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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-19 · Heft 86 (19.10.1837) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 86 (19.10.1837)
Date
1837-10-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I. Jahrgang. SUfgentttttt Rv. 86. Zeitung des Zudcnthumü. Ein unparchensches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köm'gl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 19. Oktober 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. London, 29. Sept. Gestern wurden die neuen Sherifs, Carroll und Monte fröre (Letzterer israelitischer Religion, *) Wir bringen hierüber Folgendes vom 7., 8. und 13. Ocrober 1835 an: 1) Vom 7. Oktober a. c. »Gestern ist unser neuer jüdischer Scheriff beeidigt worden. Es war eine sehr große Versammlung zugegen, und er fuhr in einem Prachtwagen, im Auge der übrigen Stadt-Beamten'; heute wohnte er mit diesen dem gewöhnlichen Gottesdienste bei, — und alles dieses geschah, ohne daß nur ein Straßenjunge sich hätte einfallen lassen, ein schimpfliches Wott auszustoßen, obgleich Alles neugierig war »»Ibe Jew-Sheriff«« zu sehen. Das Parlament hatte bekanntlich in der letzten Session den Eid verändett, damit der Wahl der Bürger kein Hinderniß entgegen stehe, und er schwur nach jüdischer Weise auf eine hebräische Bibel mit bedecktem Haupte, ohne daß irgend einer von den versammelten Hunderten eine Spöttelei darüber vernehmen ließ. Es kann dies als Beweis gelten, welche Riesenschritte wir auf dem Wege wahrhafter Humanität gemacht haben.« 2) Vom 8. Ottober a. c. »Vorgestern fand in der London-Tavern das Inaugurations- Diner der neuen Scheriffs von London und Middlesex, John Lainson und David Salomon, statt. Der Erstere sagt in der Rede, die er bei dieser Gelegenheit hielt, er habe nicht eher etwas von der hohen Ehre geahnt, die'ihm widerfahren, als bis er seine Wahl in den öffentlichen Blättern angekündigt gefunden, und er könne sich daher überzeugt fühlen, daß er das Scheriff-Amt nur-seincr Rechtlichkeit verdanke. Der Letztere dankte ebenfalls, für die ihm zu Theil gewordene Ehre, und sagte, es gereiche ihm zur besondern Freude, daß er zu diesem Amte gerade in einer Zeit gelange, wo es allen Anschein habe, daß damit verknüpfte Erfüllung einer peinlichen Pflicht immer seltener werde ausgeübt zu werden brauchen, denn die Zahl der Hinrichtungen nehme in Folge der Milderung der Criminal-Gesetze, in Folge der größern Verbreitung des Unterrichtes und Vervollkommnung der Sittlichkeit immer mehr ab, wie denn in den letzten beiden Jahren in London und Middlesex gar keine öffentliche Hinrichtung statt gestruden habe. (Hört! hört!) »Ich fühle,« fügke Herr Salomon hinzu-, »wenn ich auf den religiösen Glauben sehe, zu welchem ich mich bekenne, daß ich zu dem Amte, welches mir anverttaut worden, auf eine Weise erwählt worden bin, die nicht nur mir persönlich zur großen Gcuugthuung, sondern auch dem Zeitalter, in welchem wir leben, zu außerordentticher Ehre gereicht. (Lauter Beifall.) Wir leben in einer Zeit, die sich nicht nur durch ehrenvolle Werke des menschlichen Herzens und des menschlichen Verstandes auszcichnet, sondern vor Allem durch die Siege, die sie über die Doruttheile der religiösen Erziehung errungen hat. Ich bin überzeugt, daß mein individueller Glaube mich von meinen Mitbürgern nicht ttennen wird. Ich habe stets diejenige Regierung für die stärkste gehalten, welche die toleranteste ist, die sich in die Gewissensangelegenheiten Anderer nicht einmischt, sondern nur bemüht ist, die Wohlfahrt des Landes zu sichern, die gern Allen gleiche Rechte einräumt. s. No. 35. dies. Zeit.), vereidigt. Letzterer auf dieselbe Weise, wie sein Vorgänger Salomo ns. *) und die vollen Vorthcile der Constitution gewährt, wenn sie ihr nur dafür Bürgschaft leisten, daß sie blos die Beförderung des Gemeinwohls vor Augen haben.