Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 70 (12.6.1838)
- Date
- 1838-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ii. 3-h-g-ug. ÄllMMkML N». IO. Zeitung des Zudcnthums. Ein unpartheiischcS Organ für alles jüdische Interesse (Mit König!. Sächsischer allergnä'digfter Concefsion.) Leipzig, den 12. Juni 1838. Zeitungsnachrichten. Frankfurt a. M., 21. Mai. Dem Herrn vr. Ri esse r, dem Kampfer für'Wahrheit und Recht, wurden von seinen ihm dankbaren Glaubensgenossen in Fürth mehre Festlichkeiten bereitet, wobei man ihm zwei werthvolle Armleuchter zum Andenken überreichte. (Didaskalia). Bromberg, 25. Mai. Die Pr. St. 3g. berichtet, daß nach den statistischen Tabellen bis zu dem Ende des Jahres 1837 im hiesigen Regierungsbezirke unter 379,013 Personen, 140,761 evangelischer, 216,068 katholischer Confesst'on und 22,179 Juden sich befinden, so daß seit 20 Jahren das Verhaltniß der evangelischen zur katholischen Bevölkerung, wenn gleich unerheblich, zu Gunsten der ersteren gestiegen, das Verhaltniß der Juden zur ganzen Bevölkerung sich jedoch seitdem ziemlich gleich geblieben. — Nach unsrer Tabelle in No. 85. vor. I. ist demnächst in den letzten drei Jahren die Zahl der Juden um 414 gestiegen, was ein gleiches Verhaltniß mit den übrigen Religionspartheien abgibt. Bamberg, 8. Mai. (Privatmitth.). Wie sehr das Gefühl für Rechtlichkeit und Solidität bei den Israeliten in in Baiern immer reger und herrschender wird, beweisen die neuen Einrichtungen und Verfassungen, welche die Israeliten zu Bamberg und Würzburg aus freiem Antriebe für ihre Kultusgemeinden ins Leben riefen. In den deshalb entworfenen und von sämmrlichen Gemeindegliedern genehmigten Statuten heißt es unter Anderm: „Von der Wahrfähigkeit (zu Deputirten und Ausschuß- Mitgliedern) sind diejenigen ausgeschlossen, welche a) wegen eines Vergehens oder Verbrechens in Spezial¬ oder Hauptuntersuchung gekommen und nicht von aller Strafe freigesprochen worden sind, 1») welche in Konkurs gerathen sind, oder solche, welche sich gerichtlich insolvent erklärt und ihre Gläubiger nicht später vollkommen befriedigt haben. Liefern solche Aeußerungen des Rechtsgefühles nicht die schönste Bürgschaft für die Fortschritte der sittlichen Kultur in Baiern? München, 30. Mai. (Privatmitth.). Einen höchst erfreulichen Beweis, wie sehr die jüdische Jugend, welchem Fache und welchem' Stande sie auch angehöre, zur Veredlung ihrer Glaubensgenossen, zur Erweckung ihres durch viele Jahrhunderte darniedergedrückten Sinnes deizutragen sich beeifere, liefert das Unternehmen eines jungen jüdischen Zöglings der hiesigen königlichen Akademie der Künste, Namens Tick aus Hürden. Derselbe nimmt eine Subscription auf zur Herausgabe lithographirter Eopken sammtlicher alttestamentalischer Cartone der größten Meister, als Raphael rc. Wer das hiesige Kupferstichkabinet kennt, weiß, welch reiche Sammlung origineller meisterhafter Composüionen vorliegen, und muß es nur bedauern, daß der Jude dieselben so wenig kennt, um einzusehen, daß auch seine Geschichte der keiner andern Religion an Jdeenreichthum für die göttliche Kunst nachstehe, daß, wenn er auch der Kunst nicht bedarf, um das Göttliche seiner Religion zu heben, die Kunst doch Stoff genug in seinen heiligen Büchern vorsinde, um ihres Berufes würdige Leistungen an's Licht zu fördern. Darum ist obengenanntes Unternehmen höchst unterstützenswerth, weil die Kunst es sein wird, die in allen Klassen und Standen unsres Volkes den Sinn für das Edle und Schöne wecken, und dadurch zugleich den Sinn für die Kunst selbst immer mehr heben und bei uns unterstützen wird. —. Der Proceß des Herrn Rabbinen vr. Levi in Fürth geht, wie es scheint, nun seinem Ende entgegen. In jüngster Zeit war der kön. Regiecungscath Förster aus Ansbach wieder in Fürth, allwo das Verhör einer Menge aus der ganzen Umgegend zusammenberuftner Zeugen statt fand; wahrscheinlich werden die Akten'nun geschlossen, und dem kön. Ministerium zur Entscheidung vorgelegt. Mainz, 26. Mai. Der L. A. Z. wird Folgendes berichtet: Ich habe Ihnen schon bemerkt, daß die hiesige Armencommission in ihrem letzten Rechenschaftsberichte Klage über die Abnahme der freiwilligen Subscriptionen zur Unterstützung der Armen führt, wahrend die Zahl der Armen im Zunehmen ist. Nun herrscht aber bei diesen freiwilligen Subscriptionen das eigenthümliche Verhaltniß, daß man vor den Wohnungen der hiesigen Israeliten, deren Zahl und theilweise auch deren Reichthum bedeutend ist, vocübergeht, ohne sie um Subscriptionen anzuspcechen, zu welchen sie bereit sein würden, um so mehr, da bei UNS die Israeliten vollständig das Bürgerrecht genießen. Da tritt nun ein „hiesiger israelitischer Bürger" (so ist derselbe unterzeichnet) auf und fragt, warum man nicht im Interesse der Armen diesen Mißstand abschaffe, der so wenig zeitgemäß sei. Er sagt unter Anderm: „Es ist Zeit, die Frage ernstlich anzuregen, warum man die Listen zur Unterzeichnung freiwilliger Beiträge nicht auch zu den hier wohnenden, zum Thett sehr bemittelten isrqelitischen Bürgern bringt, ja warum sogar bei den Wenigen, die sich freiwillig zu Beiträgen fstr die Armen meldeten, dieselben nicht einmal erhoben werden?