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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1837-09-23 · Heft 75 (23.9.1837) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
1 (1837)
Issue
Heft 75 (23.9.1837)
Date
1837-09-23
Page
Seite 300 (sequence 4)
Language
German
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300 stoffenen Winter so trefflich gewärmt hat? Unnütze Gründe der Trägheit und des Unglaubens! Hat der König Hiskia auch so 'ängstlich abgewogen? (Kön. ll. 18. 4) »Er zerstörte die kupferne Schlange, welche Moses gemacht hatte; denn bis zu diesem Tage hatten die Israeliten ihr geräuchert, und man hatte sie Nechustan genannt.«' Nun denn, wenn es euch Ernst ist, und ihr unsere Kinder als -Juden bei uns erhalten wollet, so greifet an, schießet Bresche! Denn hier und nur hier ist die schwache Seite der babylonischen Veste; und dies allein sind die Waffen, womit ihr einen Gegner besiegen könnet, der die Ueberzahl, den Harnisch einer ausgebreiteten Wissenschaft, das Schwett einer nachsichtslosen Consequenz und die Begeisterung eines Heeres für sich hat, dem er bei jedem Schritt, bei jeder Fahne, bei jedem Symbol mit Napoleon zurufen kann: du haut de ces monumens quarante siecles vous contemplent. *) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. (Lus Marburg.) Daß durch die Emancipation der Juden in Kurheffen sich auch der Zustand der Rabbiner "und Lehrer bedeutend verbeffett habe, bedarf wohl kaum einer Erwähnung, da sich früherhiä namentlich die jüdischen Dolkslehrer in einer höchst traurigen Lage befanden, indem sie von der bloßen Willkühr der Gemeindeglieder einzig und allein abhingcn; denn sie wurden wie Knechte gedungen, und so wie diese nach Belieben der einzelnen Gemeindegliedcr wieder verabschiedet, welcher nachtheilige und unheilsvollc Zustand der Lehrer seit einiger Zeit aber durch die weisen Verfügungen unsres Ministeriums gänzlich entfernt worden ist. Gegenwärtig bestellt die kurhessische Regierung auch sämmtliche jüdische Lehrer, und zwar mit einem Gehalte von wenigstens 100 Rthlr., welchen Gehalt die meisten Gemeinden unsrer Oberprovinz gern und bereitwillig herbeizuschaffen suchen, da sie den glücklichsten Erfolg dieser vaterländischen Wohlthar unsrer weisen Landes- ] regierung.einschcn lernen. Ganz anders verhält sich dieses aber mit der "jüdischen Gemeinde in unsrer Provinzialfiadr Marburg, wo unglücklicher Weise ein Geist der Opposition zwischen Vorsteheramt und Gemeinde sich gebildet, der jeder etwaigen Verbesserung entgegen zu stehen pflegt. So z. B. hat die Gemeinde noch gar keinen Dolkslehrer, und da das achtungswürdige hiesige Vorsteheramt aus die Anstellung eines solchen drang, fand es leider! auch hierin eine starke Opposition, indem die meisten Mitglieder der hiesigen Gemeinde sich weigerten, das Minimum eines Gehaltes für einen Lehrer zu zahlen. Den bisherigen Religionsunterricht versah der hiesige achtungswürdige Provinzialrabbiner Gosen, und demungcachtet ließen die meisten Juden denselben von ihren Kindern nicht einmal besuchen, und warum?