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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-18 · Heft 99 (18.11.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 99 (18.11.1837)
Date
1837-11-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. gl £ ttl £ I tt £ No. 99. Zeitung des Zudenthurns. Ein unpartheiifches Organ für alles jüdische Interesse. lMLt Königl. Sächsischer allergnädigsrer Corcession.) Leipzig, den 18. November 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. München, 28. Oct. (Privatmitch.) Freitag, den 27. kam ein Theil der jüdischen Angelegenheiten bei der hohen Kammer der Abgeordneten zur Sprache, und die Debatte endigte sich mit einem für' unsere Glaubensgenossen in jeder Hinsicht höchste erfreulichen Resultate. Die Kammer der Reichsrathe hatte bei uns ihren adeligen, edelmüthigcn Sinn bewahrt und an den Tag gelegt. Auf den ehrenvollen Antrag des Generallieutenants Grafen v. Pappenheim war in derselben ein Zuschuß aus der Staatskasse zur Besoldung der israelitischen Schullehrer votirt worden, und dieses Votum wieder zur Revision au die erste Kammer zurückgegangen. Als nun in der genannten Sitzung über das baiersche Schul- und Universitätswesen überhaupt gesprochen, und also auch jenes Votum der Kammer der Reichsrathe berührt wurde, nahm der Abgeordnete Willich, der liberale, rdeldenkende Dertheidigcr unserer Glaubensgenossen das Wort, und sprach sich im Wesentlichen dahin aus: Er hoffe, daß die Kammer der Abgeordneten dem so edcln und cdelmüthigen.Beschlüsse der Reichsrathe ihre Zustimmug nicht versagen werde. Denn über jenen Grund, »daß alle Juden im ganzen Königreiche nicht 3000 fl. zur Errichtung einer Ober-Kirchenbehörde zusammensteuern wollten,« und der die hohe Kammer jüngst vermocht hatte, den Juden Alles und Jedes zu verweigern, müsse er Folgendes bemerken: Es waren ihm sowohl von ehrenwerthen und glaubwürdigen Mitgliedern der Gemeinde München, als auch von auswärtigen Gemeinden mündliche und briefliche Versicherungen ertheilt worden, daß die von dem königl. Ministerium des Innern jüngst veranstalteten Synodalversammlungen den Juden aus ihren eigenen Mitteln zwischen 20—30,000 fl. gekostet hatten, die sie in der Hoffnung der Realisirung ihrer Wünsche gern und freudig getragen hatten.- Ferner koste der Münchner Cultus den Gemcindegliedcrn jährlich zwischen 5—8000 fl., und nicht nur, daß dieselben/zur Bestreimng dieser sehr bedeutenden Summe keinen Beitrag von Staatswegen erhielten, müßten sie noch zur Bestreitung der Ausgaben anderer Culte beitragen, und der gleiche Füll finde auch bei allen jenen Gemeinden statt, deren Zuschriften er in Händen habe und vorlegen wolle. Die Juden fyättw sich mit ihren Reclamatt'onen gegen jene Aeußcrung des kMigl. Ministerialcommiässrs an ihn, und nicht an die hoM Kammer selbst gewendet, weil sie diese Bitten an den?L»tragsteller gelangen lassen zu müssen glaubten. Bei der' Bestreimng so bedeutender jährlicher Ausgaben würden 50,000 Seelen also gewiß gern dm einen Jeden treffenden geringen Antheil von 3000 fl. wagen, und das bisherige Unterbleiben der cmschiedenen Aussprache hierüber könne nur dem Umstande zugcschrieben werden, daß - diese Gcldftage nicht in ihrer Bestimmtheit bei den Synodalversammlungen zur Sprache gekommen sei. Er bedauere es herzlich, daß der königl. Minister des Innern nicht anwesend sei, da er gewiß mit größter Bereitwilligkeit über den hier nothwcndig vorherrschenden Jrtthum Aufklärung geben würde. Indessen hoffe er, durch alle diese Notizen die hohe Kammer überzeugt zu haben, daß die Juden des WoPMÜrns derselben nicht so ganz unwürdig seien, und daß didftlbe dke>. beantragte Unterstützung nicht versagen werde. — Dechiugegen sprach .sich am Schlüsse der Sitzung der königl. MruDeerialrath des Innern, v. Abel, in Abwesenheit seines dahin aus, daß Erklärungen, die vom Ministertische kämen, wahr und auf Aktenstücke begründet sein müßten, wenn auch die Motive, die zu diesem oder jenem Entschlüsse veranlaßten, verschiedener Narur sein könnten. Die hohe Kammer bewilligte indessen einstimmig den von der Kammer der Reichsräthe beanwagten Zuschuß aus der Staatskasse. — In spätem Herbste noch eine schöne Frühlingsblüthe. — München, 1. Nov.. (Privatmitth.) Zu Fürth wird ein königl. Regicrungskommissair aus Anspach erwartet, der die Streitigkeiten zwischen dem Herrn Rabbiner vr. Lcvr und seinen Gegnern auf irgend eine Weise ausgleichen und eine Versöhnung zu Stande bringen soll. — Zu Biswangen im Oberdonaukreise wurde eine neue Synagoge erbaut, die durch ihre Schönheit und Eleganz sich fast mit allen bisher erbauten messen kann. Se. Königl. Majestät ließ den Plan dazu unenrgeldlich von der königl. Baucommission entwerfen. — Zu Petcrsgmünd im Rezatkceise erbaute die jü- , dische Gemeinde ein neues Schul Haus. Auf Vcrwcndcn des königl. Landrichters Wunder erhielt dieselbe durch die Gnade Sr. Majestät 300 fl. Das ganze Gebäude kostet 800 fl. Paris, 28. Oct. Die wiederholte Wahl des Fould zum Deputirtcn von St. Quentin im Depart. Aien^ ist nicht zweifelhaft. Nur ein Mitbewerber ist aufgetrerm, ein gewisser Carnot, ein Mann der Opposition, wobingegew Fould dem leiste - Linien angehört.

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