Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 24 (6.6.1853)
- Date
- 1853-06-06
- Page
- Seite 301 (sequence 11)
- Language
- German
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301 in dem starren Zustand deS Ackerbaues den allernothwendigsten Fluß des Verkehrs bringt. Daß er dabei als solcher dem heutigen Bürgcrthum gleichsam Pathe gestanden hat, desselben BürgrrthumS, dem er gegenwärtig immer mehr zu unterliegen scheint, wird bei einer näher eingehenden Betrachtung der jüdischen Thätigkeit von selbst in die Augen springen." Der Verf. untersucht zuerst den Verkehr der Phönizier, für deren Schüler und Nachfolger er die aus dem mosaischen Ackerbauleben getretenen Juden (mit Deppinz) hält, den geschichtlichen Grund, warum Gold und Silber die allgemeinen Werthträger geworden sind, weil nämlich die Phönizier die naturgemäßen Beherrscher des Gewürzhandels (aus Indien) und in Folge des Metallhandcls waren, behauptet dann, daß nach der Vernichtung der phönizischen Städte durch Alerandcr den Großen die Juden in Aegypten deren Nachfolger wurden. — Der Verf. schließt dies „aus dem Umstande, daß in den israelitischen Kreisen in Aegypten so viele Köpfe sich mit philosophischen Studien abzabcn, weil wir hieraus abnehmen, daß die Juden dort auf einem wirthschafrlichen Boden standen, welcher ihnen eine derartige Unabhängigkeit von der auf den täglichen Verdienst zu verwendenden Mühewaltung möglich machte" — (wir möchten die Beschäftigung der ägyptischen Juden mit dem Handel vielmehr aus ihrer enormen Zahl in den cgyptischen Städten, namentlich Alepandrien, schließen —), und glaubt dann, daß „die heutigen Juden unscrs Erdthcils" (nicht den Flüchtlingen aus Palästina nach der Zerstörung Jerusalcm's, sondern) „dem jüdisch-phönizischrn Handclsvolke Aegyptens entstammen, welches getränkt mir dem alten Welthandclsgcistc ihrer Erblasser nach dem Untergange des Alrerthums die Lehrmeister der neu auftretenden jungen Völker geworden ist!" „Bis ins neunte und zehnte Jahrhundert hinein waren die Israeliten für die in der Entstehung begriffenen Agrikulturstaatcn des nördlichen Europa's die einzigen Kaustrute, welche die Verbindung der alten Welt mit dem auf ganz neuen Grundlagen sich cinrichtcndcn Westen aufrecht erhielten. Von Aegypten an zogen sich ihre Niederlassungen über die Inseln deS Argäischcn Meeres in die Donauthäler wie nach Frankreich hinein, und riefen unter den Ackerbauern des Nordens zuerst die Anfänge des beweglichen Eigenthums wach. In der alten Chronik des Klosters von St. Gallen wird erzählt, Karl der Große habe einst, um einen gefräßigen Bischof zu necken, einen jüdischen Kaufmann, von dem bekannt war, daß er in der Levante reiste, und von da allerlei köstliche Dinge mitbrachte, beredet, den Geistlichen auf irgend eine Weise zu hinrcrgehcn, und so lächerlich zu machen. Der Jude wählte dazu eine in Gewürzen eingemachte und dadurch unkenntlich gewordene Maus, die er als einen seltenen orientalischen Leckerbissen, in Seide sorgfältig eingewickelt, dem lüsternen Bischof um einen sehr hohen Preis anbot. Nach langem Handeln bezahlte der geistliche Herr die außerordentliche Summe, die der jüdische Kaufmann dem geistvollen König überlieferte. Wenige Tage nachher entbot Karl die Bischöfe und weltlichen Beamten der Provinz zu sich zu einer Bcrathung über Staatsangelegenheiten. Nach Endigung derselben ließ er das Geld herbeiholcn, erzählte den Streich und beschämte den Bischof öffentlich. — Wie einst die Phönizier die Gewürze von Persien und Indien gegen das Gold Spaniens und Frankreichs umsctzten, so verblieb den Juden im Mittelaller dieselbe Konjunktur." — Bleiben wir hier einen Augenblick stehen, so mögen wir wohl das außerordentliche Verdienst geltend machen, welches sich auf riese Weise unsre Värcr um Europa erworben haben, und das dieses mir so außerordentlicher Undankbarkeit vergalt. Aber abgesehen davon, fragen wir vielmehr nach den Gedanken der göttlichen Vorsehung, die sich hierin offenbaren, so tlnm sich uns zwei auf: zuerst, warum wurden die Juden die Nachfolger der Phönizier? Weil die Phönizier eben nichts weiter waren als die Kauflcutc der alten Welt, die Juden aber den ewigen Inhalt der religiösen Idee hauen, so daß ihnen der Handel eben nur die äußerliche, materielle Unterlage war. Alsdann: warum wurden die Juten bei ihrer Uebersicdelung aus ihrem Ackcrstaalc in die ganze Welt gerade zu diesem Handel bestimmt? Weil sie durch diesen allein eine unabhängige Stellung erhielten, so daß sie leicht durch die Welt stehen konnten, aus unduldsamen in duldsamere Länder. Es erklärt sich aber auch gerade hieraus, warum die Juten bis ins 11. Jahrhundert hinein überall leickr Aufnahme und Duldung fanden, und dann erst die Verfolgungen eint'alcn — sie waren später entbehrlicher geworden, und der Brodncid und die Habgier fachten die Verfolgungen noch viel öfter als der religiöse Fanatismus an. (Schluß folgt.-