Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 1 (1837)
- Issue
- Heft 82 (10.10.1837)
- Date
- 1837-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3224738-3224821--00549-3298857- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i. Z-hrg°ng. AktgeMsirre No. 82. Zeitung -es Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concesston.) Leipzig, den 10. October 1837. Politik. Zeitungsnachrichten. Paris, 19. Sept. Herr de Cerfberr, Consul Frankreichs;u Haiti, ist gestern Abend abgereist, um sich zu seiner Bestimmung auf dem Wege von Bordeaux zu begeben, wo ihn die Brigg le Jeune-Auguste erwartet. Die Abreise dieses Diplomaten mit seiner ganzen Familie bestätigt das Gerücht der friedlichen Sendung, welche ihm anvertraur worden. Die zu Paris seßhaften Haitier haben-Ihn mit Freude abreisen sehen, da sie von den trefflichen Gesinnungen dieses Mannes überzeugt sind, welche in die neuen Verhältnisse, die mit ihrer Regierung eröffnet sind, von ihm gebracht werden, und von der vollkommenen Kennmiß, welche Herr Cerfberr von der Haitischen Frage besitzt, indem er schon zehn Jahre die . Funktionen als Consul erfüllt. St. Petersburg, 16. Sept. Nach einem ftührrn Dekrete -ist es den Hebräern (denn so nennt man in Rußland die Juden von Seiten der Regierung stets) in Kurland gestattet, anstatt nach Sibirien (s. No. 1. d. Zeit.), nach Bessarabien und Neurußland übcrzusiedeln. — Gemäß einer nunmehr erfolgten Bestimmung sollen diejenigen Hebcäerfamrlien tn Kurland, welche Nachweisen, daß sie wegm Vorbereitung zur Abreise nach den südrussischen Cvloniecn bereits früher ihre Habe verkauft haben, bei der Abfertigung vorzugsweise berücksichtigt werden. Nach den eingegangenen Listen über die Personen dieser, als der schwächeren Kategorie, beläuft sich ihre Anzahl schon auf 4000 Köpfe. Berlin, 18. Sept. Am gestrigen Tage wurde in Gleißen bei Aielenzig in der Neumark ein heiteres, erhebendes Fest eigner Art begangm. Es war die Weihe der dortigen Kirche, welche ein Mitglied der Gemeinde, der Herr Geheime Commerzienrath Henoch, seinen christlichen Mitbürgern^mit ungewöhnlicher Freigebigkeit, Selbstverlaugnung und Aufopferung erbaut hatte, und auf das Schönste ausschmücken lassen, so daß dieses Gotteshaus wohl die schönste unter den Landkirchcn der Mark sein dürfte. Das Fest war glänzend ausgestattcr, und hatte selbst aus der fernen Residenz eine große Anzahl angesehener Gaste hcrbeigczogcn, welche größtentheils in dem geräumigen Schlosse des Wohlthäters, welchem, das Fest seinen Ursprung verdankte, ausgenommen und bewirthet wurden. Die kirchliche Feierlichkeit, mit welcher das neue Gebäude cingcweiht wurde, war erhebend. Im feierlichen Zuge, an welchen sich die Dorfgemeinde, unter Anführung des Schulzen, die Bergleute des benachbarten Hüttenwerks, die zahlreiche Innung der Seidenwirker, die Schuljugend und zuletzt weißgekleidete Mädchen mit Musik und Fahnenträgern anschlosscn, verließ man das Schloß. Der Octsgeistlichc, Prediger Zeuschner, hielt auf dem Standort der alten Kirche die Abschiedsrede, der Regicrungs-Commissar Superintendent R o th aus Lübben in der höchst geschmackvollen und mir einer Orgel versehenen neuen Kirche die Weihrcde, die Predigt der Octsgcisiliche, uttd die Liturgie und den, Segen sprach der Superintendent Schramm aus Dressen. Die erhebenden Chorgesänge zwischen diesen Reden leitete der königl. Conccrtmckster Gans und der Sohn des Besitzers; unter den mirwirkenden Solosängern und Sängerinnen aber 'sah man Fräulein von Faß mann, Mlle. Caspary, den königl. Sänger Herrn Stümec und Herrn Braune aus Berlin. Nach der kirchlichen Feierlichkeit kehtte die ganze Gesellschaft nach dem Schlosse zurück, um an den rcichbesetztcn Tafeln ein Festmahl einzunehmen, bei welchem der Wirth zuerst sein Glas erhob und das Wohl des allgeliebten Königs ausbrachte. Vor den Fenstern der Säle wurde die Dorfjugcnd festlich bcwirlhct, und Musik, Gesang — wobei auch die talentvolle Tochter des Hauses mitwirktc — und Tan; verlängerten das Fest in dem liebenswürdigen, gastlichen Hause bis zum Morgen. Der größte Theil der Gemeinde dieser Kirche besteht aus den Arbeitern der großen, von dem genannten Besitzer geschaffenen Fabriken und Hüttenwerke auf jener Herrschaft. Die Scidenfabriken beschäftigen an Ort und Stelle allein gegen 800 Menschen, und sammtliche hier vereinigte commerzielle Etablissements lassen sich bei uns nur mit den Anlagen des verstorbenen Nathusius in Haldensleben vergleichen, als diese noch in ihrem ganzen' Flor waren. Warschau, 20. Sept. Wir haben in No. 13. d. Zeit, die Bevölkerung Warschaus nach Ehepaaren gegeben. Nach der-Handels-Zeitung aber bestand die wirkliche Bevölkerung am Schlüsse des Jahres 1835 aus 133,834 Personen, worunter 33.389 Juden. Marseille, 25. Sept. Das Blatt Garde nationale de Marseille giebt einen Aufsatz über den Zustand Constant in e's, gegen welches sich die-neue Expedition der Franzosen in Bewegung setzt, der wegen seiner Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit sehr gelobt wird. Es heißt darin unter Anderm: »Die Miliz des Bcv's überschreitet nicht 6000 Mann; hierzu muß man ungefähr 2000 Mann Juden und Mauren zahlen, welche als Stadrwache betrachtet werden.«