-Die meisten Kinder empfangen auf diese Weise gar keinen Religionsunterricht , unb_ vegetircn also bloß, — was sollen aber aus sol-! chen Kindern für Staatsbürger entstehen? — Endlich befahl die hiesige Regierung der Gemeinde, tüchtige Subjecte zur Besetzung gedachter Lehrerstelle in Vorschlag'zu bringen, wobei sie natürlicher Weise zunächst auf ihren Synagogenvorsänger Neu mark fallen mußte, der als Vorsänger einen Gehalt von 150 fl. bezieht. Die Gemeinde stellte nun die unbillige Forderung an denselben, daß er für diesen Gehalt von 150 fl. auch das Lehreramt versehen solle! Herr Reumark, bescheidener als die Gemeinde, welcher er dient, bat hierauf, daß man ihm *) Die Redaction selbst wird diesem »Schreiben« baldigst ein anderes alsAntwort erfolgen lassen. Dieses jedoch dürfte Andere nicht abhalten, etwaige Erwiederung einzusenden. D. Redact. wenigstens seinen Dorsängergehalt alsdann bis zu 100 Rthlr. erhöhen möchte, welche billige Forderung aber dennoch nicht angenommen worden ist; denn wenn man ihm den Vorwurf der Untüchtigkeit machen will, so widerspricht man sich selbst, da er ja für 150 fl. zu dieser Stelle tüchtig genug ist!! — Zuverlässig wird unsre weise Regierung bald dazwischen treten und der Gemeinde gebieten, Herrn Reumark einen Gehalt von 100 Rthlr. zu zahlen, da in Marburg Niemand mit 150 fl. aoskommen kann, und wenn er auch nur auf die allernothdürstigsten Lebensbedürfnisse Rücksicht nehmen' will. Wer wird aber auch die Stelle eines Vorsängers und Lehrers zugleich für 150 fl. versehen? — gewiß kein so fähiger Mann, als wie Herr Neumark ist, der seine Stelle, in sofern er nicht einen Gehalt von 100 Rthlr. erhält, mit Recht gekündigt haben soll! —, Das hiesige Vorsteheramt ist gegenwärtig mit der Abfassung und Einführung eines neuen Lehrplanes beschäftigt, dessen eigentlicher Verfasser der als Schriftsteller im Gebiete der Profanphilologie rühmlichst bekannte Herr vr. I. Hoffa, Privardocent an der hiesigen Universität und Mitglied des jüdischen Borsteheramtes, sein soll. Ref. hat diesen neuen Lehrplan, der gewiß seines Verfassers würdig ausgefallen sein wird, noch nicht zu Gesicht bekommen können, so bald dieß aber der Fall ist, wird er nicht verfehlen, darüber zu berichten. — vr. I. Anzeiger. In demselben werde« Annonce« aller Art gegen £ Er. Gebühre« für die gespaltene Zeile -aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Erziehungsanstalt. Mit Michaelis dieses Jahres habe ich meine bisher stets von -12 —15 Zöglingen besuchte Erziehungsanstalt, weil meine Amts- und anderweitigen Arbeiten mir nicht mehr gestatten, sie in diesem Umfange pflichrgctreu zu leiten, aufgehoben, und insofern, reorganisirt, als ich die Zahl der Zöglinge auf Vier ein für allemal beschränkt habedie nun eine erhöhete, ganz persönliche Beaufsichtigung meinerseits genießen. Der feste Preis der Pension, außer Schulgelder, ist auf 200 Thlr. Pr. Ct. bestimmt. Magdeburg, im September 1837. vr. Ludwig Philippson. Anstellungsgesuch. Ein geprüfter, bereits 14 Jahre im Amte stehende^ mit den besten Zeugnissen versehener, jüdischer Lehrer, der zugleich das Amt eines Cantors und Schächters versehen kann, wünscht seine jetzige Stelle mit einer einträglicheren zu vertauschen, und ersucht hierauf Reflectirende in portofreien Briefen, mit Hinzufügung der No. der Zeitung, sich über das Nähere an die Redaction zu wenden. Bei I. I. Weber in Leipzig ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: . Die Freimaurerei in ihrem Zusammenhänge mit den Religionen der alten Aegypter Juden und der Christen. Für denkende Geschichtsfreunde St. S. Acerrellos. 4 Bbe mit Kupfern. Preis 4 Thlr. 7 fl. 12 kr. Redacteur: vr. L. Philippson. — Verlag von BaumgikrtuerS Buchhandlung. — Druck von W. Haack.

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