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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-11 · Heft 96 (11.11.1837) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 96 (11.11.1837)
Date
1837-11-11
Page
Seite 384 (sequence 4)
Language
German
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384 Aber wenn das Herz, das warme, Will zum warmen Leben sprechen. Nimm, Natur, mich in die Arme, Auf den Bergen, an den Bächen, Nimmer wird ein Herz vom Harme Hier an deinem Busen brechen. Liebe find' ich in der stillen Klause Meines Glaubens zur Genüge; Wallt der Pilger nur nach Hause, Findet er der Ruhe Wiege, . Und der stolzen Welt Gebraust Ist nur die Mufik der Lüge! Literatur. Im Literaturblatte der Allg. Kirchen;. (Darmfiadt.) heißt es in einer Recens. der »Klaqen eines Juden« No. 111. »Eine sehr seltsame Schrift, von welcher man nicht weiß, soll man fie mehr in das Gebiet der Dichtkunst, oder der Darstellung religiöser Uebemeugung setzen, legte der Verfasser mehr Werth auf das Poetische oder auf das Religiöse in derselben, ist er Jude oder Christ, Jude von Haus aus, der fich in das Christenthum hineinttäumt, oder Christ von Geburt aus, der fich nur die »Brille des Judenthums aussetzte rc. rc.« Das ist doch herrlich, wenn ein Jade klagt, und so klagt, daß man nicht einmal weiß, ob er Jude ist! Zu solchen Schriften könnte das Motto heißen: »Ich will mich mit Allen verhalten.« Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Pesth.) *) Nachdem die am 5. Nov. 1814 allhier mit Hilst des verstorbenen Herrn - Magistrats-Rothes von Boro ro sch errichtete Normalschule nach einigen Jahren wieder eingegangen, die Gemeinde aber immer größer, und das Bedürfniß einer zweckmäßigen Lehr-Anstalt für unsere Jugend immer fühlbarer wurde: traten gebildete Männer voll Eifers und Liebe zur Sache an die Spitze des Gemeinde-Borstandes, wie: Herr Joachim Kadisch, Gabriel Ullmann und Mehrere. Diese wählten eine eigene Schul-Commission, worunter auch unser allseitig gelehtter Herr Israel Saphir (älterer Bruder des berühmten Humoristen M. G. Saphir) , und mit dem November 1834 ttat die neue israelitisch - deutsche Lehranstalt in'ö Leben, wohlthuend für unsere Kinder und zur Ehre unserer Glaubensbrüder. — Das Institut hat die ttefflichsten Erfolge, und können wir seine angemessene Einrichtung nur loben. Jedoch die eine Bemerkung möchte ich als meine unmaßgebliche Ansicht nicht vorenthalten, ob nicht die Zeit des Schulbesuches nach der Einteilung in sieben Jahrgängen (Cursen) zu ausgedehnt ist, indem hierdurch wohl die Zöglinge zu Kaufleutcn, Professionisten und Künstlern eine tüchtige Vorbildung erhalten, nicht aber zu den Studien, da es wohl zu spät ist, wenn ein vierzehnjähriger Knabe erst in ein Gymnasium eintreten soll. **) Allerdings kann eine Schule *) Von einem andern Correspondentm, als No. «o. D. Redacr. —) Obgleich wir, aus der Ferne, über die Lokawerhälwisse nicht urrbeilen kennen, so scheint uns doch der Einwurs des geehrten Correspondenren nicht so ganz gegründet. Lean wenn der vierzehnjährige Knabe, der ander isral. deutschen Lehranstalt tritt, in der testen Zeit fernes Schulbesuches nur im Lateinischen privatim vorbereitet worden, so find 14 Jahre nicht iu svar, um in eia Gymnasium einzutrerm, da der K»ad« dann vermöge ferner tüchtigen, anderweitigen Schulbildung gleich die untersten Klanen des Gymnasiums übersteigen wird. Die erlangte Schulbildung wird ihm dann aus immer zu Gute kommen. D. Redact. nicht auf Genie's und treffliche Köpfe allein berechnet sein, sonder» muß vielmehr auf mittlere Köpfe, denn deren ist die Mehrzahl, sehen. Indessen darf fie auch nicht zurückhalten. Die israelitischdeutsche Normalschule in Prag, ein ausgezeichnetes Institut, hat auch nur vier