Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 99 (18.11.1837)
- Date
- 1837-11-18
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auf den Ruf Sella's eilten drei junge Mädchen her- ' bei : die älteste schim sechzehn Jahr alt, die zweite zwölf, die dritte zehn; alle drei brünett, und von jenem dunkleren Teint, der eine Mischung orientalischen und französischen Blutes ist, mit länglichem Profil, welches die Töchter Israels von dm Frauen anderer Nationen unterscheidet. »Das Wochenfest!« riefen ste freudig aus. »Da giebt es Kranze und Guirlandm zu windennicht so, gute Mutter?« Mad. Mazod antwottete ihnm durch ein Zeichen der Bejahung, begleitet von einem ttaurigen Lächeln; und da die Mädchm sogleich heiter und eifrig ihr Werk begannm, Mtfemte sie sich, stieg die Treppe des ersten Stockwerkes mit einer Eilfertigkeit hinan, welche die lebhafteste Unruhe verrieth, und stand vor einer Thüre still, welche am Ende der Galerie sich befand. Sie hielt einm Augmblick die Hand auf dem Herzm, klopfte dann leise an diese Thüre, aber keine Antwott erfolgte, und kein Geräusch ließ sich' in dem Zimmer vemehmm, sie wagte es endlich den Schlüssel, wenn auch mit Vorsicht, zu drehen. Kaum hatte sie mit unruhigem und schnellem Blick das Zimmer übersehm, als ihr Antlitz plötzlich dm Ausdruck riefm Kummers annahm. Man konnte leicht erkmnm, daß kein Möbel seit dem gestrigm Tage berühtt wordm. »Nicht nach Hause gekommen! nicht geschlafen!« murmelte sie, »o mein Gott!« Zn diesem Augmblicke erschalltm Tritte in dem Corridvr, Mad.. Mazod setzte sich in einen Armstuhl, und alsbald erschien ein junger Mann. Groß und schlank, trug er in seiner Gestalt und seinem Gesichte dieselbm Züge, als seine Mutter und seine Schwestern — aber die zwanzigjährige Stim war damals gefurcht, wie von Gewissensbissen oder von dem Gedankm der Schuld. Bei dem Anblick seiner Mutter, deren forschmdes Auge bis zum Grunde seiner Seele zu dringm schim, konnte er eine ärgerliche Mime nicht zurückhaltm: »Welche Unterwürfigkeit!« sagte er, »was, bis in mein Zimmer?« Mit Sanftmuth erwiedette Mad.Mazod: »Meine Kinder kommm jeden Abmd, sich den Segen ihrer Mutter zu erbittm, . sie kommm auch jeden Morgm .... ich habe dich weder Sestern noch heute gesehm, Zakson!« »Ich war ... ich konnte nicht....« erwiedette er mit ebm so vieler Verlegmheit als Ungeduld, »ein Geschäft...« »Suche keine Umwege, mein Sohn,« unterbrach ihn Mad. Mazod; »ich weiß woher du kommst!« »Hätte mich Kotz verrathen?« schtte der junge Manu . ungestüm. »Nicht Kotz, fondem deine Augm, die sich zu deiner Mutter nicht zu erhebm wagen, deine Stim, derm Blasse eine Nacht voll taufmd Aengsten verräth. Du kommst vom Spiel, Zakson!« Er schauderte zurück und beugte den Kopf. »Du kommst vom Spiel,« wiederholte sie mit einer strengm Miene, der die Schwäche ihres Organs Lügen sprach. »Du hattest mir versprochen, nicht mehr hinzugehm!« Jakson setzte sich ohne zu antworten. »Unglückliches Kind! du solltest die Stütze einer ganzen Familie sein, aber du verschwendest das Wcrmögm, welches dein Vater im Schweiße seines Angesichts gesammelt hat... Du willst mich um's Lebm bringm!.... Vormund deiner Schwestem und deines Bruders bist du bereit Rechmschaft von deiner Vormundschaft zu gebm? sprich!« »Elizhama, die älteste von allm, wird erst in fünf Jahren mündig,« erwiedette finster Jakson. - »Aber Selem, der Sohn Sethri's, wünscht sie zu heirathm, und die Heirath macht frei .,. .« »Selem!« erwiedette Jakson kalt, .»Selem verlangt sie, und von wem hat er sie verlangt?« »Von mir,« erwiedette Mad. Mazod. »Von Ihnm, Mutter, von Ihnen, das ist recht; aber . er mußte ffe aber auch von mir verlangen . . . Äs Haupts der Fannlie.« »Haupt der Familie!« wiederholte Mad.- Mazod mir Verachtung." »Und wo ist denn dieses Haupt der Familie? wo verbringt es die Tage und die Nächte, dieses Haupt der Familie? Kann man etwa, wenn cs versunken ist in die Hoffnung des Gewinnes oder in die Verzweiflung des Verlustes, die Hand seiner Schwester von ihm verlangm? ...« Da.bemerkte sie das wilde Stillschweigen ihres Sohnes, und fürchtend, daß dieses Stillschweigen der Vorläufer eines stürmischen Austrittes wäre, fügte sie hinzu: »Der Herr hat gesagt: Ein Jeder soll ehren seinen Vater und seine Mutter!« »Und ich ehre Sie, meine Mutter,« erwiedette Jakson. Es lag so etwas Trauriges in der Beugung seiner gewöhnlichen klangvollen Stimme, so viel Unterwerfung auf seinem edlen und hohen Gesichte, daß die arme Mutter sein Unrecht vergaß. »Du hast verloren, Jakson,« erwiedette sie mit einem Tone, der alle ihre Angst ausdrückte. »Ja . . . .« antwottete er dumpf. »Wie viel? Wie viel?... Im Namen des Himmels und deiner Mutter, die stirbt! ... Wie viel?« »Mehr als ich bezahlen kann.« »Mehr als du bezahlen kannst!« wiederholte sie, und brachte die Hand an ihre Stim, als wenn ihre Vemunst sich verirtte; »und welche Summe Hast du denn da verloren?« Er schwieg.