Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-19 · Heft 86 (19.10.1837) · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 86 (19.10.1837)
Date
1837-10-19
Page
Seite 344 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224825--00572-3298890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

344 Und hat ihn ausersehn, Und, gleich dem Mond, in Höh'n, La er wird nie vergehn. Gegründet seinen Thron, Der ewig steht hinfort. Nach seinem heil'gen Wort, So wie dem David dort Der Herr geschworen schon. Wie geschrieben steht: Wie dem David der Herr geschworen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Salon. (Fortsetzung.) Die Zahl der Juden in Constantinopel beträgt gegenwärtig 40,000 Seelen; ihre Sprache ist außer der landesüblichen türkischen die spanische, deren ste sich sowohl zu commerziellen als auch zu literarischen Zwecken bedienen. Ihre Namen sowie ihre häuslichen und syaagogalen Gebräuche (Ü^A77272) sind gewöhnlich nach der Weise der Sefardim. — Im Jahre 1749, so erzählt Br. Guttenstein in seiner Geschichte des spanischen Volkes, begab sich der berühmte Orientalist Casiri auf die Escurial-Bibliothek, deren Aufseher er in der Folge wurde, und sammelte hier die Materialien zu seiner berühmten »Bibliotheca arabico-bispana ,< welche in 1851 Artikeln die sämmtlichen Handschriften der Bibliothek des Escurials aufzählt, die bekanntlich an arabischen und Misch - arabischen Manuscripten die'reichste in Europa ist. Dieses von Jrrthümern nicht ganz freie Werk enthält die ^wichtigsten Angaben und Auszüge der Misch - arabischen Literatur, und ist ein unentbehrliches Repertorium für jeden Orientalisten. Eine Kritik dieses Werkes siehe in Meusels historischer Zeitschrift B. 3. S. 479.— Im Paschalik von Bagdad und in Arabien herrscht bei den- Juden noch gegenwärtig die Polygamie, aber bei den Juden in der europäischen Türkei ist die Polygamie trotz der umgebenden polygamischen Sitte verschwunden. — ' Der letzte Jude, der zu Constantinopel in hohem Ansehen stand und großen Einfluß hatte, war der sehr reiche und würdige Sabati, Zahlmeister der Janitscharen. Durch die Gier, sich seiner großen Reichthümer zu bemächtigen, aufgestachelt, wurde er bösfflitttg in den Untergang der Janitscharen mit hineingezogen und in der Mitte seiner Familie überfallen und erdrosselt. Seine Güter und Reichthümer wurden zum Besten des Schatzes confiscitt, aber fein Verbrechen hat man nie erfahren. — DaS Trifolium der modernen hebräischen Briefstellerei. 1) Ketab Joscher, oder hebräischer und deutscher Briefsteller von SalomKohen. 2) Miktabe I brit, ein ähnlicher Briefsteller von Mose Samuel Neumann; beide in Wien gedruckt. 3) Mifteach Bet David, eine epistolarische Centurie, von David Samostz, in Breslau gedruckt. — - Die Complutensische vielsprachige Bibel. Auf Betrieb und Kosten des Kardinals Ximenes de Cisneros wurde in den Jahren 1514—1517 das große biblische Polyglottenwerk zu Complutum, Name der berühmten Universitätsstadt Alcala de Henares in Spanien, in 6. Foliobänden zu Stande gebracht.' Der Redacteor und Hauptarbeiter dieser Polyglotte war der ausgezeichnete jüdische Gelehrte Alphdaso Zamora, Professor der orientalischen Sprachen an der Universität zu Alcala, der. vorzüglich den hebräischen Text und die aramäischen Paraphrasen mit ihren lateinischen Uebersetzungen besorgte. — Der gegenwärtige Katechet in Odensee, A. D. Cohen, hat kürzlich eine historische Schilderung der Juden in Dänemark herausgegeben, welches Werk mit Umsicht und Fleiß ausgearbeitet ist. Mir historischem Takte