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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-04-25 · Heft 18 (25.4.1853) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 18 (25.4.1853)
Date
1853-04-25
Page
Seite 226 (sequence 12)
Language
German
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226 Mauer die körperlichen Ueberreste der mit ihre irdische Wallfahrt schließenden Bewohner des SurbthalS. Wenn ich früher nie ohne ernste Stimmung an dieser Friedensstätte vorüber ziehen konnte, so kann ich es jetzt um so weniger, seitdem der vor einem Jahre im Herrn entschlafene Freund, MoseS Menko Guggenheim, Lehrer «a der untern israelischen Schule zu Endigen, hier ruht. Er starb in seinem einunddreißigsten Lebensjahre nach einer zehnjährigen Amtsführung, tief betrauert von den Seinigea, den Leidenden und Armen, deren freundlicher und kluger Rathgeber er war. Treu und bieder, Freund der Aufklärung und Bildung, begeistert für alles Schöne und Erhabene, heftiger Gegner des Schlechten und der Heuchelei, gurmüthiger und braver Sohn seiner verwittweten Mutter, welcher er mit ganzer Seele anhing, zartfühlend in Leben und Umgang, tüchtiger Schulmann, in welcher Eigenschaft ihm seine im aargauischen Seminare erworbenen schönen Kenntnisse wohl zu Statten kamen, ein wahrer Kinderfreund, der fich auf Herz und Geist seiner Kleinen wohl verstand und stch zu ihnen herabließ, um fie zu fich herauftuheben, waren ihm alle Freunde des Bessern zugethan und schlossen fich ihm mit ungetheiltem Herzen an. Bor einiger Zeit von Lengnau nach Endingen heimkehrend, zog es mich hin in diese Lebensstätte ö^n ^2, um die Inschrift des vor einigen Wochen meinem Freunde gestellten Grabsteins zu lesen. Still überdachte ich die von dessen Bruder gesetzten Worte: „Nur kurze Zeit aber in Treuen wirktest Du an Deinem Tagewerke." Nur kmze Zeit; aber ewig weil für die Ewigkeit.' Wie mancher in den Himmel hineinwachsender Baum wird aufgehen auS den Samenkörnlein, die Du hier während Deiner Säezeit auSgestreut hast! Ob der Zinne der Synagoge zu Endingen hörte ich, während ich an diesem Gedanken hing, das Glöcklein sechs Uhr schlagen, was mich so wie die Abdämmerung zur Heimkehr mahnte. Dieses Glöcklein, das einzige in dem Thälchen, worin Ober-Endingen liegt, auch eS erinnert mich an unfern Freund. Denn seine Bestrebung, unserer Synagoge diese schöne, das ganze Thälchen erfteuende Zierde zu verschaffen, hat ihm manch harten Kampf gekostet. — Sogar der harmlose Glockenklang kann gewissen Ohren Aergerniß geben, und die Unbeugsamkeit der Stabilität legte auch hier ihr Gewicht in die Schale des Protestes; ja selbst als die Synagogenuhr dem israelitischen Gläubigen die Stunde zum Gebete verkündete, war fie bestrebt das „geschichtliche" Schulenrufen beizubehalten. Als jene zum ersten Male von der Synagoge herab ihren Schall vernehmen ließ, da wandelte ihr Verfechter schon unter den Seligen. Und seither hat der Tod den guten, in seinem AmtSeifer weder Wind noch Wetter scheuenden Schulenrufer, diese lebendige Reminiszenz der alten Synagogenordnung abgerufen. Bei meiner Heimkehr füllte ich ein Geisteswehen meines verewigten Freundes und in demselben lag folgender Gedanke: Wol weiß ich welch eine Arbeit Dir nun geworden ist, seitdem Du an mir den Kampfgenossen verloren Haft, der dir redlich zur Seite stand, wo eS galt für Licht und Wahrheit gegen Finsterniß und Jrrthum einzustehen! Darum fasse Muth! Du hast der Treuen noch viel. Harre nur und setze unser begonnenes Werk unverdrossen fort! Lohn und Ruhe kannst du nur da erwarten, wo ich fie jetzt gefunden habe. Wenn auf dem kleinen Erdenrunde so vieles Nichtsnutzige angestaunt und vergöttert, so vieler Zrrthum geliebt und geschätzt, daS Gute verachtet und die Wahrheit mißkannt und verfolgt wird, so könnte auch der Beste in Versuchung geführttwerden nach glänzendem Tande zu streben. Drum stehe fest! Einst wird eine Zeit kommen, wo die Nebel der Vorurtheile mit allen Lügen- und Truggcstalten schwinden und die Wahrheit in himmlisch reinem Glanze als ewig leuchtender Strahl Gottes erscheinen wird. — Mit diesem Gedanken kehrte ich heim in meine Wohnung. Schon stand ich in dem Kreise der Meinigen, als ich erst durch den Willkomm meiner Gattin und den Daterruf meiner Kleinen aus meinem Traume aufgeweckt wurde. Drf. Anzeigen. Die hiesige Gemeinde wünscht spätestens vom 1. Juni c. einen Prediger zu engagiren, der zugleich auch den Religionsunterricht ertheilen soll. Das stritte Gehalt ist zwar nur auf Thlr. 200 jährlich festgesetzt, es dürfte jedoch die Einnahme inkl. Akzidenzien und den Revenuen der Religionsschule auf Thlr. 400 zu veranschlagen und durch anderweite pädagogische Thätigkeit bei Weitem höher zu bringen sein. Hierauf refiektirende, wissenschaftlich gebildete Männer wollen fich unter Einsendung ihrer QualifikattonSzeugniffe in ftankitten Briefen bis spätestens den 1. Mai e. an den Unterzeichneten Vorstand wenden. Reisekosten werden nicht erstattet. Marienwerder, den 1. April 1853. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. H. Jaeoby.

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