Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 17 (1853)
- Issue
- Heft 11 (7.3.1853)
- Date
- 1853-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11. xm Jahrgang. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redaktion: Dr. Ludwig Philippson, Dr. B. Meyer, Rabbiner z» Magdeburg. verantwortlicher Redakteur. Leipzig, den 7. März 1853. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 7S Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfasse«. Za Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 g<Ar.) für sechs Monate—22>/r Ngr. (IS gGr.) für das Vierteljihr »»gesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungs-Erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat fich die königl. fachs. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel; Die gegenwärtige Stellung der Juden. III. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Schwerin, Hamburg. Preußen: Berlin, au» der Provinz Posen, aus der Provinz Posen, aus der Provinz Posen. OesterreichischerKaiserstaat: aus Mähren. Großbritanien: London, London. Belgien: Brüssel. Belletristisches: Esra. Eine Novelle. Leitender Artikel. Magdeburg, 28. Februar. Die gegenwärtige Stellung der Inden. III. 3n der Natur finden wir den Prozeß der Rückbildung in dm Organismen häufig. Wie in den Gebilden der Natur überall nach Symmetrie gestrebt wird, wie die rechte und linke, die vordere und hintere Seite einander korrespondiren: so auch die erfieren und letzteren Stadien der Organismen, der Aufgang und Hinabgang, mit einem Worte: es treten im spätero Alter oft Gebilde und Zustände ein, die denen in der Kindheit und Jugend sehr ähnlich find. Die Geschichte lehrt unS, daß dies nicht minder in den welthistorischm Organismen der Menschheit der Fall ist. Diejenigen, welche das Fortschreiten d«S Menschengeschlechts behaupten, und mit Recht — müssen doch zugeben, daß dieS kein so konsequentes, regelmäßiges, in einer schnurgeraden Linie fortschreitendes ist, daß nicht sehr oft in ganzen Gliedern dieser Menschheit eine Rückbildung stattfinde. Nach einer gewissen Akme stellen fich Erscheinungen ein, die denen ftüherer Zeit sehr gleichen. Wir müssen gestehen, solche Gedanken überkommen unS, wenn wir die gegenwättige Stellung der Juden bedenken. Nicht daß wir befürchteten, jemals würde die Zeit mittelalterlicher Zusammenschnürung, mittelalterlicher Beschränkung, mittelalterlicher Verfolgung wiederkommen. Aber die Akme, welche das Humanitätsprinzip in Europa erreichte, ist vorüber, und eine Phase ist eingetteten, in welcher die „Ausschließung von allgemeinen Rechten" die Juden wieder — nicht blos zu einer besondern Religionsgemeinde, sondern auch zu einem besondern Stande stempelt.. .. Es wäre lächerlich, die Juden in Europa ihrer Stellung nach als Paria's, Heloten, oder mit dergleichen aufregenden Epithetis bezeichnen zu wollen. DaS find wir Gott sei Dank! nicht. Aber da wir unter den Bewohnern Europa's in vielen Staaten von vielen öffentlichen Aemtern und Chargen ausgeschloffen find, da, während alle öffentlichen Branchen für Alle, ohne Bedingung eine- Ranges und Standes, offen stehen, nur nicht für unS: so können wir uns nicht anders als in einer Ausnahmestellung betrachten. Auch das wäre nicht richtig, wenn wir dies lediglich den Regierungen zuschrieben. Blicken wir auf England. Die wirklich anwidernde Weise, in welcher dort Lord