Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 114 (23.12.1837)
- Date
- 1837-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i.3*g««. Slffge meine No. 114. Zeitung des Ju-cnthums. Ei« unparteiisches Organ skr alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergoädigster Concession.) Leipzig, den 23. December 1837. chVlitik. Zeitungsnachrichten. Tübingen, 27. Nov. (Privatmitth.) Die juristische Facultät hat den diesjährigen Preis, nachdem die von ihr gestellte Frage mehrere Zahre wegen nicht genügender Arbeiten wiederholt worden, einem jungen Israeliten, Salomon Pflaum aus Pflaumloch im Würtembergischm, ertheill, und zwar, da die Frage gelautet: »In welchm Hauptmaterien weicht die peinliche Gerichts- Ordnung Karls V. von der Bamberger Halsgerichts-Ordnung ab? Worauf beruhen die Gründe dieser Abweichung, und welche Resultate gewährt die Untersuchung für die Auslegung der peinlichen Gerichts-Ordnung Karls V.?« wurde ihm der Preis mit folgendem ehrenden Uriheile der Facultät zucrkannt: »Abgesehen von einigen minder bedeutenden Mangeln, zeichnet sich diese Abhandlung nach dem Urtheile der Facultät durch gründliches Quellenstudium und überhaupt durch tüchtige Kennmisse im Strafrechte und Strafproceffe, durch ein gutes Urtheil sowohl in der Darlegung der historischen und legislativen Gründe u. s. w., so wie durch eine lobenswerthe systematische Anordnung und durch eine gute Schreibart aus« u. s. w. Möge diese öffentliche Anerkennung dem jungen Manne zur höchstm Aufinunterung gereichen. *) *) Der Correfpondent ersucht uns, über die Erziehung des re. Pflaum Folgendes hinzuzufügen, weil sich so manche Betrachtung daran knüpfen lasse: »S. Pflaum wurde von seinem sei. Vater, der allen seinen Bindern eine ächt religiöse und zeitgemäße Erziehung gab, da in unserm gesegneten Daterlande (Würtemberg) dem Israeliten der Eintritt in jeden Iweig des Staatsdienstes offen steht, zum Studium der Rechtswissenschaft bestimmt, besuchte aber dis zum 15. Zahre die israelitische Schule, die unter dem Lehrer S. Löwenstein sehr Rühmliches leistet, wo er nicht nur in allen Elementargegenständen und Realien, sondern auch im Ebräischen sich tüchtige Kenntnisse erwarb, so daß er sogar mit Mischna und' Talmud recht genau bekannt wurde. Selbst bei dem Besuche der lateinischen Schule setzte er, nach seines Vaters Willen, das ebräische Studium fort, und vermöge dieser kräftigen Vorübung zu Sprachstudien, legte er seine Gymnasialcarriere, obgleich er erst mit fünfzehn Jahren sie begann, schnell zurück. Er bezog sodann die Münchener Universität, von wo er die ausgezeichnetsten Zeugnisse mitbrachte, und sodann die Universität zu Tübingen. Sein Beispiel vermag also die israelitischen Eltern sehr wohl zu belehren, daß ihre Kinder, wenn sie auch dem Studium gewidmet werden, durch die frühere Erlernung des Ebraischen nur an Geisteskraft, an Scharfsinn und Ernst vorbereitet und entwickelt «er- München, 5. Dec. (Privatmitth.) Im königl. Landtagsabschiede haben leider! die 72,000 fl., welche beide Kammern für die Schulen und Universitäten votirt hatten, die allerhöchste Zustimmung nicht erhalten. Wie bekannt (s. No. 99. und 10b. dies. Zeit.) hatten die Stände einstimmig auch einm Zuschuß zur Besoldung der israelitischen Lehrer bewilligt, der nun hiermit auch wegfallt. — Freitag den 24. Nov. wurde vom hiesigen Hoftheater zum erstm Male eine der Opern des israelit. Componisten Halevy, und zwar »der Blitz,« aufgeführt. Sie ward mit großem Beifalle ausgenommen. Nun wird auch desselben Tonmeisters »Jüdin« einstudirt. — In verflossener Woche veröffentlichte der hiesige Holzverein für israelitische Arme seinen Jahresbericht für 18ZH» Die Einnahme desselben seit seinem Entstehen im Jahre 1830 belief sich auf 3096 fl., die Ausgaben auf 1584 fl., also reiner Kassenbestand: 1512 fl. Besonders im verflossenen - Winter war die Holzvcrrheilung wegen der Cholera sehr stark, so daß 41 Klaftern Holz vertheilt wurden, während in den vorhergehenden 6 Jahren zusammengenommen nur 139 Klaftern vettheilt worden waren. Vorzugsweise verdimt sowohl um die Leitung des ganzen Institutes, als auch «m die Holzvertheilung selbst, macht sich der Vorstand, Herr L. S. Lilienthal. — Die Gutachten, welche in dem Processe des Rabbinen Herrn vr Levi zu Fürth (s. No. 105. dies. Zeit.) von zwölf baierschen Rabbinm eingefordert wurden, sind eingegaugen. Der Commissarius, Regierungsrarh Förster, zollte dm meistm Beifall der Arbeit des Hecm Neuburger, Rabbinm in Aschaffmburg, wegm ihrer Klarheit und Freist nnigkeit. In letzterer Hinsicht rangirm sie sich folgendermaßm: Neuburger, Seligsberger, Gutmann, Cohn, vr. Aub, Selz, Schwarz, Aub, Guggenheimer, Offenbacher, Nekcsulmer, Bing. Übrigens warm fast alle Arbeiten vorzüglich gut gearbeitet, und Lrößtmtheils auch sehr liberal. Auf dieses Ergebniß möchten wir doch die Auftncrksamkeit des jüdischen und christlichen Publikums lmken. — In Baserdorf, einem Städtchen im Rezatkreise, wurde ein Lese v-e rein gegründet, der die meisten Werke und Zeiffchriftm, die das Judmthum interessirm, ankaust> den, ja baß die frühere Erlernung des Ebräischen selbst den bestm Prüfstein abgiebr, ob ein Kind zu ernsteren Studien befähigt sei, — abgesehen von allem religiösen Einflüsse.« —