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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-06-13 · Heft 25 (13.6.1853) · p. Seite 313

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 25 (13.6.1853)
Date
1853-06-13
Page
Seite 313 (sequence 11)
Language
German
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313 land und Frankreich besorgten, als sie bereits, und meistens durch die äußere Gewalt, von Großhandelsherren zu feilschenden Detailverschließern geworden waren. Bis ins zehnte Jahrhundert hinein bildeten nicht nur in Spanien die Israeliten eine seßhafte arbeitsame Bevölkerung, sondern auch in Deutschland, z. B. bei Regensburg, finden wir sie stellenweise mit dem Feldbau beschäftigt. Dagegen ist eS eine ausgemachte Thatsache, daß ste fich in der Mehrzahl von vorncherein nicht angekauft haben. Der Grund dieser Erscheinung ist ein doppelter. In erster Linie gestattete ihnen der in ihren Händen liegende zwischcnländische Handel nicht, feste Wohnsitze zu gründen und so nebenbei Ackerbau zu betreiben. Der Handel der frühern Zeit erforderte ein fortwährendes Hin- und Herreisen; eine Nothwcndigkeit, die es hinreichend darlegt, warum die seßhaften germanischen Stämme erst nach der Ungeheuern Bewegung der Kreuzzüge in die kommerzielle Periode einzutreten beginnen. Und zweitens war in dem Feudalverbande des Mittelalters, selbst noch unter den Hohenstaufen, sehr wenig Land zu Kaufe feil. Wie konnte es einem fteicn Grundbesitzer damals einfallcn, sein Allodgut, von dem er ganz und gar lebte, gegen Geld und Geldeswerth zu veräußern, wofür es ja nicht, wie heut zu Tage, Zinsen tragende Kapitalanlagen gab? Es wäre demnach für die Juden nur übrig gewesen, als Lehnsleute der Adeligen einzutreten, woran sic aber, wenn sie nicht Leibeigene werden wollten, von vorn herein ihre Religion, der auf daS Evangelium zu leistende feudale Huldigungseid verhinderte." „Hatten in solcher Weise die Israeliten, die Schüler der alten Phönizier, den Weltwaarenhandel an das Bürgerthum Europa's, an deffen Wiege sie Pathe gestanden, verloren, so war damit ihre handelsgeschichtliche Mission doch noch keineswegs beendet." „Aus den Gewerben der Städte theilweise verdrängt, geht der Jude abermals aufs Land, und bildet wiederum für die vom Handel noch unberührten Gegenden das System der Kapillargefäße, ohne welches der in den großen Adern der Staatenkörper pulsende Strom des Güterlebens schließlich versiegen muß." „Wo find die Handelsleute, welche, wenn noch kein Pfad die einzelnen Gehöfte verbindet, mit dem Waarenballen auf dem Rücken von Haus zu Haus wandern, um durch Erregung von Bedürfnissen den Fleiß des Ackerbaues anzuspornen?" „So lange eine Regierung ihren verschiedenen Provinzen nicht mit allen den Erleichterrmgen der Produktion in Transportnnd Kreditanstalten beizuspringcn vermag, muß sie den schachernden Landjuden als ein höchst nützliches Verbindungsglied achten." „Theilweisc aber wußte der Jude trotz der Verfolgungen auch in den Städten fick zu behaupten, und ward hier unter dem beweglichen Eigenthume, selbst in den am meisten ausgebildeten HandclSrcichen, wiederum ganz zu dem alten phönizischen Geldhändler; wir haben in ihm den entstehenden Banquier der Gegenwart vor uns, nicht weniger eine Nothwcndigkeit unserer Tage wie! einst der Waarenhändler, der die Völker Europa's die Schätze des Ostens kennen gelehrt." ES trat hier die Erfindung des Wechsels als Charakteristikum der Stellung ein. „Besteht die Wirksamkeit des Banqu'crs darin, daß er die in tausend verschiedenen kleinen Lebenskanälen unverbraucht ruhenden Kapitalien bei sich sammelt — wie ein „Reservoir des Rcichlhums" — um sie, in einen großen Strom zusammengcfaßt, je nach der Nachftage zu produzircndcr Thäligkeit zu übermitteln, dann war der aus dem frühen Waarenhändler zum Geldhandel übergehende Jude von vorncherein recht eigentlich dazu gemacht, diesen Sammelpunkt der Geltädcrchcn von allen Seiten her für die Bedürfnisse des städtischen Lebens abzugeben." Dies die Darstellung des gründlich denkenden Verfassers, und wenn diese Ansichten auch nicht neu sind, so wurden sic doch niemals so scharf und markirr zu Tage gebracht und erwiesen. Wir halten die Resultate für äußerst wichtig, und werden deshalb in einem leitenden Artikel darauf zurückkommen. Verbesserungen. Im Schluß der Novelle „Csra" Nr. 23. S. 2S6. Sp. 2. Z. 3 v u. lies: „unverminLertcn" statt „unveränderten", besonders aber S. 287. Sp. l. Z. 6 v. u.: „südlichen Gebirgszuges" statt „jüdischen GebirgSzugeS", was ganz ohne Sinn. l)r. P h i l i p p s o n. Anzeigen. Zum nächsten -j^r wird von hiesiger Gemeinde ein tüchtiger, unverheiratheter Lehrer gesucht. Derselbe muß ein angemessener Vorbeter, wo möglich mit Chor, und Schächter sein, auch gelegentlich deutsche Vorträge halten. Salair: 100 Thlr. nebst völlig freier Station. Frankirte Offerten an den Vorsteber Wittstock, im Mai. P. Mendel.

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