Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 18 (25.4.1853)
- Date
- 1853-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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xvn. Jahrgang. Allgemeine No. 18. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Drgan für alles jüdische Interesse. Redakrion: ör. Ludwig Philippson, Dr. V. Meyer, Rabbiner za Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 25. April 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 7 8 Bogen in Quart inkl. des Titels. Registers n. s. w. umfassen, s« Gemäßheit des Zweckes derselbe» die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Zahrgang: — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g®r.) für sechs Monate—22'/r Ngr. (18 g©r.) für das Vierteljahr angefetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Erpetitionen nehmen Bestellungen an; ter Hauptspeditioa für beide Letztere hat fich die königl. sächs Zeitungs-Erredition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Wohin? Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus dem Herzogthum Meiningen. Kassel. Preußen: Lautenburg, Berlin. BreSlau, Krefeld, aus der Provinz Posen. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, Wien, S. a. Ujhely. Großbritanien: London. Frankreich: Straßburg. Australien: Sydney. Biblisches Kuriosum. Korrespoudenzeu: Stuttgart (Schluß). — Endingen in der Schweiz. Leitender Artikel. Magdeburg, 17. April. Wohin? DaS nahende Peßachfest bringt eigenthümliche Gedanken in uns auf. Cs ist noch immer dieselbe Menchengeschichte, die fortgesponnen wird, es find dieselben Voruriheile und Leidenschaften, mit denen wir zu kämpfen, und denen wir die Forderungen des Rechts und der Wahrheit gegenübeizustcllen haben. Aber die Kraft jener ist ungeheuer, und wir — haben ihr Uebergewicht zu tragen. Die Menschheit hat viel errungen, sehen wir aber genauer zu, so ist es doch nur unendlich wenig, was sie errungen hat, und sie buchstabirt noch immer am Alphabet der Gerechtigkeit und Liebe herum. Feire nur, feire nur, Juda, Dein uralt Fest, wie Du es bereits über 3400 mal gefeiert — sprich nur seufzend Dein ■p'rin NX2N rs5©b, thu' es heute, wie Du eS so oft schon gethan, und öffne ja die Thüre, durch die Elija hanabi hereinkommen soll: denn, fürwahr! er ist noch nicht gekommen. Du kannst eS sicher glauben. Wir Hallen unS fest übcizeugt, daß die Menschheit auf ihrem Wege zum Bessern nicht stille steht — nur daß sie nicht einen geraden, ebenen Pfad geht, und oft weit, weit zurückweicht, bevor sie, gerade durch diesen Umweg gestärkt und erfrischt, wieder vorwärtstreibt. Aber wir Gegenwärtige find doch schlimm daran. Vor wenigen Jahren fühlten wir uns noch weit, weit ab vom Ziele — der Gedanke an Gleichstellung war für uns deutsche Juden ein kühner, dem unser Herz zuschlug, aber bange, zagend. Doch der Gedanke begeisterte uns, und eine geheime Hoffnung sagte uns: Ausdauer führt zum Siege.... Da ergriff uns rin Sturm, und schleuderte unS diesem Siege zu, ohne Ausdauer, ohne Bangen und Zagen, sondern während schreckhaften Ungewilters. Wie? geschah es auf unser Verlangen? Nein — wir hatten den Mund noch nicht aufgethan, und Niemand stand an, es unS nicht in die Hände zu werfen, die wir eilen mußten aufzurhun, um das Geschenk nur auffangen zu können. Und jetzt? nicht allein, daß wir das Gegebene, von selbst Ertheilre nicht mehr haben — mehr noch, wir haben auch die Hoffnung verloren, das ist ein viel größerer Verlust, jenen freudigen, kühnen Muth, der gern entbehrt, weil er in der Ausficht zukünftigen Genusses schwelgt ... trauriges Peßachfest ... öffnet die Thüre für Elija hanabi— Doch nein! dann brauchten wir kein Peßach zu feiern, I kein Halle! anzustimmen — Peßach ist ja gerade das ewige