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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-23 · Heft 101 (23.11.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 101 (23.11.1837)
Date
1837-11-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. Z-chy-ng. A-LkgeMeiKe Ro. lOl. Zeitung des Zudenthums. arthensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Eäcbstscher allergnävigfter Covcrssion.) Leipzig, den 23. November 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Posen, 1. Nov. (Privatmittheil.) Der Herr W.I. Eichborn allhicr, Translator, ein Mann voll des regsten Eifers für das Gute und Gemeinbeste, hat am verwichenen Neujahrs- und Versöhnungsfeste den ersten Versuch gemacht, allhier in der sogenannten deutschen Synagoge rein deutsche Predigten zu halten. Der Gegenstand war: die Flüchtigkeit und die rechte Benutzung der Zeit, — und die wahre Rückkehr zu Gott. Die Predigten zeichneten sich durch Eleganz, Klarheit und Gediegmheit aus, und der Eindruck, den sie bei allen Anwesenden bewirkten, war sehr groß, so daß einstimmig der Wunsch verlautete, Herr Eichborn möchte uns öfter deutsche Erbauungsreden geben. — Wir entnehmen aus einem uns übersandten Nekrologe des sel. Rabbi Eg er, da wir bereits ein Weiteres gegeben haben, noch folgende Data: »Der vollständige Name des Verewigten war: Akiba Mose Eg er, auch Gins Masch genannt; er war früher Ober-Landrabbiner in Märkisch - Friedland, und wurde im Jahre 1815 zum geistlichen Oberhaupte der hiesigen israelitischen Gemeinde berufen. Er gewann diese Stellung so lieb, daß er jede Einladung auswärtiger größerer Gemeinden zur Uebernahme einer mit weit beträchtlicheren finanziellen Vortheilen verbundenen geistlichen Oberstelle ablehnte. — Das Leichenbegängnis fand gegen 3 Uhr Nachmittags auf eine höchst würdige, herzerhebende und dem Ernste des Trauerfalles angemessene Weise statt. Vor der Leiche ging der Let-via- Schamasch (Diener des Rabbinen- Collegiums), den Stab und Eines der vielen hinterlassenen Manuscripte des Verewigten vor sich hcrttagend und rufend: Dip» *i:s (Bahn gemacht!). Hinter der L.iche gingen die leidttagenden Schwiegersöhne des rc. rc. Egers, — da Er seinen Söhnen und Töchtern die Begleitung testamentarisch untersagt, — und die zahlreichen Schüler desselben. Es folgten sodann, die israelitischen Geistlichen, die Mitglieder der Llledrs Kadischa, die Mitglieder der beiden Eorporations - Collegien Hierselbst, und fast sammtliche hiesige israelitische Gemeindemitglieder, die, obschon zur Zeit hier die Cholera sirrchtbar herrscht, sich doch nicht von der Begleitung ihres verehrten Seelsorgers zurückschrecken ließm. — An dm sehr langm Leichenzug schlossen sich viele achtbare Individuen anderer..Confessionen an, und dm Schluß bildctm 29 Kurschm, die meist von Mitgliedern des höhem Bürgerstandes zur Ehre des Verstorbmm geschickt wordm waren» Der Leichenzug würde aber noch weit feierlicher und ehrenvoller gewesm sein, wenn die Nachricht von rc. Egers -Tode dm höhem Bchördm amtlich mitgetheilt wordm wäre. Es ist indessen die Verabsäumung dieser amtliche Macheilung um so mehr zu mtschuldigen, als Egers Tod ganz unerwartet kam, und die Corporation nur im bittem Schmerzgefühle des hatten Schlages ihre äußere Schuldigkeit vergaß. Das ganze zahlreiche Gefolge, das nur durch seine Masse den Eindmck der tiefem stillen Trauer stötte, begleitete dm edlm Verblichmm bis zum Friedhofe. *) —- Hier wurdm dem Verewigtm von einigm Rabbinats-Assessoren und andem gelehrrm Israeliten einfache, aber salbungsreiche Grabreden gehalten, und darin dessen frommes, in Gott vollmdetes Leben recht lebendig und lichtvoll geschildert. —- Möge Gott alsbald unserer hiesigm Gemeinde einen Mann zuführm, der mit gleichm Talmtm und gleichem edlm Willm und Eifer, wie der verewigte Eg er, alle Fordemngm befriedige, welche der israelitische Glaube, die heutige Pädagogie und der Zeitgeist an einm Rabbinm und Volkslehrer stellt, damit er im wahrm Sinne des Wottes ein tteuer Winzer sei im Weinberge des Herm, durch fein Leben, wie durch sein Wort von der Kanzel herab, heilsam und segensreich auf die Gemeinde wirkm, und bei ihr, unter Bekämpfung alles Wahn-, Irr- und Unglaubens, durchgreifende Veredlung in religiöser Hinsicht herbeiführm könne, welche die nothwendige Bedingung jedes politisiert Zugeständnisses bildet und auch blldm muß. «Aus dem Großherzogthum Hessen, 26. Ott. Dr. Formstecher, Prediger der ifrael.Gemeinde zu Offenbach, äußett durch seine sabbathlichm Reden einen gutm Einfluß auf seine dortigen Glaubensgenossen, und besonders auf die Erziehung der israelitischm Jugmd. Zu Mainz ist ein aufgeklärter jüdischer Gemeindevorstand in der Mitte seiner gemißdeuteten und verkannten Wirksamkeit von der Leitung der Angelegcnheitm mtfemt wordm, wodurch die Gemeinde in ihrm Cultusverhältnissen sehr zurückgcfcht worden sei; man müsse jedoch hoffen, daß der nme Vorstand für das Bedürfniß der Zeit bald etwas thue, weil cs sich sonst bei der Aufklämng, die mtter eitlem großen Theile der jüdischen Bmöl- *) Es ist wohl an der Zeit, daß überall die alte Unordnung bei Leichenbegängnissen aufhött. Musterhaft ist die neue Einrichtung der er». Lad. in Magdeburg, auf die wir gelegentlich zuruckkomrnen werden. Der Leichenwagen wird von zwei Führem geleitet, hinter der Leiche folgt jedesmal die Geistlichkeit, 12 Mitglieder der 2. Klasse der Ch. u. s. w. paarweise in schwarzem Anzuge u. s. w. D. Redact.

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