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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-06-07 · Heft 68 (7.6.1838) · p. Seite 276

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 68 (7.6.1838)
Date
1838-06-07
Page
Seite 276 (sequence 4)
Language
German
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276 die Reihe trifft. Leuten, die außerhalb dem Hause sind, kommt die Stille derer, die sich in demselben befinden, wie ein furchtbares Geheimniß vor. Ursache davon ist die beständige Mäßigkeit, und das Maß der Nahrungsmittel und Getränke bei ihnen — Sättigung. Alles, was sie thun, bestimmt der Befehl ihrer Dorsteherz Hilfsleistung indeß und Mitleidserweisung stehet ganz in ihrer Macht. Würdigen Personen, die um Hilfe ansuchen, zu helfen, Nahrung dem Dürftigen zu reichen, dürfen sie für sich thun; aber ihren Anverwandten Geschenke zu geben, ist ihnen nicht ertaubt, ohne Wissen ihrer Vorsteher. Gerechtigkeit ordnet ihren Zorn; ihren Jähzorn wissen sie zu zügeln; ihr gegebenes Wort ist ihnen heilig; auf Friedfertigkeit ist ihr ganzes Streben gerichtet. Jedes Wort aus ihrem Munde ist fester als ein Eid; unnöthiges Schwören vermeiden sie und halten es für etwas Schlimmeres als einen Meineid. Der wäre, sagen sie, bereits verurtheilt, dem man nicht, ohne eine Betheuerung bei Gott, glaube. Einen bewunderungswürdigen Fleiß widmen sie dem Lesen der Schriften der Alten, aus denen sie vorzüglich das auslesen, was dem Geiste und Körper ersprießlich ist. Sie spähen daher, um Krankheiten zu heilen, sowol Wurzeln nach, die heilende Kräfte haben-, als der eigenthümlichen Beschaffenheit der Steine *). Nicht Jedem ferner, der für ihre Secte Zuneigung zeigt, stehet sogleich der Eintritt in dieselbe frei; sondern sie lassen ihn ein Jahr lang außen verbleiben, schreiben ihm dieselbe Lebensart vor, und geben ihm eine kleine Axt, das vorhin angeführte leinene Schurztuch und ein weißes Kleid. Wenn er nun, in dieser Zeit, Proben seiner Enthaltsamkeit gegeben hat, so verstatten sie ihm auch einen Zutritt in ihr Institut, und er wird nebst den übrigen mit sehr klarem Wasser geweihet, doch noch nicht zu ihren gemeinschaftlichen Mahlzeiten zugelassen. Nach den Proben, die er von seiner Enhaltsamkeit gegeben hat, wird sein Charakter, noch zwei Jahre lang, geprüft; zeigt er sich dann würdig, so wird er in ihre Gesellschaft ausgenommen. Ehe er indessen an ihren gemeinschaftlichen Mahlzeiten Theit nimmt, schwöret er ihnen furchtbare Eide: er wolle Ehrfurcht vor Gott haben, dann Recht und Gerechtigkeit gegen Menschen beobachten, und weder aus eigenem Antriebe, noch auf Befehl, irgend einen beeinträchtigen, immer aber den Lasterhaften hassen und des Rechtschaffenen sich annehmen, immer Treu und *) Dies wohl der Grund ihrer Benennung: von SCN heilen. Glauben Allen bewahren, vorzüglich aber den Herrschern; denn Krone und Scepter würde Keinem ohne Gottes Willen zu Theil; nie übermüthig seiner Machtausübung sich überheben, im Falle er selbst zu regieren käme; auch nicht durch Kleidung oder irgend glänzende Pracht seine Untertyanen in Dunkelheit zu stellen suchen; immer die Wahrheit lieben und fest des-Vorsatzes leben, den Lügner der Lüge zu bezüchtigen; feine Hände rein halten vom Diebstahl, seine Seele vom ungerechten Gewinne, auch nie, weder den Ordensbrüdern etwas verheimlichen, noch andern etwas von ihnen verrathen, wenn,Jemand ihn auch, durch die Todesstrafe, dazu zwingen wollte. Außerdem schwören sie noch: Keinem auf eine andere Weise ihre-Lehrsätze bekannt zu machen, als wie sie dieselben empfangen haben, des Straßenraubs sich enthalten und auf gleiche Weise die Bücher ihrer Secte als die Namen der Engel für sich behalten zu wollen. Durch solche Eidschwüre versichern sie sich der Treue der Novizen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Kleine Bücherschau. (Fortsetzung.) 13) Bild eines vorzüglichen Jugendlehrers, entnommen aus dem Leben und Wirken Victor in'S von Feltre. Beitrag zur Geschichte der Pädagogik deS fünfzehnten Jahrhunderts. Nach dem Italienischen deS Carlo NoSmini von F. M. Glogau und Leipzig, H. PrauSnitz.' 1838. S. 130. Obgleich das vorliegende S'cbrifrchen keinen nabern Bezug auf das Judenthum hat, sondern uns das Bild eines in seinem Jahrhundert einzigen, kräftigen Pädagogen, der aller Schwierigkeiten ungeachtet, seine hellen Ansichten verwirklichte und als Muster aller Zeiten aufstellte, mit klaren Farben schildert, so konnten wir es uns doch nicht versagen, hier mit einigen Worten darauf aufmerksam zu machen. Bei unfern Lehrern, deren Jugend, r ie die Victor in'S so oft das Hungertuch als Säetuch der Wissenschaft vor sich hat, die, wie.Victorin, ihren Weg, unaufgemuntctt und ungefördert, allein betreten und durchschreiten muffen, wird dies Lebensgemalde nicht ohne Befriedigung und Stärkung vorübergehen. Es wird sie aber auch dringend daran mahnen, ihre so schwer errungene Meisterschaft nicht „zur melkenden Kuh" zu machen, nicht blos eine einträgliche Stelle, oder ein genüglicbcS Brod zu suchen, und diesem die theuer erkauften Ueberzeugungen und Ansichten zu opfern: sondern ein höheres Ziel nicht aus den Augen zu lassen, und wie Victorin nur nach dem Einen zu trachten, würdige Schüler zu bilden. — Nächst diesem sind es auch die gesunden pädagogischen Ansichten, die allwege in dem Büchlein zum Vorschein kommen, und welche, mit klaren Worten gegeben, vielen gekünstelten Lehren der Neuzeit theils zum Grunde liegen, theils den Vorzug verdienen, welche der Schrift ein großes Verdienst geben, und sie, um so empfehlenSwerther machen. P» (Fortsetzung folgt). Redacteur: vr. L. Phktippfo«. - Verlag von Baumgartners BuchhandluAg. — Druck von I. B. Hrrschfeld.

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