Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 87 (21.10.1837)
- Date
- 1837-10-21
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
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346 Frauen nicht nur keine Freiheit, keine Selbstständigkeit hättm, sondern gesetzlich als Sclavm des Mannes betrachtet würden, und in moralischer und religiöser Bildung auch jetzt noch auf der niedrigsten Stufe standen. Wir achteten jedoch darauf nicht, weil nur Unkunde mit dm jüdischm Jnstitutionm oder böser Wille dem falschen Urtheile zu Grunde lagen. Ganz anders dagegm muß uns ein Vorwurf dieser Art berühren, wmn er aus der Feder eines jüdischen 'Theologen unserer Zeit fließt. Unserer Zeit, sage ich, in der jeder Judmfeind nach solchem begierig hascht, um ihn in irgmd einer konstitutionellen Kammer als Gewähr für seine inhumane Behauptung auszustellen — in unserer schreibelustigen Zeit, wo viele jüdische und nichtjüdische Gelehrte, obgleich unbekannt mit dem Geiste, ja oft mit dem Buchstaben der Thora, des Talmuds, und der hebräischm Literatur, sich nicht mtblödm, als Refvrmatorm der jüdischm Institution auftutreten; und wmn auch von Gelehrten überschauet, doch bei einem großen Theil von Lesem Eingang findm und falsche Ansichten begründen. — Wmn nun in dieser Zeit ein jüdischer Theologe mit Verunglimpftmgen des Gesetzes und altm Gebräuchm auftritt und mit grellm Farben ausschmückt, um das Iudmthum herabzuwürdigm, so muß dies unfern höchsten Unwillm erregen, “pmin risn 'nb rrrasb ris Dies war der Fall mit dem Aussatze: »Ueber die Stellung des w eiblichen Geschlechts« aufgenommm in der Zeitschrift: »Wissmschastliche Zeitschrift für Theologie« von vr. Ab. Geiger 3. B. 1. Heftes 1836. S. 1—16.*), welches um so wmiger mir Stillschweigen übergangen werdm darf, als diese Zeitschrift sonst recht wacker f&t das Judmthum kämpfte und Gediegmeres zu tiefem pflegte. - Die Ansprüche des zweitm Geschlechts sind im bürgerlichm und religiösm Lebm gedoppelter Art: 1) als Mensch, an Der von der Natur ihm verliehmm Freiheit, und 2) als Weib, auf unsem Schutz, Beistand und Achtung, die ihm vermöge seiner Schwäche aus Zartgefühl gebührt. Wie diesm Anfprüchm bei dem Jsraelitm genüget wordm und werdm, darüber dimm uns als Leiter: die heilige Schrift, unsere Gesetzbücher, unsere Sitten und Gebrauche, seitdem unsere Nationalität sich gestaltet har. Wir wollen daher zuvörderst unsere Thora auftvlle»,, da finden wir gleich am Anfang« in zwei Becsm (2 M. 23, 24) das Alef unb Tau der Frauenwürde. »Diese, sagt Adam, ist wahrlich ein Wesm meines Wesens; — daher verläßt der Mann Vater und Mutter und hangt an seiner Frau — und sie sind ein Körper.« *) Und abgedruckt in der franz. Zeitschrift: 1» Regeneration. D. Redact. Das sagte der erste aller Propheten, und damit schließt dcr letzte (Mal. 2, 15.) ~ »Wie, hat Er (Gott) sie nicht'ei ns geschaffm?« Ein Wesm machen also Mann und Frau in jeder Bezichung aus, und nur Liebe kann die Einheit begründm, und das Band der Ehe so fest knüpfen; wohin auch alle diesfallige Gebote und Jnstitutionm des Gesetzes zielm und keine Ausnahme zu findm sein dürste.*) .Aber das Weib wollte nicht in dm Schranken der Vernunft bleiben, willkürlich wollte sie handeln und wurde lüstern — Da wurde ihr (Ibid. 3, 16.) von Gott ihre Bestimmung kund gethan: Kindere^mgm ist deine Bestimmung, Anhänglichkeit und Sehnsucht nach deinem Mann; er soll dich leiten. * 2) Keine tyrannische Herrschaft soll sich der Mann über sein« Frau erlaubm, nur mit Liebe und Trme soll er sie zu ihrem Wohl beherrschm; sie vor eigmer Gefahr fchützm, damit ihre Verbindung eine gegmseitige Beglückung wecke. Diese göttliche Bestimmung nun, in Beziehung des zweitm Geschlechtes, waltet in der ganzm heiligm Schrift vor; wchet sanft über die Jnstitutionm des Talmuds, und achmet, warm in dm Gebräuchen Israels. Der Hauptzweck der Ehe jedoch ist: Kindere^mgung. Dies ist das erste Gebot (1 M. 1.) -Q'iq qis, und dies besiegeft Malachi (ibiä.) mit dm Wortm: Und was bezweckt diese Einigkeit? — Göttliche Kinder, 3) und Kinder wurden für einm Segm Gottes gchaltm (1 M. 24, 60. 48, 16. Pf 127, 3. u. a. m.). Um nun diesm Zweck zu erreichm, sähe sich der Ehemarm oft gmöchigt, mehr als eine Frau zu heirathm, ohne daß die erste dadurch in ihren Rechten geschmälert werdm dürste (vergl. 2 M. 21, IO. mn« ja, die erste Frau selbst suchte dm Mann zur Annahme einer zweitm Frau zu bewegm, wie unsere Urmutter Sara und auch Ra Hel und Lea; theils um ihm Nachkommm zu verschaffen, theils um adoptirte Kinder zu habm ('22« W was;). Das Weib wurde überhaupt, wo es nicht in besonderer Beziehung aufgeführt werden mußte, in der 2. Pers. maso. oder dem Worte rv'« mit begriffen. So finden wir sie z. B. im Dekalog bei der Sabbatfeier .unter nn« mit eingeschlossen; und (2 Mos. 16,16.29.) ib2« «ßb w'« *epb und «2j£ b« iöipaö «'«. Durste etwa die Frau dm Manna nicht aüflösen, wmn der Mann krank war? Oder sollte der Fra« das Hermvlanfen am Sabbat erlaubv wordm sein? 2) Das Zeitwort biB» heißt nicht tyrannisch herrschen, sondern auch sanft regieren, leiten, ein Amt verwallea, — und auch die geliebte gebildete Europäerin sagt noch jetzt: mein Herr Gemahl. . *) tpnj« -w- Ü'Nb« '22 d.h. cheliche, nach Gottes- Wülm, gut gerathme Kinder.