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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1853-02-07 · Heft 7 (7.2.1853) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
17 (1853)
Issue
Heft 7 (7.2.1853)
Date
1853-02-07
Page
Seite 87 (sequence 11)
Language
German
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87 nen von dort aus abzusendenden Boten hierher anmelden lassen sollte. Da mußte er des Morgens um 9 Uhr eintreffen und so lange verweilen, bis er abgeholt würde. Allein der Vormittag ging vorüber, und die kalte Wintersonne stand schon im Meridian, als noch immer keine Nachricht von ihm eingelaufen war. Schon sah man Bestürzung auf Aller Gesichtern, da verbreitete plötzlich die Fama: vr. Fränkel ist da! und wie mit einem Zauberschlage stand im Nu vor der Hausthüre des israelitischen Vorstehers eine große Anzahl von Fahrzeugen, worin die Notabeln und andere Privatpersonen dem gefeierten Gaste entgegensiogen. Der Empfang dort war herzlich. Erst um 6 Uhr Abends kam der stattliche Zug in hiesige Stadt. Um den ersten Wagen, worin der Rabbiner seinen Sitz hatte, drängte sich schon vor dem Stadtthore die Volksmenge, die unter fortwährend lautem Vivatrufen daS prächtige Viergespann begleitete. An den Fenstern der Häuser auf denjenigen Straßen, welche der Zug pasfiren mußte, waren zahllose Lichter ausgestellt, weil die Dunkelheit der Nacht das Sehen verhinderte. Diese Art von Illumination gab einen herrlichen Anblick. Es wurde an dem Hause stillgehalten und ausgestiegen, welches die hiesige israelitische Gemeinde für ihren künftigen Geistlichen in dessen Abwesenheit gemiethet und aufs Schönste ausmöblirt hatte. Der Rabbiner ward nun nebst Gattin und Kindern, gefolgt von denen, die sie abgeholt hatten, in die neue Wohnung eingeführt, die angefüllt war von Männern und Frauen, Jünglingen und Jungfrauen, um der Familie den Willkommsgruß darzubringen. Das Zimmer, worin diese bei ihrer Ankunft verweilen sollte, war zierlich mit Laubgewinden bekränzt. Nachdem die Gemeinde sich dem Rabbiner und dessen Frau vorgestellt hatte, und einige flüchtige Worte gewechselt worden waren, wurde das Abendgebet verrichtet und dann der Kollation fleißig Bescheid gethan. Wenige Zeit darauf wurde der Rabbiner nebst Angehörigen in einem Wagen nach der Wohnung des israelitischen Vorstehers, Herrn S. A. Jakobs, der sich im erwähnten Kampfe durch Schrift und That gleich rühmlich und anerkennenswerth als Mensch und Israelit ausgezeichnet hat, hingeführt, wo vier weißgekleidete junge Mädchen im hellbeleuchteten und mit Ehrenbogen geschmückten Korridore ihn empsingen und unter Blumenstreuen mit einem herzlichen Liede begrüßten. Hier wurde das Abendmahl eingenommen, womit die Feier diese- Tages schloß. Am folgenden Tage begann um 5 Uhr Abends der Gottesdienst zur Einweihung deö neuen Seelsorgers. Alle die dem Gottesdienste anwohnen wollten, mußten gegen ein Eintrittsgeld eine Karte lösen, wofern sie nicht schon einen Platz in der Synagoge für das ganze Jahr gemiethet hatten. Die Synagogenthür wurde */« vor 5 Uhr geöffnet, und schnell war das Gotteshaus mit Menschen angefüllt. Ein Meer von brennenden Wachslichtern beleuchtete feenhaft das Heiligthum und in lautloser Stille harrte man des Eintrittes des Rabbiners. Ein Vivatruf von außen verkündete bald den Anwesenden das Herannahen des geistlichen Oberhauptes. Es erschien, langsam und freundlich grüßend, begleitet von einem Amtsbruder und vielen anderen Personen, sich an seinen Platz begebend. Bei seinem Eintritte in die Synagoge ließ ein trefflicher Männerchor ein erhebendes Begrüßungslied in hebräischer Sprache durch die geweihten Räume des Heiligthums ertönen. Als dieses beendigt war, bestieg der zu diesem Behufe von Nymwegen hierher berufene Rabbiner, Herr Lehmann, die Kanzel und hielt eine Ansprache, die alle Zuhörer befriedigte. Nachdem derselbe abgetreten, nahm Dr. Fränkel den Predigtstuhl ein und trug seine Amtsantrittsrede vor. Der Text dazu war Micha, Kap. 6, Vers 8. An diese Stelle anlehnend, setzte der Redner speziell die Pflichten auseinander, die der Seelsorger seinen Gemeinden und diese wieder jenem gegenüber zu erfüllen hätten. Es liegt nicht in unsrer Absicht, auch wenn wir uns dazu fähig fühlten, all das Wahre und Schöne, Erhabene und Vortreffliche hier anzugeben, welches diese Antrittspredigt enthielt. Am Ende des Gottesdienstes ließ nochmals der Sängerchor seine vollen Töne erschallen. An diesem Abend wurde öffentliche Tafel gehalten, woran eine zahlreiche Menge sich betheiligte und wobei Alle sich dem ftohen Genüsse ihres Herzens Hingaben. Die Gemeinden dieses Rabbinatssprengels hatten Recht, eine solche allgemeine und unumwundene Theilnahme an den Tag zu legen, da sie in der Wahl ihres gegenwärtigen Geistlichen sicherlich sehr glücklich waren. Gott gebe seinen Segen! N. Anspacher. Anzeigen. In das Pensionat des Pr. u. R.-LehrerS Lehr imum, Unterwafferstraße No. 9a zu Berlin, können noch einige israel. Knaben ausgenommen werden. Nähere Auskunft ertheilen die Herren vr. Schweitzer, Direkt, der Handlungsschule, vr. Posner, Bankier Feig und W. Wolfenstein daselbst.

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