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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-11-09 · Heft 95 (9.11.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 95 (9.11.1837)
Date
1837-11-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i. Z-hrg-mg. ALLgswerKe Ro. SS. Zeitung -es Zudeuthums. Ein unpartheiisches Drgan für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächstscher allergnädigster. Corcestiou.) Leipzig, den 9. November 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Posen, 1. Novbr. ( Privatmitth.) Am 13. Thischri (12. Ocrbr.) nach 9 Uhr ging unser hochwürdiger Rabbiner Akiba Mose Eger, geboren zu Eisenstadt in Ungarn am 14. Marchcsvan 5512, aus seiner irdischen Laufbahn, auf welcher er mehr als 75 Jahre gewandelt harte, in die helleren Räume des jenseitigen Lebens über. Seit vielen Jahren altersschwach und oft am Rande des Grabes, war er schon im Monat Ab an Körper und Geist dermaßen gelähmt, daß mehrere Tage hindurch, nur schwache Lebenszeichen das leise Fortbestehen der verlöschenden Kraft bezeichnet«. Doch loderte sie »och einmal auf, um dem frommen Greise die Theilnahme an der Feier der dem jüdischen Stamme heiligen Tage zu gestatten, und verlosch erst ganz, nachdem ihm der Himmel dieses letzte Zeichen des Friedens und der Versöhnung gewährt hatte. Wie groß die Achtung war, welche er sich wahrend seiner 21jährigen Amtsthätigkeit hierorts im Allgemeinen erworben hatte, gab sich besonders dadurch kund, daß von seiner Sterbestunde an bis nach der Beerdigung sämmtliche Geschäftslocale und Läden der hiesigen jüdischen Gcmcindeglieder geschlossen waren. Seiner Leiche erwiesen fast alle seine hiesigen Glaubensgenossen de» letzten Liebesdienst des Geleites. Auch viele Wagen christlicher Notabilitäten schlossen sich dem Gefolge an, und es kann besonders hervorgchobm werden, daß auch der evangelische Bischof der Provinz auf diese Weise seine Theilnahme und hohe humane Gesinnung bewies. Auf dem Gottesacker wurden von dm Rabbinats- Assessoren drei Srandreden gehaltm, und wahrend dieser Zeit an jüdische und christliche Arme, welche sich zahlreich eingefunden hattm, Allmosen vertheilt. . Aus seinen Familienverhältnissen mag hier beiläufig erwähnt werden, daß 15 ihn überlebende Kinder in dem Verftorbenm dm zärtlichsten Vater beweinen. Seine letzte Gattin, die dritte Gefährtin seines Lebms, ging ihm vor einem Jahre im Tode voran, und ihr Verlust war es vorzugsweise, welcher der gebrechlichm Gesundheit des Greises dm letzten hartm Stoß gab. Der Ruf, dm sich der Verewigte durch seine literarischen Kmrttnisse und durch sein tiefes, von einem klarm Verstände geordnetes talmudischcs Wissen erwarb, und welchm er außerdem in sittlicher Beziehung durch seine Anspruchlosigkeir, sein strenges Rechtsgesuhl, durch persönliche Uneigennützigkeit, sowie durch unablässige Dimstleistungrn an Jeden, der seine Mitwirkung erbat, in nahem und semem Kreise zu sichem wußte, war in ganz Europa, und selbst in einem Theile Asiens so groß, daß ihm in dieser Hinsicht kein Rabbiner neuerer Zeit an die Seite gestellt werdm kann. Aus dieser Quelle seines Ruhmes floß der wohlthätige Einfluß, welchm er durch Wort und Schrift auf die Existenz und das Glück vieler tausend Familim übte, und alle diese wird die Nachricht seines Todes mit dem Schmerze eines persönlichm Mißgeschickes erfüllen. Diese Aeußerungen seines rastlosm Wirkms hier im Einzelnen zu verfolg«, kann nicht die Tmdmz dieser Mittheilung fein, aber von seinen in allm Gegmdm Europas verbreiteten Schülern, deren Zahl mehr als 1500 ist, von dmm nicht wmige durch Geist und Wissm ausgezeichnet eine höhere Stellung im Judmthume einnehmm, werdm es gewiß mehrere als eine würdige Aufgabe bewachten, durch eine speziellere Lebensschilderung dem Hingeschiedmm das verdiente Ehrendenkmal in der Geschichte der Synagoge zu setzm. Aus einer solchm ausführlichm Darstellung seiner Erziehung, seiner Bildungsart und seiner Verhältnisse zu dieser Provinz und zu den Reformm, welchm das Judmthum an dm meistm Ortm Europas währmd seiner letztm Lebensjahre entgegmgegangm ist, wird sich bestimmter, als hier auseinandergefttzt werdm kann, ergebm: .weshalb der besonders ostwärts hochberühmte Rabbiner am Orte firner geistlichm Thärigkeir selbst, nammtlich in Bezug auf die innere Organisation der seiner Leitung anverwautm Gemeinde nicht so wohlthatig und mergisch einwirkte, als man es von den Geisteskräften und der Seelentüchtigkeit des Mannes erwartm konnte, aus welchem Grunde er mehr in vereinzelten, wiewohl großartigen Handlungen als in Begründung durchgreifmder Jnstimtionm, wie sie der gegmwärtigm Zeit angemessm wären, seine edeln Eigmschaften darzulegm vermochte; — weshalb er an dm Ueberlieferungen der Vergangmheit mit achtbarer Trme festhaltmd, jedes Rütteln an dem Gemäuer mit besorgt« Blickm bewachtere, und cs vorzog, dm überkommmen Schatz in seinem ganzen altm Gusse ungeschmälert zu erhalt«, aus Furcht, durch Verschmelzung in neue Formen dm Werth desselbm zu verringern, — weshalb er mehr durch Abwehr« solcher Veränderungen, welche seiner Ansicht nach mit dem echtm Judmthum unverwäglich warm, demselben zu dienm suchte, als durch zweckmäßige Fortbildung des Culws und der Gemeinde-Verhältnisse innerhalb ihrer sankrionirten Grmzm. Hierdurch konnte es aber nicht fehlm, daß sich nicht wmige Gemeindeglieder, solchen konservativen Gesinnung« ftemd, dem Jndiffermtismus gegm die traditive Lehre ergaben, i und von dm Wirkungen feiner Rabbinatsthätigkeit wenig

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