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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-28 · Heft 90 (28.10.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 90 (28.10.1837)
Date
1837-10-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. ££§ £ Hl £ t tt S Nv. 90. Zeitung -es Zir-enthmns. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mir KöniAl. Sächsischer allergnädigster Coucestiou.) Leipzig, den 28. October 1837. Politik. | Zeitungsnachrichten.! Hamburg, 10. October (Privatmittheilung.) Hoftarh > Thiersch aus München, der von Göttingen aus auch Hamburg auf mehrere Tage besuchte, zeigte eine lebhafte Theilnahme für das hiesige Schulwesen, besuchte auch mehrere 1 Schulen persönlich, unter anderen auch eine jüdische (zusammen mit dem in der pädagogischen Welt rühmlicher bekannten Direktor Immanuel aus Minden). Bei dieser 1 Gelegenheit äußerte er sich sehr vortheilhafr über die auf baierschen Gymnasien studirenden Juden, und bemerkte, er fände auf feinen Jnfpectionen überall einige jüdische Jünglinge, welche die Ersten in den Klassen wären. Dasselbe bestätigte Direktor Immanuel von dem unter seiner Leitung stehenden Gymnasium, auf welchem indessen' nur sehr wenige Juden sich befinden: besonders sei bei ihnm das Sprachtalent hervorragend, in den sogenannten Realien leisteten sie verhältnißmäßig weniger. Auf die Bemerkung, daß in Baiern durch die letzten Verbote der Regierung, diejenigen Juden zu Gymnasien zuzulassen, welche am Sabbath nicht schreiben wollten, die Bildung der ganzen Nation gehemmt sei, erwiedette Hoftath Thiersch, dieser Verordnung werde weiter keine Folge gegeben, indem es ja kein wirksameres Mittel gebe, die sittliche Bildung der Juden zu befördern, als indem man ihnen die Theilnahme an den öffentlichen Instituten der Bildung gestatte. Auch sprach er sich lobend über das Institut des vr. Brentano in Fürth, seines ehemaligen Schülers,' aus. (Dem Vernehmen nach ist dasselbe später eingegangcn.) Ueberhaupt hat die Erscheinung dieses ausgezeichneten Gelehtten in Hamburg sowohl wie in Kiel, bei dem VerS " eine der norddeutschen Schulmänner, einen höchst günstigen Eindruck gemacht. Ueberall, wo er nur konnte, nahm er Gelegenheit, sich auf's kräftigste zu Gunstm des Humanismus gegen den immer mehr überhandnehmenden Realismus . auszusprechen.*) — Wir erleben hier gegmwärtig einen sonderbaren Eonflict, der wohl der Veröffentlichung werth ist. Bekanntlich kommen hier jährlich gegen das Laub hüttenfest eine nicht *) Es ist hier wohl am Orte, zu bemerken, daß das Sprachstudium in jüdischen Schulen immer bedeutend befördert bleiben wird, da das Studium der hebräischen Sprache schon von selbst darauf hinführt. Möge dieser Wink nicht unberücksichtigt bleiben. D. Redact. ganz unbedeutende Zahl Etro g im, unter dem Namen Paradiesäpfel (ital. cedri) von Genua Und Livorno in den Handel, und werden theils hier verbraucht, theils und größtcntheils aber in das ganze nordöstliche Europa versandt. Diese Etrogirn sind theils calabresischen, theils corsischen Ursprungs. Nun hat der Alronaische Rabbiner, Herr Jacob Ettlinger, die corsischen, welche die schöneren sind, zum Gebrauch beim Cultus verbotm, weil sie nicht auf völlig fteiem Naturwege erzeugt mären. Da nun unser Chakam, Herr Bernays, der es wohl eben nicht zeitgemäß finden mag, jetzt die Ausübung der Ritualpflichten noch zu erschweren, auf diese Ansicht nicht eingeht, so sind die Corsikaner in Hamburg erlaubt und in Altona verboten. London, ö. Oct. Zu Ehren der Herren Georges Earroll und Moses Montefiore wurde hier gestern im Saale der merchantg tailors ein großes Banquer gegeben, da diese zu Sheriffs von London und der Grafschaft Middlesex erwählt worden; der letzte ist, wie schon sein Name anzcigt, Israelit. Dieses Bürgerfest scheint an Pracht alle überttoffen zu haben, welche man bis jetzt jährlich den gewählten Sheriffs zu Ehren gegeben hat. Es waren ungefähr 400 Gäste, unter denen sich eine Menge Standespersonen, Gesandte, Parlamentsmit- . glieder u. s. w. befanden. Der Lord Mayor hatte den Vorsitz, zu seiner Rechten und Linken die neuen Sheriffs. Als man nach den gewöhnlichen Toasten ihre Gesundheit ausgebracht hatte, nahm Herr Montefiore das Wott, und indem er seinen Dank gegen die Gesellschaft aussprach, sagte er, daß er seine Erhebung zu einem Posten, von dem seine Vorfahren immer ausgeschlossen gewesen, als eine schmeichelhafte Anzeige von dem unwiderstehlichen Fortschritt des liberalen Geistes bettachte, durch dessen Wirkung man bald alle Rechtsungleichheiten, die sich auf Verschiedenheit der Religion gründen, abgeschafft sehen > Der General-Anwalt hat dem Toaste zu Ehren der Minister Ihrer Majestät geantwortet. Er erklärte, daß er die Politik nicht berühren wolle, und daß er glaube, sich beschränken zu müssen, die mit Stolz gemischte Befriedigung auszudrücken, welche er empfinde, beigetragen zu haben, die Maßregel in dem Unterhause pasfiren zu lassen, die die Bürger von London in den Stnnd gesetzt, zum Sheriff ein Mitglied der Religion zu wählen-, welcher Herr Montefiore angehört. Ec fügte hinzu, daß er hoffe, daß der Tag nicht fern mehr sei, wo jeder bür-

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