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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-10-03 · Heft 79 (3.10.1837) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 79 (3.10.1837)
Date
1837-10-03
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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316 matte des Papstes u. s. w. Beide Richtungen behandeln indeß das Zudenthum als Mumie, und können uns, die lebendige Judenhttt, nicht ansprechen *). Höchst zeitgemäß ist es daher, daß Herr vr. Steinheim (wir wollen unfern Lesern nicht verschweigen, daß es derselbe Steinheim ist, der als prakttscher Arzt, als ftuchtreicher mcdicinischer Schriftsteller, sowie als Philolog berühmt, uns auch mit dem philosophischen Werke »die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge« beschenkt hat. Sie möchten sonst glauben, es wären mehrere Männer desselben Namens,) diese kleine Sammlung neu hat auflezen lassen, damit sie zugleich ein größeres Publikum gewinne, da die erste Auflage, für eine wohlthänge Stiftung bestimmt, nur wenig in den Buchhandel gekommen sein dürfte. Er entschloß sich dazu auf einem Besuche bei seinem Ri esse r, damit, wie er in dem Vorworte sagt, diese Lieder »ein Andenken werden unsers gemeinsamen-Lebens in Einem Mittelpunkt von entgegengesetzten Radien äusgegangen und unserer Fügung und Ergebung in den heiligen Willen dessen, der den gemeinen unsrer Widersacher immerdar zu unserm Besten, und auch wenn es Zeit ist, zu unserm zeitlichen Wähle zu lenken, stark und gut sein wird.« Eine kurze Beschreibung des Werkes möge hier noch folgen: Obadiah den Amos lebte zur Zeit des Ptolemäus Philadelphos und ist einer von den -70 Uebersetzern der heiligen Schriften in das Griechische. Zn Gesprächen, die in fünf Tage abgetheilt sind, mit seinem Sohne Eliakim spricht er seine Ueberzeugung aus, daß diese Uebersetzung die Pforte sei, durch welche die Erkenntnis des wahren Gottes und alle davon ausfließenden Zdcen den Zug nach Westen beginnen, und zugleich nach dem Willen der hohen Vorsehung das Volk Israel als »Priester und Opfer« zugleich mit sich ziehen werde, dahin wo das von den Propheten erschaute Reich des Friedens und der- Humanität cs dereinst aufnimmt. Der erste Tag spricht diese Wanderungsgcfühle in Wohl und in Weh aus, in fünf Liedern: die Doppelquelle, der Vertriebene, der Sterbende in Israel, das neue Jerusalem, der Wiedcrkchrcnde. Der zweite Tag ermuntert zum Zusammenhalten und zum weitern Vordringen nach Westen durch das »Lach,« welches-, wie Börne sagte, — größer ist als der ganze Kerker —, hier zeichnen sich besonders aus die Lieder: »Der Sohn des Meers (Columbus), das neue Vaterland, und Jerusalem, so ich dein vergesse!« Der dritte Tag voll ernster, schauervoller Mahnung drückt die Furcht aus, die Götzendiener möchten die wahre Lehre verunreim'gen, und dann wähnen, sie vollkommner zu haben als Israel selbst. Wir geben hier das Lied Die Götzendiener: Wenn ihr ihn kenntet, Götzendiener' Wie euer Mund es rühmet: Würdet ihr dann euch unter einander Also hassen, und den Fremdling? *} Gegen die leerere spricht sich gerade unser Steinheim am entschieden,reu aus in der Nota 8 zu dm, Gedicht „der Klaggesang des Fremdlings" in folgenden Worten: „Traurig oder vielmehr kläglich ertönten daher jüngst die Klagen eines Juden." Sie sind der Ansdruck "des Schreckens und der Zerrissenheit, die an ähnliche Eemüchszustände einer