find in der gegebenen Geschichte zugleich ■ alle seit 1651 das jüdische Interesse berührende Gesetze und Derordnungen mitgetheilt, daher für künftige Bearbeiter der jüdischen Geschichte von Wetth. — Bon der bei M. Beit erscheinenden Bibelübersetzung ist nun auch das zweite Heft erschienen; wie wir bestimmt wissen, hat Br. Fürst noch nicht den entferntesten Antheil daran genommen. Unter der Verwaltung des großen Pombal (in Portugal) hatte die Priesterpartci den König Joseph überredet, jenes Abzeichen des Judenthums, den gelben Hut, zu erneuern, um die vielen Christianos novos unter seinen Unterthanen zu bezeichnen. Das Edikt war vorbereitet. Den andern Morgen" erschien der Minister wor seiner Majestät mit drei gelben Hüten; einen bot er 1 dem König au, den andern brachte er dem Großinquisitor, und den dritten hatte er für sein eigenes Haupt bestimmt. »Ich gehorche den Befehlen Ew. Majestät,« sagte er, »und versehe mit diesem Abzeichen diejenigen, deren Blut durch Misches befleckt ist.« — d'Jsraeli. Bücher-Neuigkeiten. Schurat Hadkn, oderAnweisung zur Regulirung der israelitisch - religiösen Lebensatt, durch die Scheidung der talmudsschen Interpretation von den talmudischen Erschwerungen. Bon Br. Cr ei zn ach. Frankfttt a. M., 1837. Dieses Wettchea bildet den zweiten Theil des 1833 daselbst herausgegebenen Thariag, oder Inbegriff der mosaischen Vorschriften nach talmudischer Interpretation. In beiden Werkchen ist die Zerfallenheit des jüdisch-religiösen Lebens und die Gährung und Bewegtheit der Synagoge so tief und versöhnend erfaßt, wie man es in andern modernen Reformschriften fast gar nicht findet. Die Synagoge ist bekanntlich nicht wegen einer Differenz in Lehrbegriffen erschüttett, sondern durch den Mangel eines, Lehrbegriffs überhaupt;, der Lehrbegriff aber ist nichts Anderes als das Gesetz, mit den tausendfarbigen Deutungen desselben, und der beste deutende Pttester ist derjenige, welcher die Farbe des Lichtes und des Lebens herausfindet. Die Deutung des Gesetzes ist das eigentliche Dogma, und in diesem Dogma zeigt sich uns eine Fülle vou einander bedingenden, auf die kulturgeschichtliche Entfaltung der Juden bezüglichen Erscheinungenwelche der Dogmatiker zu combiniren und in einen systematischen Zusammenhang zu dringen hat. — Neuer Beitrag für hebräische Sprachkunde. So eben ist unter den Orientalisten verbreittt: Prolegomeni ad una Grammatica Ragionata della lingna Ehraica di S. D. Luzzatto. Padova, 1836: 8. Dieser ausgezeichnete und fleißige jüdische Gelehrte, den Gesenius den besten Orientalisten Italiens nennt, ist in der-gelehrten Welt bereits durch seine historisch*kritische Arbeit na ttNldr, über des Onkelos Targum, Wien, 1830. 8., sowie durch sein vottrefflichcs Liederbuch Kinor Naim (Wien, 1825) bekannt, und diese Prolegomenen zu einer rationellen Grammatik sind vorzüglich im historischen Theile sehr bedeutsam. — Bon dem bekannten Schriftsteller Meir Letteris in Wien ist so eben in hebräischer Sprache erschienen: Chikre-Leb, ein Sendschreiben über das höhere Studium der heiligen Schrift. Presburg, 1837. 12. Don demselben Verfasser ist früher bekannt geworden: 1) nnp ein hebräisches Liederbuch, Io lkiew, 1822. 8. — 2) njWH , ebenfalls eine Liedersammlung, daselbst gedruckt. — 3) iTV*B2cn, oder der neue Meassef, daselbst 1822. — 4) nö’ 574,-oder eure freie Bearbeitung der AtHalie von Racine /Wien,' 1836. (Jortsetzuna folgt.) Rcdacteur: Br. L. PHLlippsou. — Verlag von BamvgartaerS Buchhas-Irnrg. — Druck von W. Haack.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.