihn verdienen, genießen. Wie oft hat nicht Herr Prof. L. in seinem Religionsvortrage und in unsrer Abwesenheit seine Schüler ermahnt, collegialisch und brüderlich mit uns zu leben, und im Umgänge mit uns vom Glauben zu abstrahiren. Herr Prof, H. der in seinen philosophischen Vorlesungen den größten Eifer und die möglichste Strenge bewährt, hat oft, besonders, wenn er über religiöse Vorurtheile zu sprechen kam, über den Druck und die Zurücksetzung der Juden geklagt, welche ihm die alleinige Ursache zu sein scheinen, warum wir nur Einen Mendelssohn haben. Obschon die Herren Prof. S. und 33., von denen der Erstere die Physik, der letztere die Mathematik lehrt, nicht über diesen Gegenstand zu sprechen Gelegenheit haben, so beweisen doch ihre Handlungen stets den Geist, der sie beseelt. Sammtliche Herren Professoren sind aus dem geistlichen Stande. Solche Männer sind ein Trost für Israel, und die beste Gewähr für unsere Zukunft. Der hiesige Kreisrabbiner ist ein trefflicher Redner, dessen Vorträgen selbst recht viele christliche Zuhörer mit Theilnahme beizuwohnen pflegen. M. D. Der Kaufmann von Venedig. (Eingesandt.) Ein fleißiger Theaterbesucher will bemerkt haben, daß „Hamlet" immer viel Juden ins Haus ziehe, und gibt als Grund ihren Speculations- Geist an, der die Gelegenheit nicht unbenutzt vorüber lassen will, zwei Stücke für einfaches Eintrittsgeld zu sehen; aber auch für die Judenfeinde hat der unsterbliche Dichter gesorgt und der „Kaufmann von Venedig" verschafft ihnen, außer dem herrlichen Genuß shakespear'scher Schöpfung noch das besondere Privat-Plaistr, ihre tiefsten Empfindungen, ihre geheimsten Gesinnungen so lebendig dargestellt, so richtig motivirt in die Erscheinung treten zu sehen, wie ihrer dürftigen Natur nie hat gelingen wollen, es hervorzubringen. Welch ein Jude! Welch unermeßlicher Abgrund der Bosheit, welch Reichthum an Diatectik des Teufels! Wahrlich die weggeworfenen Brosamen dieses Reichthums genügen für hundert moderne Eisenmengers in der Toga oder bei der Journalistik, um ihrer Armuth auszuhelfen, ihre Blöße zu bedecken. Dieser Shylok ist nicht einer aus dem Haufen, der, wie Lichtenberg sagt, uns von den Tugenden einer goldenen Uhrkette aus Tomback, stundenlang vorerzählen kann; nein, er steht einzig da als Heros der kältesten, berechnetesten, grausamsten Rache! hier ist nicht heißes Blut, das tiefempfundne Beleidigung rasch und furchtbar straft, sondern eine Art von Rechenexempel des Teufels, das mit kaltem Verstände, richtig calculirt und zu Ende gebracht wird. Nicht nur das Gesetz, sondern auch das Recht spricht seiner Überzeugung nach für ihn. Wer mir schadet, dem schade ich wieder, wer mich verderben will, den vernichte ich, wenn ich die Gewalt habe. „Was ihr mich gelehrt, das will ich üben," tautet seine infernale Ethik, und es ist nicht zu läugnen — Furchtbares

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