Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 110 (14.12.1837)
- Date
- 1837-12-14
- Page
- Seite 440 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Sit egg tue. Dr. D aniel Georg Conrad von Cölln's, weil. Consistorialraths rc. Biblische Theologie. Erster Baud. Die biblische Theologie des allen Testaments. 1836. LXLLI und 511 S. gr. 8. Leipzig, Barth. Wir theilen über dieses treffliche Werk folgende gediegene Recenston aus der Hall. Mg. Lit. Zeit. Sept. 162. auszü glich mit. Dieses opus posthumum des trefflichen von Cölln ist zwar nicht von dem Verstorbenen selbst zum Drucke vorbereitet worden; aber cs gehörte zu den Lieblingswerken seines Lebens, und in wiederholten Vorlesungen hat er ihm den mühsamsten sorgfäftigsten Fleiß gewidmet. Vielen Dank verdienen daher die Männer, welche sich zur Herausgabe desselben vereinigt haben, Herr Cand. Löschke, welcher^ aus den Papieren des Verewigten und aus guten Collegienhesten die erste Reinschrift besorgte, Herr Professor Knobel., welcher die erste und Herr Consist. Rath Dr. Schulz, welcher die zweite Revision übernahm. Es ist nicht gerade die Neuheit der gefundenen Resultate, welche dem Werke seinen Werth verleiht, wohl aber die überall durchblickcnde Gründlichkeit der Forschung, die vollständige, und doch mit Einsicht begrenzte Darlegung des Stoffes, endlich die ernste Besonnenheit des Urrheils, geleitet von hoher Achtung gegen die Schrift, so wie von einer edlen Festigkeit der Gesinnung — eine Besonnenheit, welche der allzu hypothesenreichen Kritik von Vatke gegenüber doppelt hoch zu schätzen ist. Wir zweifeln also nicht, daß selbst die Andersdenkenden, namentlich auch die Gegner einer fteien Untersuchung des biblischen Lehrbegriffs, die genannten Eigenschaften anerkennen und das Buch auch für sich im hohen Grade lehrreich finden werden. Jedenfalls wird dasselbe der bedenklichen Subjcctivität der neueren Dogmatik heilsam entgegen wirken. Uebrigcns hat der erste Band den Vorzug, größerer Vollendung und besonders die Schilderung der nachexilischcn Religionslehre ist in vielen Parthieen musterhaft zu nennen. Voran gehen einleitende Betrachtungen über biblische Theologie. Hierauf wird die Theologie des alten Testaments im ersten Bande (nach de Wette) zerlegt in die Lehre des Hebraismus und Judaismus. Im Hebraismus und Judaismus werden sodann unterschieden: 1) Allgemeine Religions-Begriffe oder religiöser Universalismus a) vom göttlichen Wesen, b) von den vernünftigen Geschöpfen; 2) Thcokratische Religions-Begriffe, oder religiöser Particularismus, wobei hauptsächlich die theokrarischen Hoffnungen zur Sprache kommen. Stehen wir nun hier einen Augenblick still, so scheint sich die gewählte Anordnung durch ihre einfache Gliederung sehr zu empfehlen. Allein näher besehen erheben sich manche Bedenklichkeiten dagegen. Denn lassen sich wohl Univcrsalismus und Particularismus so einander entgegensetzen'! Sind nicht beide in und-mit einander innigst verbunden, wie Stoff und Einkleidung? Es ist wahr, was der Vers. S. 94 bemerkt, daß in einigen Büchern z. B. Hiob und Jona, der Universalismus hervortritt; aber wie wenig dieser Umstand zu einem Eintheilungs-Prinzip geeignet sei, sieht man sehr deutlich z. B. Ps. 19., in dessen beiden Theilen sich Universalismus und Particularismus zusammen finden. Hätte der Vers, das Verhältniß dieser beiden Religions-Formen zu einander genauer erforscht, so würde er sich unfehlbar von ihrer Untrennbarkeit überzeugt haben: am einleuchtendsten ist dies in der Lehre von den göttlichen Eigenschaften und von den zukünftigen Dingen. Sobald man Gott nicht als ein abstractes Gedanken- Wesen, sondern in seinem Verhältnisse zur Welt nimmt, sobald man ihn nicht blos mit dem Verstände denkt, sondern auch mit - dem Herzen empfindet, entstehen in der Religion Anthropomorphismen und Symbole; sobald die Religion sich volksmäßig gestaltet , wird sie particularistisch: sobald endlich die Religion auch das bürgerliche Leben beherrscht, wird sie Theokratie. Da