Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 25 (13.6.1853)
- Date
- 1853-06-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xm Jahrgang. Allgemeine No. LS. Zeitung -es Iudcuthums. Ein unparteiisches Drgan für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. V Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantw orltich er Redakteur. Leipzig, den 13. Juni 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 78 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. Za Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst »iedrigr mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Rgr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate— 22>/r Ngr. (IS gGr.i für das Bierteljihr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erveditionen nehme» Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat stch die königl. sachs. Ieitungs-Erreditioa allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Prüfungen. — Hamburg. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bremen, Kassel, Schwerin, Hamburg. O esterrei chi scher Kaiserstaat: aus Mähren. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Deutsch-jüdische Sprüchwörter aus Hamburg. (Fortsetzung.) Literarische Nachrichten: Magdeburg. (Schluß.) Leitender Artikel. Magdeburg, 30. Juni. Die Prüfungen. Immer wiederholt müssen wir das Wort aussprechen: wenn irgend zu einer Zeit, so find die deutschen Juden in der Gegenwart berufen, durch schwere Prüfungen zu erweisen, wie treu sie der religiösen Ueberzeugung anhangen, wie überaus theuer ihnen Wahrhaftigkeit auf dem Gebiete der Religion ist, durch die That zu erweisen, welche Lebenskraft dem Judenthume einwohnt! Ihr sagt: „schwere Prüfungen!" — sicher... denn in einer Zeit, wo jeder Fanatismus längst abzekühlt, wo überall die brennende Flamme des Glaubens zum einfach Hellen Lichte der Ueberzeugung geworden, wo die Amalgamirung der Menschen das völlige Jneinandersiießen so sehr begünstigt — in einer solchen Zeit um der Religion willen sich vielen Ausschließungen und Kränkungen willig zu unterziehen, das ist fürwahr! mehr, als im Mittelalter Verbannung und Tod gewesen. Wenn in Mecklenburg die Stimme der Juden in ihren eigensten, in ihren religiösen Angelegenheiten zum Schweigen gebracht, und ihnen Geistliche und Synagogenordnung befohlen werden, wenn dort die Synagoge auf die veraltetste Gestalt zurückgeführt werden soll ■— denn wenn dies nicht die Absicht, wozu dann der ganze Vorgang — wenn eine, bereits eingelebte Ordnung und ein veredelter Kultus, der schon zum religiösen Vedürfniß geworden, beseitigt werden sollen trotz dem Widerspruch und den Bitten der Ungeheuern Mehrzahl der Juden — es ist dieS fürwahr! eine bittere Gabe der Zeit, und eine große Versuchung ... Und was diese Versuchung stärker macht, daS ist, daß am Ende Niemand weiter, als — Juden selbst anzuklagen ... Diese sind es, welche es gefordert, diese, welche politische und religiöse — und zwar nichtjüdische religiöse Momente benutzten, um die große Mehrheit ihrer Glaubensbrüder zu zwingen, diese, welche sich als Werkzeuge dutzendweise anbieten, sieht man doch schaarenweise eine Sorte Rabbiner kandidatirend dahinströmen, welche man in Deutschland bereits verschwunden glaubte... Wenn in Kassel von hoher Stelle herab erklärt wird, wir Deutsche jüdischen Glaubens sind keine Deutsche, find Palästinenser, und können nur in Palästina Bürgerrecht Hatzen — Argumente hiergegen vorzubringen, wird kein Mensch von uns verlangen, wir halten die jetzigen Deutschen durchaus nicht für Kaukafier und Armenier, und