geistigm Nachbarschaft erinnern, und dem Gefühl des Juden durchaus fremd. Sie haben deshalb Asien, die sich noch km organischen Lekeoskreisc dieses Volkes rüstig ben'ege», einen abstoßenden, widerwärtigen Eindruck hinterlassen, der zum feierlichen Protest gegen ste auffordert; der Scelenzustcmd ihres Verfassers darf daher nur als ein individuelles, ihm eignes angesehea werde», als die jetzige Verfassung eines Eemüths, dem es zwischm den beiden NeligiousheubündeM noch an zulänglichem Grunde stch zu bestimm« und einzubeißen fehlte Allelu auch diese — ohne große Propherengabe läßt sich das vorausseben — wird nicht lange fthlen und es ist zu vermuchea, daß.es d e r Bündel sei« wird, der die wenigsten DisteM enthält, der dem kläglichen Jude« am lieblichsten zulächeln dürste. Wir aber sagen uns los von jeder Gemeinschaft und ihrer Kläglichkeit, und betheuern feierlich, daß unser« Freunden und uns selbst solche widerwärtige Emvstndungen durchaus fremd sind und abgeschmackt erscheinen/« Denn Adonai ist Vater Aller Geister, Auch euer, Abtrünnige, Vater ist Er! 2tber ihr Knechte des Abgotts, Sondert und scheidet Brüder von Brüdern, Volk und Völker. Darum seid ihr geschlagen Und dem Zorne gegeben. Darum erwürgt ihr Einer den Andern. Also fügt ts der Richter, Daß sich der'Böscwicht Selber zerstöre. Was ih.r verbracht und Verbrecher An meinem Volke.— Fällt aufs Haupt euch zurück. Darum stehn eure Könige Ueber euch mit dem Richtschwert. Darum stehn eure Priester Ueber euch mit dem Bannfluch. . Darum steht ihr Götzendiener ( Gegeneinander zur Feldschlacht. - Ferner heißt cs in dem Strasiied: ' Jene Hand decket das Grab nicht die sich gegen den Vater erhoben. Jenen Mund decket da§ Grab nicht, der seiner Mutter geflucht Herr; Denn die Erde verabscheuet ihn der die Erzeuger verunehrr. Und du — wie du dich fremd stellst, - Abtrünniger dw! und verläuanest Deiner Vorfahren ftommcs Geschlecht, Und dich schämest Deines Vaters und deiner Mutter u. s. w. Der vierte Tag beschäftigt sich mit dem Schicksale Israels und der göttlichen Lenkung desselben in Licht und in Nacht, und endlich der fünfte mit dem frohen Bewußtsein unsrer höchsten geistigen Schätze und ihrer edelsten Einkleidung in dem Liedern »Gruß des Sabbaths« und »Abschied vom Sabbath.« _ Die neue Auflage ist wieder mit 5 Liedern vermehrt, nämlich: »Israel in der Verbannung. Aus dem Gcfängniß rief ich Gott, in der Befteiung antwortete Gott. Der letzte Exulant vom Stamme Jedirhuns. Ein Pilgrim und ein Verbannter, und Lobgesaug am Feste der Versöhnung.« Da hätten denn wir nun in 25 kurzen Liedern nebst einem schmalen Rahmen von blühender Prosa ein Werk, welches auch abgesehen von der hohen poettschen Vollendung, ein treues Abbild giebt von allem, was dem Israeliten in feinem Herzen heilig und begeisternd —, — sein sollte. Wenn viele in unserem Volke diesen Geist einsaugen unö nach Kräften verarbeiten, dann ist ein großer Schritt geschehen zur Erlösung Israels. Und so wie sich der begeisterte Sänger der christlichen Erlösung (Klopstock) dort am Thron »eine heilige Schaale voll Christenthränen« wünschte', (Jüdenthränkn sind freilich so rar nicht) so wünschen wir dem Sänger der unsrigen ein lebensftohes gottbewußtes Israel, das seinen Beruf in der durchlebten Bergangenheir und in der anbrecheuden Zukunft begriffen hat, und dauach thut! Hamburg. ' B. C. T Druck von W. Haack.

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