Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-26 · Heft 76 (26.9.1837) · p. Seite 304

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 76 (26.9.1837)
Date
1837-09-26
Page
Seite 304 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3224738-3224815--00522-3298824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

304 46. Wer will auf Reisen gehn, muß sich mit Kost verschn. 47. Mir ist lieber das Maß, das meine, als meines Nachbars neune. 48. Die Liebe bricht das Gleichgewicht. (Fortsetzung folgt.) für Euch blühen keine Eltern - Freuden, Euer Alter bleibt ohne Trost, ohne Stütze! Sich her, Du Water im doppelten Sinn, edler Fürst unseres Vaterlandes, so leidet unverschuldet ein großer Thcil Deiner Unterthancn, der mit den übrigen gleiche Lasten trägt, außer Einer '), und nur wie gern wollen wir auch diese übernehmen, wenn man unsern Kräften nur freien Wirkungs-Kreis öffnen wollte. Und so düster auch unsere nächste Zukunft uns noch entgcgcnschimmcrt, wir vertrauen Deiner Gerechtigkeit,, und wollen die Hoffnung nicht sinken lassen. — Daß unter diesem verderblichen Einfluß, den die Alles absorbircnde Sorge für äußere Subsistenz nothwendig ausüben muß, auch der moralische Zustand gefährdet ist, darf nichr befremden, dennoch muß der unpar theLische Beobachter sich wundern, ihn nicht auf noch niedrigerer Stufe anzurrrffen, denn wir entbehren hierin jeder Unterstützung der obern Behörde; so hat Fürstende r g noch keinen amtlich geprüften Lehrer der Jugend, und die Gemeinde, die ihren Gottesdienst noch nach altem Ritual' verrichtet, ist ohne geistliches Oberhaupt, den sie aus eigenen Mitteln auch wohl schwerlich halten kann. Sonderbarerweise muß sie indeß zum Gehalte eines Solchen in der benachbarten weit zahlreicheren und mehr begüterten Gemeinde von Alt-Strelitz ein Nahmhaftes beitragen, obgleich sie fein Wicken nicht anders erfährt, als daß sie die Erlaub niß hat, ihn auf ihre Kosten 1 oder 2 mal zum Behuf einer Predigt zu sich kommen zu lassen. Sie sehen, daß hier unendlich viel zu verbessern ist, nur muß der Impuls auch von oben herab gegeben werden, und gern wollten wir die absciten der Regierung ertheilte Gemeinde- Ordnung als den ersten Schritt bettachten, wenn nicht seitdem schon 2 Jahrzehnde verflogen wären. ' Ich habe Ihnen nur einen allgemeinen Umriß unserer Stellung geben wollen, ein anderes Mal etwas Speciellercs. — — d. (Aus Breslau.) Die »Lemberger Mnemosyne« und die »Neuen Schlesischen Blätter« sprechen sich sehr lobenswerth über die Leistungen eines israelitischen Sängers uhb Violinisten, Kantors der Gemeinde zu Dubno in Rußland, des Herrn H. A. Weintraub, aus. Ersteres Blatt hebt besonders hervor, daß der Conzettgeber an dem allerhöchsten Geburtsfeste des allverehrten Kaisers Ferdinand I., zum Besten des Spitalfonds, in der großen israelitischen Stadtsynagoge das Conzett veranstaltet, so wie er schon im Jahre 1833 den durch den Brand von Zolkwir Verunglückten, durch seine Kunst einen bedeutenden Beittag zugewendet. Das letztere Blatt bemerkt: Sowohl in der hiesigen großen, wie in den bedeutendsten andern Synagogen, ist Herr Weintra u b mit großem Beifall der Kenner gehött worden. Am Tage vor seiner Abreise gab er in einem Kreise von Musikfreunden eine Abendunterhaltung. Ein Quartett, mehrere Themata russischer und türkischer Nationallieder mit eignen Variationen, Letzten die ... . , _ - _, , i Anwesenden in Verwunderung. Bewundern wir einerseits das ®enie des Herrn W., welches sich ohne äußere Anleitung in einem ^schrecken, daß sie dann ihr trauriges Geichrck um so mehr gU j aant,e dem Höhern der Musik zugewendet hat, wo unter Juden Herzen nehmen, und Vorwurfe statt Segen durften ihn lohnen. > ^cht nur gär kein Stteben nach schönen Wissenschaften bemerkbar blerbt chm denn nur das emzrge Mittel, was denn auch dre! m ben Seltenheiten gehört, wenn ein Jude etwas Wohlhabenderen ausfuhtten, er ferset seine Sohne m'e Aus- , ^nes Landes Sprache