Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 96 (11.11.1837)
- Date
- 1837-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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i. Z-hrga-g. Allgemeine No. Sv. Zeitung des Zudenthums. Ein mrparchensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigsier Concessron.) Leipzig, den 11. November 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Paris, 26. Aug. Der Studimrath hat entschieden, daß kein Lehramts-Candidat, der sich nicht für einen Anhänger eines der drei durch das Gesetz anerkannten Culte, des katholischen, protestantischen oder israelitischen erklärt, zur Prüfung zugelassen werden solle. Hiermit sind also namentlich die Anhänger der Chathel'schen sogenannten ftonzösischm Kirche ausgeschlossen. Don der polnischen Grenze, 3. Oct. Unter den Eigenthümlichkeiten der jetzigen russischen Regierung Polens ist auch hervorzuheben, daß die Juden sehr begünstigt werden, und man ihnen die ganze Gew erbthätigkeit des Landes überlaßt. — Es ist bekannt, daß längst die meistm Handwerker in Polen Juden sind: ein hinlänglicher Beweis, daß nach Maßgabe der Localität und begünstigender Umstände feit längerer Zeit, sich die Richtung auch der jüdischen Masse verschieden gestaltet. Paris, 19. Oct. Rach den neuesten Berichten, die das Dampfboot der »Acheron« am 14. Oct. von Tunis nach Toulon gebracht, befinden'sich die Iüben in Consta ntine, vor welcher Stadt die Franzosen bereits eingetroffen warm, in schrecklicher Lage. Die Araber fliehm aus der Stadt — die Juden dürfen aber nicht wagm, die Stadt zu verlassm, weil sie von dm Türkm geplündert werdm würdm, ehe sie hinaus kämm: sie müssen sich daher ihrem unglücklichm Schicksale crgebm. Hatte man aber bloß die Muthmaßung, daß sie die Stadt übergebm wolltm, würden sie diese Muthmaßung mit ihrm Köpfm bezahlm. — Seitdem ist bekanntlich die Einnahme von Constantine durch telegraphische Depesche bekannt gewordm. Die Details fehlm noch. Berlin, 30. Oct. (Privatmittheilung.) Die seit alter Zeit unter dem Titel Malbisch Animim bestehende Gesellschaft zur »Bekleidung der Armen« allhier, erlitt im Jahre 1829 eine erneuere, kräftigere Einrichmng. Sie ettheilt ihre Wohlthaten zweimal im Jahre, in der zweitm Hälfte des Monats Elul, und in der ersten des Monats Nissan. Die Unterstützungm geschehm nur in fertigm Kleidungsstückm, und nach dem Grundsätze, daß zunächst verlassme Waism, sodann die Erwachsmm weiblichen Geschlechtes, und demnächst die Männer zu berücksichtigen sind. Die Herren Ullmann und Jacob Goldschmidt wirkm mit unermüdlicher Thätigkeit für diese wohlthätige Anstalt und die Anschaffung ihres Bedarfs. In dem jüngst verflossmen Monate Ellul bewilligten die Herrm Aeltesten der Gemeinde wegm der herrschmden Cholera auf Veranlassung der genannten Vorsteher einm Exttabeittag von 600 Rthlr. — Es wurdm in diesem Monate vertheilt: 45 Oberröcke und 62 P. Beinkleider von Tuch an Männer und Knabm, 139 Kleider und Röcke an Frauen, 26 Jackm und Kamisoler, 53 Manns-, 82 Fraum-, 77 Kinderhemdm, 104 Paar Stiefeln und Schuhe, 119 wollne Binden, 48 P. wollne Sttümpfe und 47 Stück Mützm, Lackm, Schürzm und Tücher. Magdeburg, 1. Novbr. (Privatmitth.) Um dm Geist, der jetzt selbst in dm kleinsten Gemeindm herrscht, zu bezeichnen, ist es wohl nicht unwerth, hervorzuhebm, daß zu der 'Begründung des Vereins zur Beförderung des Ackerbaues, der Handwecke, Künste, Lehrer- und wissenschastlkchm Bildung unter dm Judm für die Provinz Sachsen (S. No. 42. und 66. dies. Zeit.), noch ehe die Aufforderung in die Provinz versmdet wurde, bloß auf die Nachrichtm in dieser Zeitung hin, die kleine Gemeinde in dem altmärk'schen Städtchm Clötz e, die 11 Familim zählt, auf Betrieb des Vorstehers, H. Friedmann, eine Liste von 9 Beitragendm und 8 Thlr. an fteiwilligem Eintrittsgelde einsandte. — Die Aufforderung ist, wegen einiger eingttretener Hindernisse, erst hmte nach allm Städtm der Provinz, wo Judm- Gemeindm sind, versmdet wordm, und ist man nun auf ‘ Resultat gespannt. Aachen, 21. Oct. Heute.früh starb hier nach langm Leidm an der Lungenschwindsucht M. I. Gusikow. Schon erschöpft, dm Keim des Todes in der Brust, war er aus Belgien hier angckommm, wo er mehrere Monate krank danicdergelegm hatte. Währmd seines langen Aufmthaltes hier vermochte er nur ein Mal, sich öffmtlich hörm zu lassm, eine Anstrengung, die sein Uebel noch vermehrte. Ec ist nur 32 Jahre alt geworden. Nicht blos daß er das undankbarste aller Instrumente mit künstlerischer Virtuosität zu behandeln wußte, hatte ihm einm so großm Ruf durch ganz Europa verschafft: es war mehr als das. Man fühlte, daß in ihm ein wahres musikalisches Gmie schlummette, das im Kampfe mit dem Mangel früherer'Bildung dm Körper zerstötte. Er lebte nur der Musik, durch die er sich augenblicklich krampfhaft aufrecht erhielt, um hernach desto müder zum Tode zurückzusinkm. (Stadt -Aachener Zeit.)