nun das hebräische Volk zu einer Zeit, wo der Monotheismus als Atheismus galt, den ersteren zu erhalten von der Vorsehung bestimmt war, so war sie zu der Theokratie nicht nur ein unschuldiges , sondern auch das weiseste Mittel. Denn fehlerhaft ist sie nur, wenn sie als todte Form sich der Herrschaft des religiösen Denkens (des. Universalismus) entzieht. Wir fürchten also, daß der Verfasser sich durch jene Scheidung den freien Blick sowohl auf die Theokratie, als auf das, was er Universalismus nennt, getrübt habe. Weniger bedeutend ist der Fehler, daß der Lehre von Gott die Lehre von den vernünftigen Geschöpfen zur Seite steht, wohin nämlich außer den Menschen die Engel und Dämonen gerechnet werden. Die letzteren beziehen sich lediglich auf das göttliche Wirken in der Welt, und hätten wohl in der Lehre von der Vorsehung ihren Platz finden sollen. Wir glauben daher, daß es besser gewesen wäre) der Religionslehre die alte Eintheilung in Theologie und Anthropologie zu geben. Trefflich wird S. 64 der Zweck der mosaischen Theokratie geschildert, nämlich, den Monotheismus rein zu erhalten, und zugleich den oben befteiren Israeliten eine zweckmäßige Verfassung zu geben. Man muß aber, den merkwürdigen Umstand hinzunrhmen, daß der Monotheismus/ gegenüber dem herrschenden Polytheismus, als Atheismus galt, und das Moses Verfassung eigentlich eine republikanische (die einzige der Art in Asien) sein sollte: Ebenso wird S. 72 die Bestimmung der Propheten gut entwickeln; und wir möchten nur hinzusetzen, daß sie das große Instrument der Fortbildung des Mosaismus, mithin des Monotheismus, sein sollten. Im Exil kehrte sich der Blick des Volkes nach innen, und außerer Einheir beraubt, sammelte cs sich mit desto größerem Eifer um das Heiligthum seiner Thora. (S. 83 ff.) Den Grundcharakter des Hebraismus will der Vcrf. (S. 89 ff.) im Gegensatz sowohl zum Heidenthum, als zum Judaismus und Christianismus bestimmen und findet ihn richtig in dem sittlichen Monotheismus und in der äußeren Theokratie mit der aus ihm fließenden Legalität. Daß in Stellen wie 1 Mos. 1, 26. (der Mensch ist geworden wie unser einer) Spuren eines Polytheismus liegen, können wir nicht zugeben: es kann dies ein blos bildlicher anthropomorphischer Ausdruck sein; sehr gut aber wird S. 109 bewiesen, daß Jehova nicht blos als Schutzgott neben anderen Göttern galt: den letzteren schrieben die Hebräer blos eine Schein-Epistenz zu. Auf die unermeßlichen Folgen der Lehre des rein sittlichen Monotheismus härte an dieser Stelle wohl hingewiesen werden müssen. Wenn der Gottheit menschliche Glieder und deren Verrichtungen beigelegt werden, so findet der Verf. (S. 116) hierin einen gröbern Anthropomorphismus. Zu bemerken ist dabei nur, daß gerade der grobe A. sich am leichtesten als einen solchen und als dloscs Bild kund giebt, und sodann, daß Moses, während er eine körperliche Nachbildung Jehova's streng untersagte, die Nachbildung in der Phantasie völlig frcigab. — Fein sind die Bemerkungen über Gottes Persönlichkeit (S. 120), so wie über den merkwürdigen Umstand, daß im A. T. Gott nicht ein Geist genannt, sondern ihm ein Geist beigelcgt wird, und daß in den vorerilischen Schriften die Allgegenwart Gottes weniger scharf hervortrirt: alle diese Punkte aber, wohin auch die scheinbaren Beschränkungen des göttlichen Wissens in der Genesis gehören (S. 135) würden wir nicht sowohl aus Kinderbcgriffen erklären, als aus der Unmittelbarkeit des Glaubens, aus dem lebhaften Gefühle der nahen Verbindung mit Gott, welche das Wesen der patriarchalischen Religion ausmachr. — (Schluß folgt.) Jn Jllgen's Zeitschr. s. d. histor. Theologie, neue Folge, B. I St. I: »Literarhistor. Beittäge zur Geschichte der Bekämpfung des Judenthums Lurch christliche Schriftsteller vom Mittelatter bis zur Reformation. Von Br. Meyerhoff. 1. Beitrag.«: lieber das Zeitalter Obadjah's. Von Prof. vr. Jäger! gr. 4. in Tübingen. — Redacteur: Br. L. Philichpson. — Verlag von Baumgartners Buchharrdlurrg. — Druck von W. Haack.