Jahrgänge; dann werden dott extra Dorttäge über hebräische Sprache, fvan nb'p (Logik) u. s. f. gehalten, welche Knaben von größeren Geistesfähigkeiren benutzen können. Diese wären auch hier wünschenswerrh — und möchten wir wohl hierüber belehtt werden, welche Ansicht dieser verschiedenen Ein» richtung zu Grunde liegt. Diese Extra - Borttäge könnten in den Ferien gehalten werden. Die Herren Lehrer unserer Anstalt sind treffliche Männer von ausgezeichnetem Wissen; jeder stehet seinem Fache vollkommen vor, und unterrichtet mit Lust und Liebe. Die Wahl derselben ist völlig zu billigen. Herr Arnold Klaber, Lehrer der Religion, Moral, biblischen Geschichte und hebr. Grammatik führt sein« Unterttcht von der Elementarklasse zweiten Jahrgangs durch alle Klassen höchst angemessen und stufenweise sott. Herr Treuer, Lehrer der deusschen Sprachlehre, des Briefstyls^und in den Elementarklassen der Sprachübungen und des Schreibens, ist als guter Pädagog bekannt. Außer diesen unterrichten'Äo'ch Herr Korlf im deutschen Lesen, in der Orthographie, Geographie, Geschichte, Mechanik und Stereometrie — Herr Ko ho im Zählen und Schreiben in den Elemenrarklassen, im Rechnen und in der Naturgeschichte — Herr Krohn im hebr. Lesen, Gcbctsformeln io der Elementarklasse; im deutschen Lesen, in schriftlichen Aussätzen, und in den Toldoth Israel. Außer diesen fünf Lehrern sind noch angestellt: Herr Adler im Schönschreiben, Herr Sachsel im Gesang, Herr Weißenberg im Zeichnen, und ein Lehrer in der ungarischen Sprache, Herr Kaufmann. — Hieraus erstehet man zugleich den Umfang der Lehrgegenstände, welche in unserer Anstatt derücksichttgt werden. — Jede Klasse hat ihr geräumiges Zimmer, so wie die Schule noch ein Quartier für zwei Schuldiener hat. Die Schule wird von beiläufig 250 Schülern besucht. Das Local (das gemiethet ist) fammt allen Ausgaben verursachen der Gemeinde jährlich, ca f. 6000 ConY. M. Kosten — gewiß eine bedeutende Summe. Es wird auch in unserer Anstalt an jedem S a b b-a t h (nicht aber an Festtagen) Morgens 8 Uhr vor der 5. big zur 1. Hlaffe, Gottesdienst gehalten, wo alle 14 Tage von den Herren Lehrern abwechselnd eine kleine moralische Predigt gehalten wird. Es wäre allerdings zu wünschen, daß, nachdem die Gemeinde so große Opfer für die Anstalt dringt, die »Winkel-Lehr-Schulen« aufgehoben würden, wie dies überall geschieht, wenn eine solche Anstalt in einer Gemeinde ia's Leben getteten ist. — Sehr zu loben ist aber auch die »Privat-Schul-Anstatt für israelitische Mädchen« des verdienstvollen Herrn Eibenfchütz und dessen Gattin, worüber nächstens ein Mehreres. Jüdische Professionisten haben wie einige Maurer, Schneider, Goldarbeiter und Uhrmacher, welche aber nicht zünftig sind, sondern unter der Rubrik »befugte« ihr Gewerk treiben dürfen. Die Chevra kadischah hat ein prächtiges Spital, dessen angemessene Einrichtung wir dem verehrten Herrn Dr. med. von Jakobowi tz zu verdanken haben. Dieser ist zugleich der älteste jüdische Arzt, und Mitglied der medizinisch en Facultät; neben ihm fungirt im Hospitale der Chirurg Herr Hoffmanu. Unsere Nachbarstabt Neu-Ofen, wo die israelitische Gemeinde nur aus einer kleinen Zahl Individuen besteht, hat so eben mit Anstrengung und Opfern eine israelitisch-deutsche Normalschule für Knaben und Mädchen, in Verbindung mit einer israelitischen Klein-Kinder-Dewahranstalt errichtet. Dies Institut wird nur durch Collecten erhalten, und es ist wirklich werth, von dev hochherzigen Erhaltern desselben ein Näheres beizubringen, was nächstens geschehen soll. — Unser verehrter Rabbiner Schwab ist zugleich Seelrrchirt für diese Gemeinde. Rcdacteur: Dr. L. Philrppfon. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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