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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-23 · Heft 101 (23.11.1837) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 101 (23.11.1837)
Date
1837-11-23
Page
Seite 404 (sequence 4)
Language
German
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404 auch nicht für nöthig gehalten, die Einzelnen zu einer directeu Theilnahme an gegenwärtiger Bitte, wie solche ja bä den früher eingereichten Gesuchen auch schon Statt hatte, zu veranlassen; ftine Legitimation liegt in dem Zwecke seines Bestehens, und dieser hohen Kammer gegenüber, jedenfalls in der auch jedem Einzelnen zuftehenden Beftrgniß, Wünsche und Bittm im eigenen, wie in der Gesammtheit Jmereffe, den Berttetern des Volkes vorzutragen. Wir zwäfeln nicht, daß unsere hohe Staatsregierung, erkennt sie nur den desfalsigen Wunsch der Volksvertteter, geneigt ist, demselben durch Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfes Folge zu geben; und wenn wir die Hoffnungen, die wir auf die Weisheit und den ernsten Willen unserer hohen Regierung setzen, mit den Gesinnungen verbinden, welche uns von Seiten einer hohen Kammer kräftige und auftichttze Mitwirkung versprechen, so belebt uns ein Gefühl der Freude und des innigsten Vertrauens, das uns rin Vorbote der Gewährung unserer Bitte sein möge, mit welcher wir vor die hohe Versammlung der Abgeordneten vom Jahre 1837 treten. Möge es dieser hohen Kammer gefallen, zu beschließen: daß bä der hohen Regierung auf die Vorlage eines Gesetzes angetragen werde, welches den israelitischen Staatsbürgern alle staatsbürgerliche und politische Rechte gleich den Staatsbürgern der christlichen Confessionen gewähre. Für den Verein zur Verbesserung der bürgerlichen Verhältnisse der Juden in Baden der gehorsamste Ausschuß. Karlsruhe, den 27. Marz 1837- 8 i t e t ö 111 t Bä dem Verfasser, Würzburg. D^rin y?, der Lebensbaum. Augebinde für israel. Consirmanden beiderlei Geschlechts, oder: das Judenthum in feiner Grundlage 2 Theile von Herrmann Stern, Elementar-Religions- und Adspiranteu-Lehrer an der Äönigl. Erziehungs - Anstalt für Israeliten zu Heydiugsfeld bei Würzburg. 136. 6. 1835. Das Büchlein zerfällt in 4 Abtheilungen, welche folgende Ueberschriften führen: 1.) Einlaßkarte in 10 Abschnitten; 2) Promenade in dem Lebensgarten in 23 Abschnitten, 3) Ruhebank in 6 Abschnitten; 4) Ausgang in 1 Abschnitt. — Wir würden uns bei unfern Lesern schlechten Dank verdienen, wollten wir ihnen zumuthen, die Promenade durch dieses wirre, wüste Gestrüppe mitzumachen, wo sie höchstens beim Ausgang die Freude erwartet, welche der Wanderer empfindet, wenn er aus änem verwilderten, reizlosen Gehölz tätt, und nun wieder ftei und ftisch athmen kann. Aber änige von den mark - und saftlosen Reisern aus diesem säubern Lebensgarten wollen wir unfern Lesern zum Besten geben, um ihnen das Lcgcgeld für die Einlaßkarte zu ersparen. S. 2. »Wo die Vernunft an die Sinnlichkeit, und die Sinnlichkeit an die Vernunft grenzt, da ist der Mensch in seinem schönsten Spiele.« Wie mag es da mit dieser Nachbarschaft bei dem Verfasser aussehen? S. 3. »Gottes Dasein ist ewig. Sein Wesen ohne Gestalt und Wohnung, ohne Abnahme und Gleichheit, überall gegenwärtig , Säu Verstand bedarf käner Vernunftschlüssc.« Das heißt ein Gott! S. 5. sucht der Verfasser durch äne Antithese zu überraschen; »die Idee Gottes ist das höchste, was die Vernunft — nicht erreichen kann!« S. 7. »Des Trostgedankens einer fürsorgenden Gottheit bedürfen wir Jsraelften am meisten im Irrewerden an selbst glaubwürdigen) Männer(n), im Treubruche göttlicher Liebe, um nicht ins Bodenlose zu fallen.