« (Anhaltender Beifall.) Der General-Procurator, Sir I. Campbell, der dem Diner beiwohnte, bedauerte es, daß die Kabinets-Minister zum Theil durch Abwesenheit von London, zum Theil durch Amtsgeschäfre, wie namenttich Lord Palmerston, dem unerwattet vor zwei Stunden im auswärtigen Amte etwas in die Quer gekommen sei, verhindert würden, bei dieser Feier einer großen Epoche in den Annalen der Religions- Freiheit gegenwärtig zu sein, die sie herbeizuführen das Ihrige gethan, indem sie augenblicklich, als sie von den Hindernissen gehört, die der Vereidigung des Herrn Salomon als Scheriff von London entgegenständen, eine Bill entworfen und dem Parlamente vorgelegt hätten, die ohne Opposition durchgegangcn sei und jene Hindernisse hinweggcräumt habe. Schließlich sprach der Redner die Hoffnung aus, daß man bald die Zeit erleben werde, wo bei keinem Amte mehr der religiöse Glaube als ein Prüfstein der Befähigung eines Menschen zur Verwaltung desselben gelten würde. 3) Vom 13. October. Der Herzog von Süsser war zu dem Jnaugurattons-Diner der neuen Scheriffs von London durch folgendes Schreiben eingeladen worden. Im Aufttage der für London und Middlesex gewählten Scheriffs haben deren unter-Scheriffs an Eure Königliche Hoheit eine Einladung zu ihrem Jnaugurattons - Diner ergehen lassen, welches, dem alten Brauche gemäß, am 30. d. M. stattfinden wird, und sie hoffen, daß das Fest durch die Gegenwatt Ew. Königlichen Hoheit verherrlicht werden wird. Der Herr Scheriff Salomon ist ein Bekenner des jüdischen Glaubens, dessen Vorfahren einem bedeutenden Handelshause in der Stadt London über ein Jahrhundett mit hoher Auszeichnung vorstanden, während sie durch die ausschließenden Gesetze der City alles Antheils an der Ehre bürgerlicher Aemter beraubt blieben, obgleich sie allen Pflichten und Obliegenheiten des Bürgetthums unterworfen waren. Dem jetzigen Zeitalter gereicht es zum Ruhme, daß ein Theil dieser abgeschmackten und ungerechten Vorschriften durch gewisse, vermittelst einer in der letzten Session durchgegangenen Parlaments-Acte bestätigte Reben-Gesetze der Corporatton aufgehoben, und daß Herr Salomon, als das erste Mitglied der Juden-Gemeinde, welches zu der ausgezeichneten Würde eines Scheriffs erhoben wurde, von den Londoner Bürgern gewählt qwrden ist. Die edeln Bemühungen, welche Ew. Königl. Hoheit eine^Reihe von Jahren hindurch angewandt haben, um für die Unterthanen der Krone von Groß- Britanien, ohne Ansehung ihres religiösen Glaubens, gleiche Rechte zu erlangen, lassen Herrn Salomon hoffen, das Ew. Königliche Hoheit huldreich geruhen werden, einem Feste, durch welches, außer seinen gewöhnlichen Zwecken, die harmonische Uebereinstimmug der Legislatur, der Corporatton und des Volkes in der Vettilgung secttrischer Unterschiede, in der Beseittgung praktischer Beschwerden und in der Beförderung liberaler Ansichten gefeiert werden wird, die hohe Sanctton Ihrer Königlichen Gegenwart zu verleihen. Ich habe die Ehre zu sein Ew. Königl, Hoheit gehcrsamst unterthäniger Diener Guildhäll, 15. Septemver. (gez.) CH. Pearson.

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