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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-12-14 · Heft 110 (14.12.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 110 (14.12.1837)
Date
1837-12-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. L-hrgang. üUCCgeitteitte No. 11®. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigstrr Concrssion.) Leipzig, den 14. December 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Amsterdam, 12. Nov. Die Al lg. Zeit, giebt folgende Bemerkungen: s-Beim Besuche der hiesigen Theater fallen einem Fremden die orientalischen Gesichter der Choristen und Choristinnen auf — das kommt daher, weil diese fast . ohne Ausnahme Juden sind. .Die Juden spielen hier eine eigene Rolle im bürgerlichen Leben. Was die Galleges in Lissabon und Madrid, die Savoyarden und Gascogner in Paris, das sind hier die Juden. Sie besorgen die kleinen Geschäfte in allen Zweigen, sind Stiefelputzer, Lohndiener, Träger, und fungiren immer höher hinauf bis zu den Statisten und Choristen. Außerdem bilden sie aber auch einen ansehnlichen Theil der großen Kaufleute. Sie zerfallen in zwei große Abtheilungcn, in die portugiesischen und deutschen Juden; jede hat ihre reiche Synagoge. Fast alle sprechen deutsch. Es ist merkwürdig, wie Spanier und Portugiesen die Protestanten noch mehr verfolgten, als die Juden *), so feindete man im refocmirten Nicderland noch mehr die Katholiken an als die Hebräer. Letztere erstellten sich fast stets in diesem Lande einer großen Toleranz. Jetzt genießen sie alle bürgerliche Rechte.« **) Mainz, 26. Nov. Aus den Zeiten der Fremdherrschaft bis auf diesen Tag hat sich bei uns ein Mißbrauch erhalten, der geeignet ist, einer ganzen Klasse braver Staatsangehörigen Ehre und Ruhe zu raubm, einer Menschmklasse, die sich steilich noch unter viele andere Mißbräuche beugen muß, nämlich den Juden. Der Mißbrauch, den ich hier meine, besteht darin, daß sich der redlichste jüdische Handelsmann, wenn er sicher sein will, daß ihn schlechte Schuldner nicht um Hab und Gut bringen sollen, jährlich ein Patent von der Ortsbehörde verschaffen muß, worin namentlich bezeugt wird,' daß der Inhaber des Patents keinen Wucher treibe. Der redlichste Kaustnann steht also mit dem unredlichsten Schacherer in einer Kategorie; der Eine wie der Andere muß jmes berüchtigte Ehrlichkeilspatent besitzen, wenn seine Schuldfordcrungen vor Gericht Geltung haben sollen! Mit diesem Mißbrauche hat cs folgende Bewandniß: Napoleon hatte in stüherer Zeit, als es mit der Cultur der Juden noch lange nicht so gut stand wie heute, für einige französische Depar- *) Das belieben wir zu bezweifeln. D. Redact. **) Bor Kurzem starb erst ein holländischer Staatsrach, Ascher, ein Jude. - D. Redact. tements, wo besonders viel Wucher getrieben wurde, allerdings jenes Ehrlichkeitspatent ins Leben gerufen, aber nur für die Dauer von zehn Jahren. Auch hatte er mit der Ausfertigung dieser Patente die jüdischen Consistorien beauftragt. Insofern hatte jene Maßregel keineswegs so viel Betrübendes, und sie ward vielleicht von der Zeit und den Verhältnissen gerechtfertigt. .Nach zehn Jahren hatte die Maßregel ihr Ende erreicht, und heute denkt man wohl in Frankreich nicht mehr daran.' Bei uns aber besteht diese Patentsangelegmheit, nachdem wir bereits über zwanzig Jahre von der Fremdherrschaft befreit sind, noch in ganzer gesetzlicher Kraft, als sei sie erst gestern ins Leben getreten, und sie contrastirt so sehr mit den humanen und loyalen Verhältnissen, unter welchen die rheinhessischcn Juden leben, daß dieses veraltete und unzweckmäßige Gesetz wahrhaft entstellend auf die übrigen so trefflichen Gesetze einwirkt. Nun ist zwar bei den hessischen Ständeversammlungen, stlbst von rheinhcfsischen Deputirten, schon oft auf Entfernung dieser erniedrigenden Maßregel angetragen worden, zum Beweise, dass man sie für unwirksam, ja schädlich hält. Allein bisher wurden diese Anträge immer mit der Versicherung abgcwicsin, daß durch die zu erwartende neue Gesetzgebung für das ganze Großherzogthum jene Maßregel ohnehin wegfalle. Allein warum befteit man nicht einstweilen die anerkannt redlichen jüdischen Kaufleute von dieser schmählichen Nothwendigkeit,, sich ein Ehrlichkeitspatent verschaffen zu müssen? Die Juden sind bei uns beinahe vollständig emancipirt und verdanken unserer weiftn und gerechten Staatsregierung außerordentlich viel; wie kommt es, daß dieser alte Fleck nicht schon längst getilgt und der wohlverdienten Vergessenheit übergebm worden ist? (Leipz. Allg. Zeit.) Hechingen, 28. Nov. (Privatmitth.) Die Landes- Deputation hat, in Betreff der ihr von den Israeliten dieses Landes eingereichten Petition um Feststellung ihrer bürgerlichen VerhälMisse, beschlossen, die fürstliche Regierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf, die Organisation dieser Verhälmisse betreffend, zur Berathung vorlegm lassen zu wollen. — Am 20. Sept. geruhten der durchlauchtige Erbprinz und Höchstdessen Gemahlin, geb. Prinzessin von Leuchtenberg, der Schulvisitation der israelit. Gemeindeschule beizuwohnen, und Höchstihre Zuftiedenheit mit der Einrichtung und dem Zustande dieser Anstalt zu äußern. — Der unlängst verstorbene Kaufmann Joh. St reble, christlicher Confession, hat unter andern Vermächtnissen auch , der israelit. Armenkasse 50 fl. vermacht. Es wäre sehr zu

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