« Die armen Eonfirmanden, die bedürfen des fürsorgenden Gottes am meisten, daß sie bei der Präparation aus diesem Buche nicht ihr Bischen gesunder^Menschenverstand einbußen. S. 11. tritt der Verfasser als Antagor^^« Denkens auf: »Wenn der Mensch Gott denkt, so vereüdWr und verkörpett er Ihn auch, und macht Ihn nach einem Bilde.« Und doch macht er's oben S. 7. dem Israeliten zur Pflicht, Gott zu erkennen. Also giebt es auch eine Erkenntnis ohne Denken? Nun, der Verfasser muß das am besten wissen. S. 14. »Aber änsätig und verkrüpelt ist auch die Vernunft, wenn Sie das wegweisende (!) Herz verwerfend, das ägne Ruder erfaßt, und uns durch das strudelnde Leben sicher zum feindlichen (!) Hafen zu führen wähnt. Was hilft das Mahlen dem Hungrigen, wenn es blos mit Farben und nicht aus der Mühle geschieht?« — Ist das nicht köstlich? S. 69. »Nur der Gäz hat demDiebstahl zu einem so peinlichen Verbrechen gemacht, daß er strenger als der Ehebruch bestraft wird, weil der Mensch sein Weib nur für Fleisch von sänem Fleische, und Bein von feinem Beine, das Geld aber für die Seele seiner Seele hält.« — Wenn die lieben Kindlcin, die Eonfirmanden des Verfassers künftig einmal lange Finger machen, so werden sie sich, nach änem Ausdruck des Talmud, an einen hohenBaum hängen., d. h. sich auf eine kompetente Autorität berufen. Und es ist die schönste Aussicht, daß dieser Ö^nn ys zu einem ganz andern Vs wird für die hoffnungsvolle jüdische Jugend Heydingsfelds ber Würzburg. In der Art, wie der Verfasser Stellen aus dem Talmud auf seine Aussprüche anwendet, kämpfen Unwissenheit und Jneptte um den Vorrang. Als Beleg mögen folgende^ungesucht herausgegriffene Bäspiele dienen. S. 7. »Gott muß vow Israel erkannt, geliebt und verehtt werden,« dazu das Citat iban®’’ VD fmrrn pa’’ rraa »Wie schön sind die Füße Israels in Schuhen, wenn sie aufwärts gehen.« Der Talmud aber interpretirt Hohel, 7. 2 in der beliebten allegorischen Weise: Wie schön sind deine Schritte in Schuhen, wenn sie hinaufgchen gen Jerusalem zur Wallfahrt. S. 12. m=>bm -^nepb «brr -psa orr min nabb Nb LPN2 ]n »Sie (die Rationalisten) erscheinen nicht um uns schriftgemäß zu belehren, sondern um nur im Guten gleiten zu lassen.« Schlägt man aber die Stelle nach (was, däläufig gesagt, nicht auf die Anwäsung des Verfassers geschehen kann, da. er nur nach den allgemänsten Ueberschäften, nie nach Sätenzahl ätirt) Kiduschin 52, 6., so lautet sie also: Rabbi Jchuda sagte: lafftt die Schüler R. Meirs nicht' herein (zu meinem Vortrage), denn sie find streitsüchtig, und kommen nicht, um Thora zu lernen, sondern nur um mich mit Halakot niederzudisputiren. (nsp caedete im tropischen Verstände, wie caedere aliquem testibus.) S. 13. »Nein! ewig nein! Nur gotteslästerliche Vermessenheit ist es, wenn Philosophen behaupten wollen, daß nichts zu glauben sei, als was der Mensch mit säner Vernunft einsehe. Denn mip bw nmso 03=>*> miprr bsn» Rur der Herr des Gefängnisses bängt in sein Inneres ein.« Dieses Sprüchwort heißt aber wörllich: Der Herr des Balkens trete unter die Dickedes Balkens. Sinn: Wer das höchste Interesse bei der Derächtung änes Geschäftes hat, muß auch das Schwerste übernehmen. S. 18. Dlisrr (— •Qlia niagus) heißt dem Verfasser ein Heuchler.« Nicht doch! Es ist im Talmud: Gottesläugner, Gottloser. Berzl. über die Verwandtschaft dieser Vorstellungen Gesen. Wörterb. «. v. (Schluß folgt.) Redacteur: Dr. «. Philipps»«. — Verlag von Baumgartner« Buchhandlung. — Druck von W. Haack. .

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