Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 14 (28.3.1853)
- Date
- 1853-03-28
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
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166 Unfähigkeit der deutschen Radikalen zu einer richtigen Würdigung sowol der Gegenwart als der Geschichte. Die Juden haben mit jenen Nationen auch nicht im Entfernteste« EtwaS gemein — weil die Juden als Solche nach keiner politischen Existenz streben. Gerade daS Gegentheil. Wer will so rhöricht sein, den Juden das Streben nach Gleichstellung seit einem halben Jahrhundert abzusprechen? Nun, daS Streben, an den Staaten einen vollen bürgerlichen Antheil zu haben, so vielen, als daS jedesmalige Gesetz im Staate jedem Bürger zutheilt — ist daS gerade Gegentheil von einer staatlichen Existenz als Juden! Erst müsset Ihr erweisen, daß die Juden nach einem jüdischen Staate streben — dann könnet Ihr sie mit Polen rc. zusammenstellen. Aber nicht bloS als Nation, auch als Race gefaßt, ist Alles, was Ihr davon saget, verunglückt. Könnet und werdet Ihr eS nie begreifen, daß bei den Juden die Race nur die Unterlage einer Idee, der religiösen Idee, der Erhaltung und Verwirklichung dieser Idee ist? Nehmet ihnen diese Idee, und die Race ist verschwunden. Lasset die Juden Atheisten, Pantheisten werden, oder lasset sie sich einem andern Bekenntniß, einer andern Kirche zuwenden, und die Race existirt nicht mehr. Nch met hingegen den Polen rc. die Race, und es bleibt nichts mehr von ihnen übrig! Die Race ist bei den Ju den nichts alS ein geschichtliches Vehikel — bei jenen Völkern ist sie Alles, ihr ganzes Wesen. Kann ein Deut scher ein Pole werden? Nein! aber Jude kann er werden. Ja, könntet Ihr Euch einmal entschließen, unsre Ge schichte vorurtheilslos durchzulesen und verstehen zu lernen — Ihr würdet ein sehen, daß der jüdische Stamm zur festen Konservirung der religiösen Idee in ihrer Ursprüng lichkeit und Totalität bestimmt, und daß darum diese re ligiöse Idee einem Stamme übergeben worden, um sie dadurch unberührt erhalten zu können. Dies ist daS Rath fei der jüdischen Race, und darum hat sich diese Race erhalten trotz deS Untergangs aller Racen — (denn Niemand wird behaupten, daß die jetzigen Griechen die alte hellenische Race, die jetzigen Römer die alte römische Race find —) und darum wird, wie Ihr sie jetzt lächerlicher Weise mit Italienern und Polen vergleicht, diese jüdische Race noch nach vielen Jahrhunderten mit anderen, dann untergehenden Racen verglichen werden! Aber Ihr sehet nicht: die Dauer der integren religiösen Idee verbürgt die Dauer der jüdischen Race, aber die Race ist darum bei den Juden nichts als ein materielles Akzefforium, das an sich Nichts bedeutet. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Schwerin, 13. März. (Hamb. Nachr.) Dem Beispiele der schweriner Judengemeinde ist nun auch die zu Kröpelin gefolgt und hat gegen die Aenderung der Synagogenordnung und die Zurücksetzung auf den Standpunkt deS talmudischen Judenthums bei dem Kultusminister repräsentirt. ES wird in dieser Vorstellung ein Vergleich des reformirten Judenthums mit dem Protestantismus gemacht und gezeigt, daß man die Anhänger des Erstem ebenso wenig auf daS von dem Minister sogenannte „geschichtliche Judenthum" zurückschrauben dürfe, als eS zulässig sei, die Protestanten wieder in Katholiken zu verwandeln. Die beabsichtigte Zurückversetzung auf einen überwundenen. überdies mit dem chriftlichm Staate wenig verträglichen, vielmehr ein selbstständiges jüdisches Reich zum Gegenstand seiner Hoffnung machenden Standpunkt, sei in dem vorliegenden Falle um so weniger ausführbar, als etwa 99 Prozent der Juden unsers Landes vom Talmudismus abgefallen und nur etwa 1 Prozent der alten Orthodoxie treu geblieben wären. Meiningen, 12. März. Die vorgestrigen Verhandlungen unsers Landtags boten ein sehr bewegtes Bild dar. ES betrafen dieselben nämlich die Judenfrage, hinsichtlich deren die Regierung nur die Gleichstellung in den bürgerlichen Rechten proponirte, während der VerfaffungSauSschuß des Landtags auch die staatsbürgerlichen Rechte, resp. die Zulassung zu den öffmtlichen Aemtern forderte. Die namhaftesten Abgeordneten traten für den Ausschußantrag auf, indem sie die vollständige Emanzipation als eine Forderung allgemeiner und christlicher Gerechtigkeit darsteüten, und von dem Landtage verlangten, daß er sich in dieser Frage über daS Vorurtheil der Menge erhebe, und einen Standpunkt eiunehme, von dem aus er die öffentliche Meinung berichtige und Vorurtheile beseitige. Auch ward die Regierung darüber getadelt, daß