leidlich versteht, so muß L dem Menschenlano, sie dott ehrenvoller durch dre Welt zu brmgen. Arme j L unb erfreulick sein in bemerken wie das «ickt der Aukunsäallcken ^Anitt^naunaen" sollt°^br°^ nickt^ernten müM * klärung, trotz aller Hemmungen, auch in 'jene Gegenden eindringr, ^^M"3enso^t^hr nicht ernten, mußt, , wo man vor wenigen Jahren noch einen Kantor verstoßen haben wollet ^hr Eure Kmder nicht physilch und moralisch zu Grunde rrmrde, wenn er sich unterfangen hätte, mit Notenblättern in die merzen verzichten, sie um Euch «u sehen, Synagoge zu gehend Der (Stfer, mit t ' Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Aus Mecklenburg-Strelitz.) Einem Bdricht auch aus unserer Gegend sah ich bis. jetzt vergebens in Ihrem Blatte entgegen *), und nur weil es nicht von anderer Seitt geschieht, deren geübtere Feder dem Gegenstände ersprießlicher wäre, fühle ich mich gedrungen, dies Schweigen zu brechen, um dem Vorwurfe zu entgehen, neben dem lebendigen Stteben unserer übrigen Glaubensbrüder nach religiöser, sittlicher und politischer Besserung, die einzigen zu sein, welche, durch langjähriges Schmachten unter veralteten Vorutthcilcn in Aparhie versunken, sich nicht aus ihrer ttaurigen Lage hinaussehnten. Unsere Lage ist allerdings ttaurig, ich wiederhole es, sie ist es mehr, als in fast allen übrigen deutschen Staaten. Wir genießen nur Schutz *), zahlen Schutzgeld, sind von allen und jeden bürgerlichen Gewerben und Handwerken ausgeschlossen, ohne Freiheit auf eigenen Namen Grund-Eigcnthum zu erwerben, Ackerbau zu treiben ec., ist somit einzig und allein der Handel zum Lebens-Unterhalt angewiesen, und selbst dieser noch mit Beschränkungen -), und da das Domieil in mehreren Orten unseres nicht ausgedehnten Landes (als Rcu-Strelitz, Neu-Brandenburg rc.) nicht gestattet, die Nahrung in dem übrigen um so mehr erschwett. Denken Sie sich z. B. Fürstenberg, ein Städtchen von 2000 Ew., darunter 50— 60 jüdische Familien (an 300 Seelen). Daß diese im Otte selbst sich nicht ernähren können, leuchtet ein, die meisten sind daher gezwungen, in den paar umliegenden Dörfern durch's Hausiren sich ihr Brod aus die kümmerlichste und erniedrigendste Weise zu verschaffen. So tritt hier seit undenklichen Jahren der Sohn in die Fußtapfen des Vaters, und noch darf er nicht den Gedanken hegen, sich ein edleres Ziel seines Sttebens zu wählen, mögen Neigungen ihn andtts bestimmen, mögen Fähigkeiten und Talente in ihm schlummern, ec darf sie nicht in's Leben rufen und ausb-lden, sein Loos ist ihm in der Wiege beschiedeu— er muß hausiren gehen. Da steht kummervoll der Familienvater, und sieht mit bitterem Gefühle auf sein? Heranwachsenden, hoffnungsvollen, einem sicheren Sclavenleben zueilenden Söhne, soll er ihre Erziehung vernachlässigen, damit sie ihr Unglück nicht fühlen, dann begeht er einen Seelenmord: seine Umstände erlauben es, ihnen eine wissenschaftrichten, mit blutendem Herzen i ») Vergleiche jedoch No. ll. d. Zeit. d. Redact. 1) Obrigkeitliche Erlasse fuhren noch immer die Ueberschrift „Rn den Schutzjuden" oder har man's bis dahin noch nicht gerächt, „An den jüdischen Handelsmann?i." d. Einsen». 2) Dahin geboren das Verbot des Colonialwaaren- und Tuch-Handels iür die Fürsten bürg rr. Letzteres wurde ihnen auf Anhalten »«dortigen Tuchmacher vor webrern Jahre« so erschwert, daß meines Wissens nur Einer jetzt die Concessiou daz» hat. - v __ ... dem sich Herr W. bemüht, sich mit den deutschen und italienischen Heroen der Musik bekannt zu machen, läßt bei seinen seltenen Anlagen erwarten, daß er es einst in seinem Fache weit bringen werde. Ein so redliches Kunststreben, verbunden mit der hohen Sittlichkeit, die wir an ihm wahrgenommen haben, und die sich auf seinen Chor überttägt, verdient unsre hohe Achtung. Unsre besten Wünsche begleiten ihn. 3) Die Militärpfiichtigkeit. Redakteur - vr. L. Philippson. — Verlag von Bannrgärtuers Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.