Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 15 (4.4.1853)
- Date
- 1853-04-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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xm Jahrgang. Allgemeine No. LS. Zeitung -es Zu-euthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philipps»«, Dr. V. Meyer, Rabbiner zu Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 4. April 1853. Diese Ieitrmg erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 7 8 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w umfassen. Za Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g<Sr.) für sechs Monate—22>/r Ngr. (18 g@r.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeituags-Erpetitioaen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat fich die königl. sachs. Zeitungs-Erpedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Die Naturwissenschaften, in ihrem Vcrhältniß zur Religion und zum Religionsunterrichte. I. ZeitungsnachrichtenrPreußen: Berlin. Deutschland: Schwerin, Bremen, Mainz, Meiningen. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Wien. Die Schweiz: Endingen. Großbritanien: London. Donaufürstenthümer: von der Moldau. Literarische Nachrichten: Magdeburg, Magdeburg. Leitender Artikel. Magdeburg, 27. März. Die Naturwissenschaften, in ihren» Verhältnis zur Religion und zum ReligionHunterrichte. I. Es weiß ein Jeder, von welcher außerordentlichen Bedeutung die Naturwissenschaft für Lehre und Leben geworden ist. DaS verflossene halbe Jahrhundert hat fie aus dem verschmäheten Winkel, in welchem fie — meist nur als Dienerin der Heilkunde — schmachtete, hervorgehoben und ihr einen Thron aufgeschlagen. Und nicht blos als Wissenschaft, sondern überall, selbst in die gewöhnlichsten Gewerbe ist sie eingetreten, und hat den alten Schlendrian verdrängt, und hat neue Mittel angegeben, leichter, wohlfeiler und zweckmäßiger die Technik zu handhaben, und überall sucht sie ihr Licht leuchten zu lassen, die Begriffe aufzuklären, richtigere Vorstellungen zu verbreiten. Man hat die Naturwissenschaft angefangen populär zu machen, man hat wieder und wieder populäre Berichte über alte und neue Entdeckungen und Auffindungen aus dem Bereiche der Natur gegeben, man stellt die „Wunder der Natur" in interessantester Weise dar, und betheiligt hieran nicht nur die s. g. gebildete Welt, sondern schon die Welt des ungebildetcrn Mittelstandes. Allerdings ist hierin unsere Zeit zu einer Höhe gelangt, welche der ärgste Pessimist anerkennen muß. ES ist aber hiermit eine Macht geschaffen, die, gerade wegen ihres materiellen Nutzens und wegen ihrer materiellen Unentbehrlichkeit, eine ungeheure Selbstständigkeit, Unabhängigkeit und Widerstandskraft hat. Die außerordentliche, täglich wachsende Entwickelung der Narurwissenschaft in historischer und physiologischer Hinsicht, ihre Geltung und Unentbehrlichkeit in technischer Beziehung, und dadurch die populäre Gestalt, die fie anzunehmcn verstanden — waren noch nie dagewesen, und sind eben so viele Garantieen, daß fie nicht wieder zu verdrängen, nicht wieder zu beseitigen, ja daß fie nicht einmal wieder in den Hintergrund zu schieben ist. Gerade weil aber die Naturwissenschaft in dieser Mächtigkeit ein Neues ist, begegnet auch bei ihr, was bei den Menschen Betreffs alles Neuen oder Neuscheinenden oder von Neuem Erscheinenden schon Etwas Altes ist — die Menschen lassen sich blenden und verblenden. Der eine Theil will Nichts mehr gelten lassen — als die Naturwissenschaft; — Geschichte, Sprachsünde, Philosophie u. s. f.